Sonntag, 13. August 2006

Der Weg zum gottes Haus

Es war Winter, sehr Kalt und in den gebirgigen Gebieten um unseren Dorf herum kam die Kälte noch intensiver zum Vorschein. Der alte, weissfarbene VW Bus ratterte durch die einsamen Strassen und die Jugendpflegeheimleiterin frau Sippel sass am Steuer. Hinten sass ich neben einen anderen Gestallten der genauso jämmerlich aussah wie ich. Ich war 14, grade mal 2 Monate in Deutschland, konnte die Sprache nicht sprechen und wurde von der Polizei einem Jugendheim zugeteilt weil ich noch auf meinem Cousin aus Norwegen wartete der mich abholen wollte. Er kam nie um mich abzuholen.

4 mal in Monat mussten wir mit der frau Sippel und manchmal auch mit ihrem Sohn zu den Kirchen der Umgebung fahren um Lebensmittel, Obst, Kleider und so Zeug abzuholen. Das war wohl ein traditionelles Ritual.

Es war mir alles neu und noch spürte ich kein grosses Heimweh. Nicht verwunderlich wenn man bedenkt dass ich mit 13 schon ein Soldat gewesen war. Ich beobachtete die grüne Natur, das Regenwasser bahnte sich unzählige Wege und ran an den Scheiben des Buses herunter, der kaputte Scheibenwischer quitschte die ganze Zeit aber das Geräusch war so gleichmässig, einsam und melancholisch dass es eher beruhigend war als nervtötend. Es erinnerte mich an den Ventilatoren die wir zuhause im Iran an der Decke anbrachten und worunter ich Mittags in der Hitze immer zu schlafen hatte. Dieses Geräusch beruhigte mich immer und begleitete mich in den Schlaf. Wu, wu wu wu...

Ich war in Gedanken als ich eine Faust in meinem Gesicht spürte. Ich war nicht vorbereitet und bevor ich aufstehen und mich wehren konnte, sass der Kerl schon auf mich. Ich hatte vieles gesehen aber ich hatte es noch nicht mit Kindern in meinem Alter zutun gehabt die um sich schlugen weil es Ihnen langweilig wurde. Einen anderen Grund konnte es nicht gegeben habe wofür ich geschlagen wurde.

Ich wollte aufstehen aber leider war ich Brav und hatte mich angeschnallt als die Frau Sippel mich darauf aufmerksam machte bevor wir losfuhren. Der Kerl neben mir aber hatte sich mittlerweile losgemacht und sass nun auf meinem Schoss und verpasste mir rechts und links Hackenschläge ins Gesicht. Ich fing an grade Schläge anzubringen die auch landeten. Ich schlug aber aus der schwächeren Position heraus, musste von unten nach oben schlagen und konnte die Hüfte nicht benutzen die wichtig ist um Dampf hinter den Schlägen zu bekommen und so konnte ich keine vernichtenden Schläge anbringen die ihn grossartig wehtun konnten.

"Heeey, sach mal bist du bescheuert? Komm runter von ihm, lass ihn in Ruhe"

Der Boxer lachte und schlug weiter, mal härter mal etwas gnädiger aber überheblicher. Er variierte die Schläge gut. Irgendwann stoppte auch der Bus, wir waren nämlich ans Tor der ersten Kirche angelangt. Aber da wurde es mir zu Bunt und ich beschloss ruckartig seinen Hals mit beiden Händen zu packen und zu mir runter zu ziehen. Meine Versuche den Gurt abzumachen vereitelte er spielerisch Leicht. Ich bekam ihn aber zu fassen, meine Lippe blutete schon und ich hatte nun meine Hände um seinen Hals geschlossen und zog den Kopf herunter zu mir, so nah dass ich ihn endlich wehtun konnte. Als ich mit den Kopfnüssen aufhörte sah ich schlimmer aus als er. Mein ganzes Gesicht war voller Blut, sein Blut. Gebrochenes Jochbein, gebrochenes Nasenbein. Ich hatte ihn sämtliche Gesichtsknochen gebrochen.

Mittlerweile öffnete die Frau Sippel die Tür des Wagens und man hörte nur ihr leises und zugleich langgezogenes "Meeeein Gott".

Eine Nonne kam gemächlich zu uns rüber und grinste dabei; als ich aber ausstieg und sie nur etwas rotes und gleich danach das zweite rote Ding aus dem Bus taumeln sah, blieb sie stehen, hielt den Atem an und hob die flache Hand zu ihrem Mund. Ich fühlte mich erleichtert, der unerbittliche Regen wusch mir das Gesicht und ich fühlte wie die Brühe anfing dünnflüssiger zu werden. Ich denke sie konnte mittlerweile schon meinen Gesichtsprofil erkennen bevor sie anfing mit nem Tuch mein Gesicht vom Blut zu befreien.

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