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Montag, 16. Oktober 2006

Der Regen und die schwachen Lichter

Ich war 13 und hatte Schulschluss. In Kriegszeiten wurden die Schulen fast zu 24 Stunden Lehrinstitute. Viele Kinder aus dem Südwestlichen und den westlichen Gebieten des Landes kamen nach Teheran, ohne alles, meistens hatten sie sogar die Eltern im Krieg verloren, sie waren meistens die Opfer der irakischen Bombardements. Viele von Ihnen hatten psychische Schäden genommen, die einen fingen an mitten im Unterricht zu schreien, die anderen fingen an zu husten bis sie erbrechen mussten und wir sassen da und wunderten uns über diese Kinder die die persische Sprache meistens mit einer südlichen Akzent sprachen. Wir hatten an dem Tag grade einen blonden Jungen aus der Provinz Lorestan bekommen. Ein astmathiker, der sehr traurig dreinschaute und nichts sagte. Aufgrund der unfreiwilligen Zuwanderung der Kinder aus den Kriegsregionen mussten die Schulen extraschichten einlegen. Wir wurden aufgeteilt. Eine Woche mussten wir frühs bis Mittags kommen, die drauffolgende Woche kamen wir von Mittags bis in den Abendstunden.

Es war eines dieser dunkelen Abende als ich nach hause fahren wollte, wir wohnten in einer ganz anderen Gegend um die 6-7 Kilometer entfernt von der Schule also kam ich immer zur Hauptstrasse um mir einen Taxi zu rufen. Es schüttete ungemein und ich hatte nur ein T-Shirt an weil am Mittag als ich das Haus verliess noch die Sonne schien. Innerhalb 2 Minuten war ich komplett durchnässt, das Wasser tropfte an mir runter, ich hatte meine Schulmappen unter der Axel und fand nach 10 Minuten einen Taxifahrer der in der Richtung fuhr wo ich auch hinwollte. 6 Fahrgäste drängten sich in dem Wagen und fanden zuflucht vorm Regen.

Ich sass Vorne und als ich die Tür zumachen wollte, hielt ein anderer sie fest und quätschte sich noch mit zu mir vorne auf dem Sitz. Hinten sassen 4. Das ein- und ausatmen der Fahrgässte beschlug die Fenster und es wurde wärmer, dadurch dass wir eng beieinander sassen, berührten sich die Oberschenkel deutlich. Es fühlte sich warm an, die Autoheizung wärmte die nassen Hosen von unten und das Wasser verdampfte.

Die Fahrgäste stiegen einer nach dem anderen aus und irgendwann war ich mit dem Fahrer allein. Ein hagerer Man mit einem knochigen Gesicht und einem dünnen Oberlippenbart.

Er beschleunigte immer mehr, die Strassen wurden leerer und ich merkte dass er einen falschen Weg fuhr.

"Entschuldigung aber fahren wir nicht falsch?"

"Nein, ich bring dich dort hin wo du hin wolltest"

"Aber das ist nicht der Weg, wir sind bald auf dem Autobahn richtung Flughafen" Er antwortete nicht.

Ich wusste nicht was er vorhatte aber ich hatte sehr viele Geschichten gehört von Typen die Kinder entführten und sie vergewaltigten. Es hatte keinen Sinn weiter zu diskutieren. Ich schaute die Strassenränder an und wartete auf einer Stelle die nicht betoniert war. Als ich die Stelle fand, machte ich die Tür auf aber er trat ein wenig auf die Bremse und hielt mich mit der rechten hand am Kragen fest. Es hatte so keinen Sinn also schloss ich die Tür, drehte mich um, und schlug aus allen Rohren auf ihn ein. Rechts Links, Grade Schläge, Hackenschläge. Ich erwischte ihn einige Male richtig hart. Er erwartete solch einen Widerstand nicht und konnte sich nicht verteidigen weil er halt am Steuer sass aber das Autoanhalten war ihm zu riskant, wir waren mittlerweile in einem der Randbezirke Westteherans. Er liess mich los, ich öffnete die Tür und sprang raus. Ich donnerte doch auf dem Beton aber zum Glück fuhren wir nicht mehr so schnell. Ich hatte nur ein paar Schrammen und mein Arm tat mir weh.

Meine Schulmappe war im Wagen geblieben, es regnete weiter und auf Taxis und Autos hatt ich keine Lust mehr. Also lief ich die 2 Kilometer unter sehr schwachen Strassenlichtern nach hause und der Regen begleitete mich. Meinem Vater erzählte ich dass ich in der Schule eine kleine Schlägerei hatte.

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