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Montag, 23. Juli 2007

Den Bomben schutzlos ausgeliefert

Wir schrieben das Jahr 1985, der Iran war praktisch nicht in der Lage den eigenen Luftraum zu verteidigen, wir waren den pausenlosen angriffen der irakischen Luftwaffe schutzlos ausgeliefert. Es gab lächerliche Szenen: Der staatliche Fernseher unterbrach Sendungen um Warnsirenen auszusenden als Zeichen eines bald bevorstehenden Luftangriffs. Das lächerliche daran war dass die Luftangriffe meist schon seit 5 Minuten vorbei waren als die Warnsirenen in Fernsehen ausgestrahlt wurden. Wir hatten keine funktionierende Luftraumüberwachungssysteme, wir hatten völlig veralterte Radarsysteme die nicht in der Lage waren die Flugzeuge des Feindes zu erkennen und wir hatten mickrige und völlig lächerliche Flackgeschütze aufgestellt worüber sich die irakischen Piloten eigentlich jedes mal schlapp lachen müssten denn sie waren so alt und nutzlos dass sie die Flugzeuge in der Höhe in der sie flogen gar nicht erreichen konnten aber wir feuerten munter drauf los weil den Einwohnern ja das Gefühl vermittelt werden musste dass wir uns verteidigen würden. Die Menschen wussten aber schon lange dass es einfach nur eine showeinlage war, die Iraker kamen, warfen ihre Bomben in ruhe ab und waren schon auf dem Rückflug und unsere Idioten schossen noch immer mit Flack durch die Gegend.

Wir sassen in unserem Klassenraum als etwas selten heftiges alles durcheinander wirbelte, ich verlor die richtige Sehkraft, fiel unter dem Tisch und unterwegs schlug ich mit dem Kinn auf dem Tisch vor mir, alles wackelte, ich sah keine klaren Bilder mehr, ich sah verschwommen dass unser Tafel runterfiel, mir war warm, ich weiss nicht ob ich dachte dass es vorbei war, dafür war alles viel zu schnell und zu heftig vor sich gegangen, das alles passierte in bruchteilen von einer Sekunde...aus dem Dach des Raumes kam der Putz runter, alle lagen auf dem Boden, es wackelte noch ein wenig und meine Sehkraft war wieder da, das Haus, unsere Schule stand noch da aber die Scheiben waren zersplittert und hatten sich zu gefährliche Waffen entwickelt, von meinen zwei Klassenkameraden die am Fenster sassen war nichts übriggeblieben, sie hatten nicht die Möglichkeit sich schnell genug zu ducken und unterm Tisch zu kommen, derren Köpfe waren nicht erkennbar, viele waren verwundet, ich war nicht verwundet aber ich konnte nichts hören, ich sah die Menschen sprechen aber ich hörte kein Wort, die Bombe war 2 Häuser weiter eingeschlagen und das war einfach zuviel des Lärms, ich dachte es ist vorbei, am anfang dachte ich dass ich vielleicht auch schon tot bin, ich dachte ich wär tot und hatte es noch nicht bemerkt... aber nach einer halben Stunde fing ich an die Sirenen der Krankenwagen zu hören, in den 30 minuten kamen Soldaten, Schuldirektor, Helfer und Eltern der Kinder um die Schüler zu evakuieren... für mich war das alles ein Film ohne Lautstärke, ich sah wie die Eltern der toten Schüler sich die Köpfe an den Wänden schlugen, wie sie aus dem herzen heraus schrien, wie sie in die Knie gingen, wie sie sich selbst schlugen und ich sah wie unser Schuldirektor selbst an der Hand verletzt versuchte den Vater vom Boden hochzuhelfen.

Wir schossen noch mit kaliber 50 in die Luft, die irakischen Bomber waren wahrscheinlich wieder in der nähe der irakischen Grenze aber wir schossen noch in die Luft, das waren schutzlose Zeiten, wir waren in einer damals 10 Millionen Stadt nichts als Freiwild. Das war beschämend, die Menschen konnten es nicht glauben was aus uns nach der Revolution geworden war, 1978 noch hatte der Iran mit einer der stärksten Luftwaffen der Welt, das einzige Land Weltweit dem die Amerikaner ihre F-14 verkauften und 7 Jahre später konnte sich dieses stolze Land nicht mal mehr gegen die irakische Luftwaffe wehren und mussten zusehen wie sie hunderte Kilometer weit von ihrer Grenze unbehelligt und völlig unbedrängt über Teheran bomben abwarfen und wieder sicher nach hause flogen. Unter dem Shah hätte sich der Irak nicht mal in ihren besten Träumen getraut den Iran anzugreifen und nun sahen wir jedes mal wenn sie kamen zum Himmel hoch und beteten und hofften dass sie ihre Bomben doch bitte auch dieses mal wo anders und nicht grade auf unseren Köpfen abwerfen...

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