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Montag, 14. Juli 2008

Stille Traurigkeit

Er kam an. Die elektrische Schiebetür der Wartehalle des frankfurter Flughafen ging mal wieder auf und ich sah den alten Mann den ich erwartet hatte, mit seinen weissen Haaren, mit der dunkelbraunen Anzug und einer beigefarbenen Pullover. Er schaute in die Menge während er seinen Wagen mit 2 grossen Koffer vor sich hin schob. Seine Augen waren aufgerissen, er strich sich ein paar Strähnen von den mittlerweile dünner gewordenen Haaren aus dem Gesicht, er sah nervös, etwas befremdet aus, dann sah er mich und fing an zu weinen und hunderte schauten zu. Dieser Mann war mein Vater, der Mann der mich als ich noch ein Kind war aus dem Land geschafft hatte damit ich am Leben bleiben konnte und damit ich nicht mehr zum Krieg musste. Mittlerweile war ich 23 und er hatte mich 8 jahre Lang nicht gesehen, er hatte es verpasst zu beobachten wie sein Kind heranwächst wie er zum jungen Mann wurde. Meine Lippen fingen an zu zittern, mein Gesicht glühte, ich presste die Lippen aufeinander um die Fassung nicht zu verlieren. Ich konnte es nicht. Auch ich fing an zu weinen obwohl ich dachte dass ich es als Folge meiner jahrelangen Abstumpfung womöglich nicht hätte tun können aber ich konnte. Ich merkte dass selbst wenn ich es unbedingt hätte verhindern wollen, wäre ich nicht in der Lage gewesen dies zu tun.

Tage später an einen nebeligen Tag sass ich mit meinem Vater an einen kleinen Teich voller Schwanen wo eine grosse Anzahl von Tauben sich um den Teich niedergelassen hatten. Wir hatten vorher Brot gekauft und auf den Weg zurück zu meiner Wohnung spazierten wir durch einen schönen und sehr grünen Park. Mein Vater liebte Blumen und Bäume mehr als Menschen, er meinte sie würden ausser Schönheit nichts zurückgeben das wäre bei den Menschen nicht der Fall.

Als wir uns auf eine Bank am Teich hinsetzen wollten mussten wir durch die Taubenmenge durch. Ausser zwei drei Tauben die wegflogen blieb der Rest aber am Boden und lief lediglich zur Seite um von uns nicht niedergetrampelt zu werden. Mein Vater war erstaunt: "Weisst du Hank, das ist auch ein Zeichen der grossen Unterschiede die zwischen den verschiedenen Kulturen bestehen. Es kommt nicht von Ungefähr dass diese Tauben vor Menschen nicht wegfliegen. Bei uns im Iran erkennen die Tauben die Menschen auf 500 Meter entfernung und fliegen hektisch weg weil sie bei uns einfach gequält werden, sie werden von den Dächern abgeschossen, die Menschen treten nach ihnen... Die Tauben hier sind es gewöhnt in ruhe gelassen zu werden, die Menschen hier gestehen Ihnen ein Lebensraum zu and akzeptieren sie neben sich also gewöhnen sich diese Tiere an die Menschen weil sie keine Gefahr wittern. Da wächst selbst bei einer Taube ein gewisses Vertrauen in die Umgebung. Bei uns lassen sie ja nicht mal die Menschen in ruhe geschweige denn Tauben."

Ich sagte nichts aber ich bewunderte meinen Vater für seine Auffassungsgabe, Tiefsinnigkeit und seine absolute Menschlichkeit. Er hatte recht.

Ennio Morricone - Chi Mai

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