Es war ein feuchter Frühlingstag. Es nieselte wie es halt so ist am kaspischen Meer. Die Hafenstadt Anzali steckte noch in Lethargie. Es war Grau, regnerisch und nebelig. Ich hatte das Haus schnell gefunden. Es lag direkt am Hafen so dass aus dem Hinterhaus die Schiffe und das Meer wie grosse Miniaturen zu sehen waren als ob sie zum Haus gehörten. Das Haus war ungefähr 150 Jahre Alt. Die Architktur des Hauses war eine Mischung aus der russischen Antike und die gotische Architektur. Das Haus war nach so langer Zeit noch immer komplett weiss obwohl die Aussenwände schon tiefe Risse genommen hatten. Im Vorderhaus gab es ein Garten, der mittlerweile kein Garten mehr darstellte. Es war wie ein grüner Sumpf. Hohe Grässer, Löwenzahn, und ein weisses Boot der verkehrt herum in einer Ecke des Gartens lag. Die Grässer und das Unkraut wuchsen aus jede Niesche hervor. Es nieselte mittlerweile nicht mehr, es regnete richtig. Ich suchte aber kein Schutz, die Melancholie dieses Hause hatte mich gepackt, ich fotographierte weiter. An den Rändern des Bootes wuchsen aber 3 Mohnblumen. Alles war Grün, Weiss und der Himmel war Grau aber die 3 roten Mohnblumen waren die Abwechselung, sie verliehen der Atmosphäre Farbe und Hoffnung.
Ich sass mich hin mitten im Garten und der Regen plätscherte einfach nur so dahin, es wurde noch viel heftiger aber es gefiel mir. Alle paar Minuten hörte man aus der Ferne die dumpfe Sirene eines Dampfers und die typischen laute der Seemöven die nervös und orientierungslos über den Hafen kreisten.
Vor 150 Jahren hatten dort meine Vorfahren gelebt. Die Familie hatte das Haus nie verkauft aber auch nie besucht. Ich, aus Frankfurt kommend, suchte nach 150 Jahren nach ein Teil der Familiengeschichte und fand es ziemlich schnell und unspektakulär. Ich entschied mich dazu, noch eine Weile dort unter dem Regen sitzen zu bleiben...
16.4.06 12:28
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