Eine Art von Intelligenz die auf der Strasse schläft

Ich hatte mich mit meiner Freundin in Berlin gestritten. Sie wohnte in einer vornehmen Gegend in Berlin-Steglitz. Es war 4 Uhr morgens, ich hatte keine Lust mehr auf Diskussionen und verliess die Wohnung meiner Freundin um Ruhe zu finden. Ich wohnte in Frankfurt und kam nur über das Wochenende nach Berlin um sie zu besuchen. Das hiess allerdings dann auch dass ich keine bleibe hatte sobald ich mich mit ihr stritt. Einfach nur Ja sagen nur weil es ihre Wohnung war konnte ich auch nicht.

Es war mitten im Winter und jeder der mal in Berlin gelebt hat oder zumindest den Winter dort erlebt hat, kann bestätigen was ich da durch zu stehen hatte. Wie ein Penner auf die vereisten Strassen, minus 10 Grad und ein Wind der die Nerven tötete und die Knochen erreichte.

Ich hasste Steglitz. Die gegend war mir zu Vornehm. Ich wollte zum U-Bahn um nach Bahnhof Zoo zu kommen. Aber mir war einfach zu kalt. Ich wäre gerne dort wo andere auch frierten, z.B in Wedding oder eben Bahnhof Zoo aber auf keinen Fall in Steglitz wo ich sicher war dass die reichen im warmen verweilten und hübsch träumten.

Ich nahm ein Taxi und stieg am Bahnhof zoo aus. Am Eingang waren immer irgendwelche Penner und Obdachlose die tranken und die Zeit totschlugen.

Mich packte der Gedanke dort mal mein Glück zu versuchen und zu testen ob ich bei ihnen ankommen kann oder nicht. Ich kam an. Einer von Ihnen bot mir sogar seine Decke und ein schluck Weizenkorn an.

Ich kam mit einem von Ihnen ins Gespräch...

"Weisst du, ich glaube ich bin ein Mensch, dem das Leben nicht weit genug ist. Das Leben ist eng, ich bin weit. vielleicht Stimmt das auch nicht aber es gibt im Leben eine Art von Menschen die wie die Juden nirgends einen festen Platz finden an dem sie Wurzel schlagen können. In ihrem Inneren lebt ein ruheloses Sehen nach etwas neuem. Die kleinen unter ihnen können nie eine Hose nach ihrem Geschmack finden und sind aufgrund dieser Mentalität ewig unzufrieden und unglücklich, den Grossen kann überhaupt nichts genügen, weder Geld noch Frauen noch Ehre. Solche Menschen sind unbeliebt auf dieser Welt sie sind streitlustig und schwierig. Weisst du die meisten Menschen sind Dutzendware, wie Pfennigstücke die sich nur dadurch unterscheiden dass sie verschiedene Prägungsdatum haben."

Ich nahm das erste mal einen grossen Schluck von dem Fusel und hörte weiter zu...

"Der eine ist etwas abgegriffener, der andere noch etwas neu aber sie sind alle aus demselben Stoff gemacht, sie sind sich alle ähnlich. Ich mein lieber bin aber kein Pfennigstück"

Er sagte dass alles in ruhiger Stimme und spöttischem Lächeln so als ob er es selber nicht glauben würde.

Der Mann war interessant. Die meisten Penner sind zwar auch nicht alle Dumm aber sie sind durch die Umstände schon geistig tot, haben alle Selbstachtung verloren, haben kein Urteil über sich selbst und sinken in der Regel von Tag zu Tag immer tiefer in Schmutz und Schande hinein. Irgendwann verschwinden sie aus dem Leben ohne das auch jemand ein Notiz davon nimmt.

Dieser Mann aber hatte etwas festes, entschlossenes. Er klagte auch nicht über das Leben wie die meisten obdachlosen es tun.

"KOMM STEHT AUF!!!" Sagte ein Typ der von der deutschen Bahn bezahlt wurde um die Penner und Obdachlosen zu vertreiben. Sie schadeten natürlich dem Image des Unternehmens. Wir standen auf, mittlerweile wurde es Hell, ich bekam Hunger und beschloss in Richtung Kurfüstendamm zu gehen um ein Laden zu finden in dem es am frühen Morgen auch was zu essen gab. Ich verabschiedete mich von dem Typen und bedankte mich für den Schluck Korn...

16.4.06 23:23

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