Er und Sie

" Was ist das denn wieder?" Das sagte sie, neigte den Kopf zur Seite und lächelte dabei. Er hächelte an uns vorbei und antwortete nichts. Völlig ausser Atem trug er die Last rein ins Haus und wir machten ihm Platz damit er durch konnte.

Mein Vater kam wieder nach Hause. Wie üblich hatte meine Mutter eine kleine Bestellung mit auf dem Weg gegeben und er kaufte wie immer den Laden halbleer! Mein Vater war ein gut aussehender Mann. Gross, drahtig ohne Protzig zu sein, einfach Elegant. Keiner in der Familie sah mit sowenig Mühe so Elegant aus und zwar auch in Zartem Alter von 50 wo seine Haare ergraut und die Haut Furchtig wurde, sah der Mann männlich und anziehend aus.Er hatte weisses Hemd und eine schwarze Schlaghose aus Baumwolle an, der oberste Knopf des Hemdes war nie zu so dass sein Hemd weder übertrieben offen war noch dass er übertrieben verklemmt aussah.



Aus allen Ecken des Landes war am Abend "Azan" zu hören als ob die Moscheen sich darin übertrumpfen wollten wer den besseren "Moazzen" mit der besseren Stimme hat. Wir hatten es damals Satt soviel arabisch zu hören da es doch nicht unsere Sprache war und wir davon nichts verstehen konnten. Die lauten Abendgebete aus den Moscheen waren uns zuwider.



Er machte also Abends immer die Tür auf und hatte meistens 2,3,4, Hellgrüne Plastiktüten in der hand und dazu noch 2 oder 3 volle Papiertüten. Die berühmtberüchtigten braunen Papiertüten die jedes iranische Kind kannte. Alle Obst und Gemüseverkäufer packten die üppige Wahre in diese Tüten ein.

Zuhause meckerte meine Mutter immer während sie dabei war die Tüten zu sortieren und im Kühlschrank einzuräumen.

" Soooviel Orangen??, Iraj (so heisst mein Vater) joon, du hast doch gester schon soviel gekauft, sie verfaulen doch nur , wer soll denn das alles essen?"

"Frau, die waren heute wirklich gut, die sahen gut aus und da habe ich mir gesagt ich hol wieder ein paar Kilo. Mach dir doch keine Sorgen, die werden schon gegessen"

Meine Mutter hatte meistens Recht. Er war sehr grossherzig und verschwenderisch. Er wollte immer dass wir von allem zuhauf hatten. Er war immer der Meinung dass ein Kind in grosse Räumlichkeiten aufwachsen müsse, weil kleine Zimmer und Häuse ansonsten die Psyche des Kindes negativ beeinflussen würden. Diese Sichtweise führte dazu dass wir seit ich mich erinnern kann, immer in Einzelwohnungen hausten die immer einen grossen und grünen Garten hatten. Damals verstand ich es nicht, viele Jahre danach erfuhr ich dass der Mann recht hatte dass nicht nur räumlichkeiten innerhalb einer Familie wichtig waren, sondern sogar Menschen aus weiten und üppigen Ländern, ausgiebiger, verschwenderischer und weniger Geizig waren als Menschen aus kleineren Ländern wo dann die Bevölkerungsdichte grösser war. Er wollte immer dass ich Geld in der Tasche hatte wenn ich das Haus verliess. Er schützte uns vor dem Gefühl des "nicht kennens" oder des "nicht haben könnens". Seine Mitteln waren zwar nicht sehr Üppig aber es reichte um uns lange Zeit ein ruhiges und beschwerdenfreies Leben zu verschaffen.

Die Mutter war da die Bank. Sie verwaltete die Finanzen. Ohne sie würde er Geld nur so aus dem Fenster schmeissen.

Das ganze interessierte mich damals nicht. Ich wühlte weiter in den Papiertüten um etwas zu finden was für mich bestimmt war. Meistens brachte er mir irgendetwas aus der Stadt mit. Sei es meine Lieblingsschokolade, Tischtennisbälle, Komikhefte....

1.8.06 19:37

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