Der Reihe nach: Träume und Wünsche

Meine Wünsche bezüglich des auswandern und die damit verbundenen Lieblingsbilder die sich ein Jeder in Gedanken ausmalt, haben sich über die Jahre verändert. Sowohl die geographische Lage der Ziele als auch die vorstellung von den Dingen die man sich dort wünscht. Da sind neue Wünsche hinzugekommen die ich mir vor 10 Jahren nicht gewünscht hätte.

Ich kann mich erinnern dass ich mit Kanada anfing. In meinen Träumen wollte ich dort entweder in Quebec oder in Alberta ein rotbemaltes Holzhaus haben, ohne Fernseher, ohne PC, 2 Pferde und 2 Hunde, eine hübsche Frau und 2 Kinder und sah mich schon durch die eigenen Weizenfelder rumspazieren. Dann hatte ich eine einsame Phase. Ich sah mich an der südinsel Neuseelands, am Meer, kein Mensch, nicht mal mehr die Frau dabei, nur ich und rauschendes Meer. Die Holzhütte war noch da und Bücher und ein Boot kamen noch dazu. Ich sah mich fischen gehen, dabei las ich Bücher und abends machte ich mir vor der Hütte feuer und ass Fisch. Nachts schrieb ich bücher. Ein bischen davon konnte ich mir sogar erfüllen. Ich verweilte 11 Monate in Neuseeland.

Argentiniens Patagonien kam mir auch irgendwann in dem Kopf. Aber das hielt nicht lang, im hintergedanken kam ich mit der vorstellung nicht klar dass ich dort mit Nachfahren der katholischen Italienern und Spanieren zusammenleben musste und dabei den argentinischen Fussball so hasste. In meinen Vorurteilen komme ich mit den evangelischen Gesellschaften und die damit verbundene Liberalität eher zurecht als mit katholiken und Südeuropäer die noch zu sehr an Gott und Religion kleben.

Ich war mal in Namibia und überlegte ob ich dort leben könnte, ja das könnte ich aber das wollte ich nicht weil wenn ich Namibia mit den anderen Optionen verglich die mir durch den Kopf schwirrten, verlor immer Namibia.

Norwegen war und ich heute noch hoch im Rennen, vermutlich weil ich Kanada aufgegeben habe. Die Fjordlandschaft Norwegens ist für mich immer wie ein Bild von Paradies gewesen. Ruhe, Berge, Seen, Boote und die roten Holzhäuser. Norwegen ist ein Kanada in Europa.

Wisst ihr was ich heute will? Ich will in den Florida Keys oder in der nähe von Tampa Bay weit weg von der Zivilsation leben, Kanu und Boot fahren, mir einen hellbraunen Labrador und einen mächtigen Dodge-Geländewagen kaufen, Tomaten anpflanzen und dieses mal möchte ich auch Fernseher haben aber noch immer kein Internet. Ich würde woche zu woche die Footballspiele der St.Louis Rams oder die der Detroit Lions live in Fernsehen anschauen, eiskaltes Bier trinken und meinen Labrador dabei streicheln und: ich würde nachts unters schwache Licht einer Lampe wie verrückt schreiben. Mein Tisch steht direkt vor einem grossen Fenster wo ich rausschauen und die schwachen und fernen Lichter beobachten kann und zwar aus einer sicheren Entfernung die mir das Wasser gewährt das mich von den fenen lichtern trennt...
yester - 17. Aug, 20:45

Florida? Echt? Mich zieht es eher in den Norden.

Geiles Headerbild übrigens.

Chinaski - 17. Aug, 20:51

Ja klar, ich bin auch ein fan des Nordens. Kanada und Norwegen und die Geschichte mit Florida könnte auch locker in Maine oder New Hampshire passieren und ich würde mich mindestens genausoviel freuen. Haupsache Boote, ein Labrador, Bücher und das Meer. Ein bischen weiter nördlich in Kanada könnte ich auch in Neufundland oder Neuschottland die selbe Geschichte durchziehen.
yester - 17. Aug, 20:54

Das Meer, Boote, Hunde, Holzhäuser, Lagerfeuer, Bacardi, Rotwein, ähm, und Pferde für den Galopp am Strand und weil Pferde so gut riechen.
Chinaski - 17. Aug, 20:59

Solange die Geschichte weitweg von der sogenannten Zivilisation abläuft und ich sowenige Menschen wie möglich sehe ist alles in ordnung.
yester - 17. Aug, 21:04

Ach nein, ein paar schrullige, verschrobene Nachbarn mag ich schon haben. Einen, der niemals grüsst, einen, der ein Holzbein hat, einen, der irgendwie suspekt ist und vor dem mir ein wenig graut und dann einen, der es versteht, Schnaps zu brennen.
Chinaski - 17. Aug, 21:07

Nein das wäre mir dann zuviel John Irving :)
Ich will keine Nachbarn, ich will keine Läden, ich will alle paar Tage mit dem Dodge zum nächst gelegenen Dorf oder Städtchen fahren, mir das kaufen was ich brauche und wieder in die Einsamkeit zurückkehren.
yester - 17. Aug, 21:08

Apropos Irving: Magst du ein paar Worte zum Wassertrinker verlieren?
Chinaski - 17. Aug, 21:18

Das ist vielleicht sein bester Roman. Owen Meany und Garp sind auch klasse aber beide deutlich über 600-700 Seiten und da muss ich mich immer durchkämpfen egal wie gut der Roman ist. Lies ein bischen in Amazon darüber. Da geht es um das Leben eine Tontechnikers der probleme hat wasser zu lassen, seine Frau verlässt ihn und er nimmt es gelassen aber wehmütig hin, die geliebte von ihm will ein Kind aber er sagt ihr nie direkt dass er kein Kind mehr will, sein Chef der Filmemacher hat schonmal mit seiner jetzigen geliebte -auch eine Filmkollegin- geschlafen und er weisst nie so recht ob sie nicht immernoch mit ihm schläft... die Geschichte spult sich immer vor und zurück, das heisst die Kapiteln sind durcheinander. Er erzählt z.B über eine Operation dann geht er wieder zurück zu der Geschichte mit der Prostituierten in Wien und in dem Kapital danach fängt er wieder genau dort an wo er auf dem Operationstisch lag! Er ist wirklich ein Meister der leisen, verborgenen aber auch plötzlichen Humors verbunden mit viel Realität und auch Melancholie. Ich hab durchs ganze Buch durch ein lächeln auf die Lippen gehabt.
yester - 17. Aug, 21:23

Die Wiener Prostituierte kommt auch bei Garp vor, den ich fast durch habe und in dem, wie gewohnt, kaum ein "normaler" Mensch vorkommt - vielleicht mag ich Irving gerade deshalb so sehr... :)
Chinaski - 17. Aug, 21:51

Einer seiner Stärken meiner Meinung nach ist, dass bei ihm Abnormalitäten ziemlich realitätsnah aussehen. Dieser Mann könnte in 20 bis 50 Jahren als einer der grössten gelten. Ich glaube das Potential dazu zwischen seinen Zeilen lesen zu können.
el commandante (anonym) - 18. Aug, 19:04

danke für deinen eintrag....ichhab von chinaski über 33 bücher gelesen...einer der größten undergroundliteraten

ma`a salama (auch wenns arabisch ist)

Chinaski - 18. Aug, 19:16

Kein Ding Che, nur weisst du wie soll ich es sagen... ich schäm mich auch schon -das war gelogen, ich schäm mich überhaupt nicht- , aber ich habe eine kleine Abneigung gegenüber der arabischen Kultur und Sprache ohne ein Rassist zu sein. Hat wohl mit der iranischen Geschichte zutun die so vor 1400 Jahren von Islams Armee vergewaltigt wurde und zwar im Namen Allahs. Da bin ich bis heute kein Freund von.
el commandante (anonym) - 18. Aug, 19:58

ich bin ein kleiner muschawiq, ich interessiere mich für den orient, bin auch kein rassist....es ist doch alles schlecht was im namen der religionen zwangsokkupiert wird....die jesuiten waren doch auch keine guten brüder bei ihren missionierungen...egal....was mich interessiert, liest du bukowski /chinaski/....????????
in wien gabs heuer als gratisbuch der stadt /auflage weit über 100.000 für die bevölkerung/ irvings "laßt die bären los"....wenn du willst schick ich dir ein buch, aber da würd die zustellgebühr teuer werden ahahahahahahaha......wo in persien lebst du und warum schreibst du so gut deutsch....leider beherrsche ich farsi nicht...sorry....

Chinaski - 18. Aug, 20:10

Bukowski lese ich nicht mehr weil ich schon alles gelesen habe was er an Ergüssen rauszuhauen hatte, genauso wie ich von John Fante leider nichts mehr lesen kann. Irving, der Mann ist wirklich klasse und unter den lebendigen Autoren gibt es nicht viele die ich als klasse bezeichnen würde, John Updike vielleicht noch aber ich bezweifele dass er noch lange zu leben hat!

Ich lebe nicht im Iran sondern in Saarbrücken, bin zwar in Teheran geboren, bin aber ein Frankfurter Perser weil die Zeit dort mein Leben sehr Kräftig geprägt haben. Perser übrigens sind arischer Abstammung. In altarabischer Sprache wurden die Perser sogar als Germanen bezeichnet. Bis heute gibt es grosse Unterschiede zwischen der persischen und der arabischen Kultur und Sprache auch wenn die Multimedia uns gerne mit den Arabern in ein Topf hätte. Die Semiten konnten sich eigentlich nie so richtig an uns Ariern gewöhnen obwohl wir seit 7000 Jahren dort leben. Was Ihnen heilig ist ist mir zuwider :)
herbstfrau - 25. Aug, 18:48

wenn sich doch nur

viele diese träume erlauben würden!! Schön, ich habe dich überall gesehen in meinen Gedanken und Vorstellungen. Weil du sehr bildhaft geschrieben hast.

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