Pinot Noir und Lermontow

Und wieder ist es Pinot Noir...

Michail Lermontow ist einer meiner Favoriten wenn nicht der absolute Favorit. Seine Gedichte haben mich immer fasziniert. In seinen Gedichten konnte ich vielleicht das finden was ich bei vielen anderen nicht fand: Mit den Worten spielen aber einfach bleiben. Ich habe die russische Seele immer sehr gut verstehen können, die Melancholie, die väterlich moralischen und absolut Vernünftigen Phrasen Tolstois, die Intelligenz Dostojewski, die Bodenständigkeit Turgeniews haben mich jahrelang geprägt. Sie haben meine Jugend begleitet, ihre Gedanken haben mich geformt aber die Gedichte Lermontows taten mir immer gut weil sie so real und so wahr waren. Sie imponieren mir bis heute und ununterbrochen. In dem Gedicht "Das Segel" spricht er über eine Art von Glück das nur durch Kampf zu erreichen ist. Wir kämpfen weil bestimmte Kämpfe durchaus sehr Reizvoll sind. Das kann ich aus meinen eigenen Erfahrungen vollständig bestätigen. Hart zu kämfpen, etwas zu erreichen wieder runter zu kommen um sich auszuruhen... da steckt Erotik drin.

Ich war grade dabei mir einige Lieder -vor allem das 4te, 8te und 9te- aus dem letzten Album des Griechen Yorgos Kazantzis anzuhören.

DAS SEGEL

Wo Meer und Himmel sich vereinen,
Erglänzt ein Segel, weiß und weit -
Was trieb es aus dem Land der Seinen?
Was sucht es in der Einsamkeit?

Es pfeift der Wind. Die Wellen drohen.
Es knarrt der Mast. Das Segel schwebt
Nicht vor dem Glück ist es geflohen.
Es ist nicht Glück, wonach es strebt.

Strahlt auch in Gold der Himmelsbogen,
Und glänzt auch noch so blau das Meer -
Das Segel lechzt nach Sturm und Wogen,
Als ob in Stürmen Ruhe wär.
insane in the mainframe - 22. Sep, 13:16

Hart zu kämfpen, etwas zu erreichen wieder runter zu kommen um sich auszuruhen...

... ist der direkte Weg zur Gelassenheit, das wahre Leben beginnt jenseits der Verzweiflung.

Nous sommes embarqué!

ellebelle - 22. Sep, 20:41

Als ob in Stürmen Ruhe wär

Vielleicht stimmt das sogar.

Chinaski - 22. Sep, 21:01

...als ob in Stürmen Ruhe wär...

Ich sag euch Lermontow war einfach nur Genial...

Prost
ellebelle - 22. Sep, 21:03

Und ich sage: vielleicht stimmt das sogar.

Prost.
Chinaski - 22. Sep, 21:13

Und ich frage dich: Warum bist du dir da nicht sicher? Wieso vielleicht?
ellebelle - 22. Sep, 21:17

Weil man das erst weiß, wenn man den Sturm hinter sich gebracht hat und die Ruhe danach nicht als solche empfindet.
Chinaski - 22. Sep, 21:23

Was du sagst wäre richtig wenn er dieses gesagt hätte: "Als ob nach dem Sturm Ruhe wäre..."

Er sprach aber nicht von der Zeit nach dem Sturm sondern vom "Stürmen" (also während dessen) und an Stürmen ist in der Tat nichts ruhiges auszumachen.
ellebelle - 22. Sep, 21:27

Stürme sind Bewegung und erfordern schnelles, präzises Handeln. Dem grübelnden, unruhigen Geist ist Ruhe gegönnt.
Chinaski - 22. Sep, 21:35

Ich glaube wir sind dabei auszuschweifen. Und zwar eindeutig!
ellebelle - 22. Sep, 21:37

Das ist in Stürmen so.

Ich glaube, ich erspare mir Mr. Obercool Vin Diesel und schmeiße mich ins Nachtleben.

Schönen Abend!
Chinaski - 22. Sep, 21:39

Lass die Sau raus baby. Take Care!
ellebelle - 22. Sep, 21:41

Mach ich. Trinke einen für dich mit. Prost!
Chinaski - 22. Sep, 21:43

So kenn ich dich Baby! Cheers! ;)
ConAlma - 23. Sep, 01:31

nicht vielleicht

sondern sicher:
der "grünbelnde, unruhige" Geist widerspricht doch der Ruhe; während gerade inmitten von Stürmen die Ruhe das einzige ist, was aus den Stürmen führt.
Chinaski - 23. Sep, 01:48

Der Segel möchte keine Ruhe haben. Das ist ein sehr berühmtes Gedicht von Lermontow. Damit möchte er einfach wie schon gesagt den geist des Kampfes huldigen. Für den Segel bedeutet der Kampf das was für andere die Ruhe bedeutet.
Ben (anonym) - 23. Sep, 09:06

Einen

Segler hält es nicht lange im Hafen. Erst wenn er auf dem Meer ist kommt er seinem Ziel näher auch (und gerade) wenn es den Kampf mit den Elementen bedeutet. Schönes Gedicht.

Chinaski - 23. Sep, 15:24

Ja und das bedeutet für ihn Glück auch wenn es mit Kampf verbunden ist.
Ben (anonym) - 23. Sep, 20:50

Gerade im Kampf mit den Elementen, denen er nicht ausweichen kann, spürt er letztendlich das er lebt, mit jeder Faser.

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