Genua, Firenze, Massaciuccoli (Teil 2)
Die meiste Zeit im Zug habe ich geschlafen und habe das nachgeholt was mir in den letzten 2 nächten fehlte nämlich schlaf. Angenehme Kabinen, wohl temperiert und wirklich nette Schaffner die mich auch mal in ruhe liessen als sie sahen dass ich schlief. Nach ca 4 Stunden kam ich in Firenze an und fühlte mich prächtig. Es war noch Nachmittag und ich hatte noch zeit die Weiterfahrt nach Massaciuccoli zu regeln. Ich kannte Firenze ganz gut, ich war schon vorher 4 mal dort und wusste ungefähr wo man gut essen und trinken konnte. Ich sehnte mich nach Alkohol. Ich hatte lange Zeit mit niemanden gesprochen, ich war seit 2 Tagen völlig nüchtern und hatte dabei leise und einsam nur beobachtet und die Kälte ausgehalten. Etwas in mir verlangte nach spass, heiterkeit und wärme. Ich erkundigte mich vorher nach den Möglichkeiten um nach Massaciuccoli zu kommen und als ich alles hinter mir hatte ging ich zu einem Cafe am Fluss und began zu trinken. Die Abendsonne schien und sie war dunkelorange. Die kleinen Motorräder die meist doppelt besetzt waren wurden mehr, genauso wie die Anzahl von lachenden Menschen. Florenz kann neben all den schönen und kulturell wertvollen Seiten, auch ziemlich depressiv machen. Lauter kleinen und engen Gassen und lauter alten romanischen Architektur und grauen Gebäuden ist die Innenstatt ziemlich dunkel auch wenn die Sonne scheint. Ich fühlte mich oft sehr eingeengt, deshalb habe ich die Gegend am Fluss immer vorgezogen weil dort breitere Strassen vorzufinden waren und ich und eine weitere Sicht und eine breitere Horizont hatte.
Der Chianti war nicht so toll, aber es kann auch an mir gelegen haben weil ich nie ein grosser Chianti Fan war. Den ersten Glas konnte ich noch akzeptieren aber als sie wieder mit der Chiantiflasche ankam verlangte ich nach einer ganzen Flasche Pinot Noir und bekam sie auch. Das war wiederum ein herrlicher französischer Wein und nach 2 Gläsern fing ich schon an mit den Gedanken zu spielen in Florenz zu übernachten und erst am nächten morgen nach Massaciuccoli zu fahren. Die Luft war herrlich, vielleicht kam es nur so vor weil ich langsam anfing besoffen zu werden. Ich machte die Beine unter dem kleinen runden Tisch lang und schlug sie übereinander, zog einen leeren Stuhl noch zu mir heran um den linken Arm drauf lehnen zu können. Ich war völlig relaxed und fing an langsam irgendwelche Elvis Presley und Frank Sinatra lieder zu singen. ein paar Tische weiter entfernt sass ein Paar, mitte 40 und lächelten mir zu. Ich fühlte mich von allem gelöst, schenkte weiter ein und kümmerte mich um nichts. Die Bedienung, Maria Angela, Studentin der Kunst und 29 Jahre Alt, kam und wollte den vollen Aschenbecher durch einen leeren ersetzen als ich ihr zu verstehen gab dass ich gar keinen Aschenbecher brauchen würde. Sie nickte und in dem Moment als sie sich auf meinen Tisch beugte, wurde sie von dem paar angesprochen. Ich verstand nicht was sie ihr sagten aber sie lachte und antwortete "Ja er hat eine gute Stimme" wobei ich mir dann vorstellen konnte was das Paar ihr vorhin gesagt haben könnte. Ich goss weiter ein und sang und als ich zu mir kam und den Blick vom Himmel und dem Fluss nahm merkte ich dass sowohl das Paar als auch die Bedienung mich beobachteten und sehr nett lächelten. Maria Angela war eine entzückende Frau mit langen braunen Haaren die sie nach oben zu einem Knäul gebunden hatte und durch sowas wie ein Holzstäbchen befestigte. Schwarzes Hemd, schwarze Hose, braune Lederschuhe. Hübsche Mandelförmige Augen, volle und absolut sinnliche Lippen, schön geformte Augenbrauen eine kleine knochige Nase. Nur die Hände sahen nicht künsterisch aus aber diese Hände sagten mir dass es sich hierbei um eine tüchtige Frau handeln musste. Ich kannte diese Hände von den Frauen die mit mir in Bars arbeiteten. Das ständige spülen und der kontakt mit Bier, Wasser und Spülmittel bekommt der zarten Frauenhaut nicht gut. Das alles registrierte ich innerhalb von 5 Sekunden als ich mich umdrehte und sie auf der Schwelle der Eingangstür sah. Sie lehte sich an den Türrahmen und als sie mich umdrehen sah fing sie leise und bedächtigt an zu klatschen. "Bravo" sagte sie während sie lächelte. Für einen Moment war ich mir nicht sicher ob es ernst gemeint war oder ob ich mich schon längst lächerlich gemacht hatte. Ich drehte mich um und schenkte mir noch den letzten Glas ein und leerte die Flasche. Mittlerweile war es schon Dunkel und das paar stand auch langsam auf, bezahlte und ging. Ich bestellte die zweite Flasche und merkte dass die Bedienung seit langem ein dauerlächeln aufgesetzt hatte als ob sie mich für Verrückt halten würde. Ich hatte schon längst auf Massaciuccoli geschissen. Ich war bequem geworden und die Bedienung hatte meine Aufmerksamkeit geweckt. Als sie mit der zweiten Flasche kam, fragte ich sie ob sie nicht mit mir ein Glas trinken möchte. Sie sagte nur "Moment mal" ging rein und kam mit einem Aschenbecher in der einen und mit einem Weinglas in der anderen Hand zurück und setzte sich mir gegenüber und fing an eine Zigarettenpackung aus der Tasche zu ziehen. Meine Haltung auf dem Stuhl änderte sich nicht. Ich fühlte mich gut, meine Muskeln hatten sich völlig entspannt und mein Kopf lauter Rotwein und Alkohol auch. Ich schaute ihr ins Gesicht und beobachtete ihre Bewegungen, wie sie die neue Zigarettenpackung aufmachte, wie sie sie herausholte, wie sie sie zum Mund führte und wie sie sie wieder aus dem Mund nahm um in ihren Taschen nach Feuer zu suchen. Sie war nicht nervös obwohl sie schon längst gemerkt hatte dass ich sie offen beobachtete. Sie ging rein, holte Streichhölzer, zündete die Zigarette und schlug dann die Beine übereinander. 5 Minuten vergingen und sie lächelte mich nur an ich beobachtete wie die Glut ihrer Zigarette immer wieder Orangfarbig dann wieder dunkel und die Zigarette ständig kleiner wurde. Ich merkte auch dass ihre Augen gegen Rauch resistent waren und sie die Augen nicht zumachen musste um den Rauch nicht abzubekommen. Das war für mich immer ein sicheres Indiz dafür dass man jahre lang und vor allem konstant geraucht haben musste.
Teil 1
Teil 3



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