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Nur ein "France Football"!

Ich war in der Bretagne. Südlich der Stadt Brest sehr nah an der Atlantik hatte ich eine Suite gemietet. Es war ein Privatperson von der ich die Suite gemietet hatte, der Onkel einer ehemaligen französischen Austauschschüler der als er hier war sich auf Anhieb mit mir gut verstand, stellte mir die Hütte günstig zur Verfügung. Es war herrlich, es war ein kleines atlantisches Dorf. Das Dorf lag so nah an der Atlantik dass in unserer Strasse -obwohl asphaltiert- überall spuren von Sand zu sehen waren. Eine Breite Allee mit Bäumen auf beiden Seiten der Strasse. In dem Dorf war die Atlantik allgegenwärtig; stand man morgens auf roch man das Meer bis man wieder ins Bett ging.

Die Seemöven waren oft die einzigen die die Ruhe störten. In dem Dorf, gab es eine Baguetterie, ein Metzger, ein Lebensmittelladen, ein Kiosk, eine Apotheke und sonst nichts. Es war wie ein neues Leben, ich stand morgens auf, trank Kaffee, ging gemächlich rüber zum Becker, hollte Baguette und Croissant, lief dann zum kleinen Markt um Butter, Obst und Gemüse zu holen und lief dann zu meiner Hütte.

Eines Tages wollte ich mal sehen was der Kiosk so zu bieten hatte. Ich hatte mir zudem vorgenommen den "France Football" eine wöchentlich erscheinende französische Fussballmagazin zu holen. Der Kioskbesitzer sah exakt so aus wie Louis de Funès nur rundlicher und fülliger. Als ich eintrat sass er auf ein Stuhl und las Zeitung, als er mich bemerkte, klappte er die Zeitung rasch zu, nahm seine Brille ab und legte sie auf dem Tisch während er aufstand und mich böse anschaute. Ich versuchte ihn zu ignorieren und so zu tun als würde ich mich umschauen aber es fiel mir in ein Kiosk der nicht grösser war als 10, 12 Quadratmeter ziemlich schwer und ich gabs auf. Ich schaute ihn an und er sah aus als wär ich ein Dieb in sein Laden. Ich fragte nach "France Football". Er schaut mich grimmig an und zeigte auf sein Zeitungsständer, während ich den Ständer drehte um danach zu suchen, fragte er mich ganz trocken "Bist du Araber?"
Ich war wie geschockt. Ich versuchte zu lächeln aber sein weiterhin steiniges Gesicht der mir das Gefühl gab dass er absolut nicht gewillt war milde walten zu lassen, hat mich dazu gezwungen auch ernst zu werden.

"Nein"
"Wohnst du hier?"
"Nein ich bin ein Tourist aus Deutschland" und da lockerte sich sein Gesicht. Er schickte sich an den Ständer selbst zu drehen um mir "ein France Football" zu geben.

"Bist du Deutscher?"
"Nein, ich bin eigentlich Perser aber ich bin in Deutschland gross geworden"
"Ahh Iranian; c'est correcte?"

"Oui c'est tres correcte" als ich das sagte, schlug er die Hände zusammen und lachte laut auf als wäre er Stolz auf sich selbst. Er fing an von dem Shah und seine Frau zu sprechen, davon dass die Perser eine alte und interessante Kultur hätten und dass die Mullahs alles verdorben hätten ect pp...

Der Mann war wie umgewandelt als er feststellte dass ich kein Araber war. In dem Moment war ich ehrlich gesagt auch nicht unbedingt sauer darüber dass ich anstatt ein Araber doch ein bedeutungsloser Perser war die in den Augen der Franzosen nach wie vor einen guten Ruf geniessen. Nach ein paar Minuten hatte ich aber dann keine Lust mehr auf sein nun euphorisches Gelaber obwohl er verdammt nett war. Ich wollte zurück zu meiner Suite. Ich zahlte und er wünschte mir alles gute und eine schöne Zeit in Frankreich, ein sehr sehr netter Typ der warum auch immer was gegen die Araber hatte.
8. März (Gast) - 8. Mrz, 20:48

es ist überall bekannt, dass die Franzosen die Araber - die Nordafrikan. Araber - nicht mögen, obwohl die Araber sich an Kriegseinsätzen für die Franzosen eingesetzt haben - es muss sehr schwer sein, wenn man als Araber geboren ist ...

Chinaski - 8. Mrz, 21:05

Ja lieber oder liebe Anonym, das ist wohl wahr, aber fahr mal nach Südfrankreich und schau dir das an was die Algerier und Marrokaner dort teilweise veranstalten dann verstehst du vielleicht warum viele Franzosen grade die Nordafrikaner sehr skeptisch beäugen. Schwarzafrikaner haben übrigens diese Akzeptanzprobleme nicht in dem Masse und das rührt daher dass sie sich einfach besser integrieren als die Nordafrikaner. Ich hab in Marseille Szenen und algerische Gesichter gesehen die ich als Franzose nie hätte akzeptieren können. Dort leben übrigens auch verdammt viele Portugiesen und auch Perser gibt es nicht wenige aber ich kenne keinen Landsmann der dort mit solchen Problemen zu ringen hätte.
flyhigher - 9. Mrz, 10:55

hey, ich war gestern in einem konzert, in dem unter anderem 5 junge Franzosen bretonische Musik zum Besten gaben!

Chinaski - 9. Mrz, 13:39

Hat dir die Musik gefallen?
flyhigher - 10. Mrz, 19:50

teils teils. die von ihnen selbst komponierten sachen haben mir sehr gut gefallen. die waren der irischen musik sehr ähnlich. es gab auch ein paar traditionelle stücke, die mir gut gefielen. aber so 3 - 4 lieder waren dabei, die so überhaupt nicht ins ohr gegangen sind, und der sänger hatte auch nicht grade eben dazu beigetragen, sie schmackhafter zu machen. macht nix, über 3 - 4 lieder kann man hinweghören ;-)
sillerbetrachter - 9. Mrz, 14:58

Das ist mal wieder ein gelungenes Blitzlicht der Begegnungen zwischen Menschen! Unverblümt dargestellt und gut beschrieben..Klasse!

Cleos - 10. Mrz, 09:18

Oui c`est tres correcte....

je m`appelle une madame de Allemagne.....mich wunderte nur, dass er ausnahmsweise NICHTS gegen die Deutschen hatte. Es scheint also das "NICHT-Araber sein" das "Eventual-Deutsch- sein " zu neutralisieren.....tres interesssante.....!

sillerbetrachter - 10. Mrz, 19:24

Ach, das "gegen Deutsche" Problem habe ich auch schon unterschiedlich erlebt. Gerade in der Bretagne waren die Erfahrungen durchweg positiv. Mir erscheint das allgemein eine Sache des Loslassenkönnens oder aber des Schubladendenkens in alle Ewigkeit zu sein. Das gibt es aber nicht nur in Frankreich.
Lange-Weile - 10. Mrz, 19:34

MultiKultur

Hallo Hank,

ich hätte mich sicher ungehaglich gefühlt - im fremden Land vom grimmigen Blick beäugt zu werden.

Seit der Wende müssen es die alten DDR-ler auch lernen - international zu denken und sehr schnell werden Einzelerlebnisse mit Ausländern dann auf alle übertragen. Eine einmalige Erfahrung auf alle und alles zu übertragen ist gefährlich, denn sie schafft tiefe Gräben zwischen den Menschen.

Auch ich muß täglich meinen Standpunkt zu äuslänidschen Menschen überarbeiten. Je nach Erlebnis verändert sich manchmal meine Sichtweise und beherzt muß ich sie ab und zu auch mal wieder grade rücken.

Doch das Zeitalter der Multikultur läßt sich nicht mehr aufhalten.

Gruß LaWe

Cleos - 14. Mrz, 18:26

Bild

Das ist ein megageiles schönes Foto.Berührt mich bis in die Herzkammer-ich würde mich gerne da reinlegen.

claireg. - 17. Mrz, 22:09

Hallo,
auch ich finde deine Fotos irre schön und habe dein Blog allein schon deswegen abonniert! Natürlich lese ich hier auch.
Dein Beitrag irritiert mich gleichwohl etwas. "Der was auch immer gegen Araber hatte", schreibst du, um im eigenen Kommentar diesem gegen-eine-ganze-Gruppe-was haben doch recht ordentlich bei zu pflichten. Und schaffst dann selbst noch mal richtig Ordnung, zwischen den besseren und schlechteren Gruppen. Die "Araber" (womit in Frankreich tatsächlich hauptsächlich die Nordafrikaner gemeint sind, in Deutschland werden wahrscheinlich 90% der Ureinwohner Iraner zu den Arabern zählen...) haben mit Frankreich nun mal eine konfliktreiche Geschichte, in denen die einstige Kolonialmacht für manche Demütigung gesorgt hat. Das ist ein ganz besonderes Verhältnis, von beiden Seiten nicht immer zimperlich gehandhabt. Die deutlich schlechter gestellten sind natürlich nicht die "echten" Mitglieder der grande nation.

Chinaski - 17. Mrz, 22:28

Hallo liebe Claire. Schön dich kommentieren zu sehen. Lass mich dir gleich was sagen: Ich bin fair und liebe die Wahrheit aber dennoch bin ich kein heiliger und habe sehr wohl meine Präferenzen. Ich kenne Mittelfrankreich und die Bretagne mittlerweile fast in- und auswendig. Ich werde den Teufel tun und generalisieren, jedoch sag ich ganz klar dass ich als Perser der die Geschichte seines Landes kennt und zwangsläufig weiss wie Araber unser Land besetzten und ihren Islam per Gewalt und Schwert verbreiteten, da der arabisch/islamischen Kultur gegenüber nicht sehr positiv gesinnt bin. Bei mir hat jeder Mensch eine Chance auf Grund von persönliche Qualitäten und Intelligenz eine tiefe und sehr ehrlich gemeinte Akzeptanz zu ergattern, aber es gibt Menschen die da mehr tun müssen um mich zu überzeugen. Ich denke so denken viele nur ich spreche es aus und bin dabei ziemlich ehrlich. Ich hoffe du fühlst dich wohl hier.
claireg. - 17. Mrz, 22:39

Da sind wir uns einig: Ein Iran ohne Islam, jedenfalls nicht so!, das wäre viel wünschenswerter. Hundertpro.

Chinaski - 17. Mrz, 23:16

Na das ist ja schon mal etwas :)
claireg. - 17. Mrz, 23:29

das ist nicht "was"... das ist sicher.

Chinaski - 19. Mrz, 00:09

Das ist gut.

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