Die Deutsche Mentalität

Hat etwas was überhaupt nicht mit dem Bild übereinstimmt das weltweit und vor allem in den angelsächsischen Gesellschaften verbreitet ist.

Das Bild der blonden, grossen, disziplinierten, rassistischen, kalten, heimatverbundenen, bodenständigen, hartarbeitenden, hausbauenden und sehr auf Zukunft bedachten Germanen stimmt nur bedingt mit der Wirklichkeit überein.

Grade in Texas habe ich viel über die deutsche Seele gelernt. Deutschen sind nicht die typischen Herrenmenschen, dazu waren und sind die Engländer und generell die Anglosächsischen Gesellschaften besser geeignet. In Texas gibt es eine grosse Deutsche Kolonie die mit zu den ersten Einwanderern gehörten. Norddeutsche aus Oldenburger, Bremer und Osnabrücker Gegenden waren mit die ersten die um das Jahr 1820 sich in Texas niederliessen. Sie haben -klar- bis heute einiges an Deutschtum am Leben erhalten aber als ich mit einen alten irischstämmigen Texaner sprach erzählte er mir Dinge die erstaunlich waren. Er meinte in Texas wurden die Deutschen damals von den anderen Einwanderern wie die Engländer, Iren oder Schotten ausgelacht weil sie in dem Umgang mit den Schwarzen Sklaven zu weich waren. Ich hörte zu wie er mir erklärte dass die Deutschen grosse Proleme damit hatten ihre "Neger" zu züchtigen und sie regelmässig zu schlagen und genau deshalb gab es Schwarze die damals viel lieber einen deutschstämmigen als einen englisch- oder irischstämmigen Herren hätten.

Neulich auf der Autobahn zwischen Saarbrücken und Kaiserslautern sah ich bei gutem Wetter ein altes Ehepaar in einem alten Aston Martin fahren. Ok das Auto ist bekanntlich Englisch aber was mich eher interessierte war die Aufmachung des Paares. Beide hatten Baseballmützen auf. Die Mützen hatten als Muster eine einzige grosse und die ganze Mütze bedeckende britische Fahne. Beide hatten die alten von der Kolonialzeit bekannten beige farbenen drei viertel hosen an und trugen Sonnenbrillen. Das ist etwas was mich immer wieder verwundert. Mir kommen viele Deutsche wie ein weisses Blatt vor das nur drauf wartet vollgekritzelt zu werden, wie eine Jungfrau die nur drauf wartet von Männern beeindruckt zu werden und seien diese Männer noch so durchschnittlich. Ehrlich ich kenne kein Volk das sich aufgrund eines einzigen Urlaubs oder aufgrund einer kleinen, positiven Erinnerung sich so dermassen mit einem fremden Land und mit fremden Kulturen identifiziert wie das Deutsche. Nirgendswo auf der Welt sieht man soviele "I Love Canada", "I love Greece", "I love Australia", I love Namibia, I love Newzealand, I love .... Aufkleber auf einheimische Autos kleben wie in Deutschland. In England wird man niemals -wirklich niemals- ein altes englisches Ehepaar einen alten Mercedes fahren sehen die dazu auch noch Mützen in den Farben der deutschen Fahne und bayerische Jägerkleidung tragen. Die Menschen hier lassen sich viel schneller von anderen Dingen, Kulturen oder auch Menschen beeindrucken als woanders. Während der Engländer, Franzose, Amerikaner... glaubt die anderen sollten sich auf sie und deren Kultur einstellen, glaubt der Deutsche sehr oft er müsse sich von dem alten loslösen und sich auf neue Dinge einstellen um bloss nichts verpasst zu haben. Oft gibt er sein eigenes auf, etwas neues beeindruck ihn, er eignet sich das neue an und stellt es über das eigene.
Gerold - 18. Apr, 23:26

Hallo Chinaski,

ich schreibe das erste Mal in deinem Blog. Wenn ich zurückübersetze, weiß ich ungefähr, was du meinst. Nun, was soll ich sagen? Ich habe kein "Deutschgefühl" (das hat sich höchstens während der paar Wochen Weltmeisterschaft in Deutschland entfaltet), ansonsten sehe ich mein Leben auf der Welt angesiedelt.

Mir war es bisher nicht möglich, in der Welt herumzureisen. Nun habe ich einen Job, mit dem mir plötzlich alle Möglichkeiten offenstehen - und ich frage mich: "Wohin zuerst!?"

Wusstest du, dass Geschichte für Deutsche zwischen 1945 bis 1980 nicht existiert? Keine Schule lehrt das. Wie soll sich da ein Nationsgefühl bilden, zusammen mit der Erbschuld? Dass wir in den USA als "Frauen haben Achselhaare, Männer tragen Lederhosen" gesehen werden, ärgert mich zwar, aber wenn ich das erste Mal auf John Doe treffe, werde -ich- ihn eines Besseren belehren.

Deswegen sehe ich mich als Know How-Worker mit lokalem Anhang. Wo man billen kann, kann man billen. Vorurteile konnte schon jeder aufbrechen (ob Pole, Spanier, Amerikaner oder Russe) ;)

Chinaski - 18. Apr, 23:44

Hi Gerold, schön dich hier zu haben. Das sollte eigentlich kein kritischer Eintrag sein. Mir als ein Perser der hier aufgewachsen und so ziemlich herumgekommen ist, kam genau die liberale so ziemlich gleichgültige Einstellung der meisten Deutschen was das Nationale betrifft entgegen. Mein Eintrag sollte eigentlich klar machen dass die Deutschen genau das nicht sind wovon viele auf dieser Welt glauben sie seien es. Die Deutschen sind nicht die Idealbesetzung wenn z.B eine kranke Idee wie die von Herrschaft von Herrenmenschen umgesetzt werden sollte. Genau deshalb und weil sie eben von hause aus sich selbst eher kritisch betrachten als hochjubeln, waren sie nie die geeigneten und ausbeuterischen Kolonialisten obwohl sie die Macht dazu hätten sich mindestens genausoviele Kolonien wie England, Frankreich oder zumindest wie Portugal, Spanien, Niederlande oder Belgien anzueignen. Sie beschäftigen sich mit der Zeit zu sehr mit den anderen Völkern und deren Kulturen als das sie sie einfach so ausbeuten könnten. Es bestünde eher die Möglichkeit dass sie als Besatzer die Regeln der einheimischen akzeptieren und nach deren Sitten leben als andersrum!
ElsaLaska - 19. Apr, 02:06

Das stimmt natürlich nur zu einem kleinen Teil

ist aber dennoch hervorragend beobachtet.
Was die Zeit nach den 80ern oder so betrifft.
Meine Mama ist ja 33 geboren und sie wurden während des Krieges evakuiert.
Weil sie aus einer Grenzregion zu Frankreich hin stammten, peinigte man sie und spuckte die Familie - -mitsamt den kleinen Kindern - an.
Soviel zu deutschen Volksgenossen und wie sie mit ihren Landsleuten damals umgingen. Meine Mama fand dann als Mädchen ihre eigene Mutter in diesem Höllenexil (auf deutschem Boden, es war ja mitnichten ein Lager oder so was), wie sie sich aus Verzweiflung wegen der Verfemung und Quälerei dort - unterm Dach aufknüpfen wollte, den Strick schon um den Hals.
Zu all den Greueln, die damals liefen, kann man diese - Deutsche gegen Deutsche - getrost hinzuzählen, auch wenn das weniger populär ist (und ich damit nicht die anderen Opfer irgendwie relativieren will).
Nachdem ich dieses Stück Familiengeschichte gehört hatte, würde ich sehr gerne an die Deutschen mit ihren "I Love Timbuktu" - Mützen glauben, aber leider ... Kleine Mädchen, die auf Lkws stehen, frisch evakuiert aus den Grenzgebieten, und von "Inlandsdeutschen" angespuckt werden, weil sie angeblich in deren Augen halbe Franzosen und welsches Gesindel seien ... Naja.
Danke. Das hat das Bild einer ganzen deutschen Region für mich ziemlich geprägt. Es war die Mainfränkische.
Wenn du so was in der Familiengeschichte hast, theoretisierst du nicht mehr über Deutschland und die Deutschen rum.
Dann bist du für ein Europa der Regionen :)
Chinaski - 19. Apr, 20:05

Liebe Elsa, ich möchte Menschen nicht widersprechen die etwas am eigenen Leibe erfahren oder mitgekriegt haben wie ihre Familien etwas aus "first hand" erfahren haben. Dennoch kann ich dir sagen dass auch das was ich geschrieben habe ein Teil meiner eigenen Erfahrungen sind. Hier jammern viele Einwanderer wirklich Grundlos. Schau die NPD kann hier tun und machen was sie will und sie erreicht nicht mal 5%. Machen Algerier in Frankreich ein bisschen Stunk gewinnt LePen weit über 20% der Stimmen. Ich habe Angehörige in Torino die seit 30 Jahren in Italien leben und wenn ich Ihnen von den rechtlichen, gesellschaftlichen, finanziellen, bildungstechnischen Möglichkeiten erzähle die z.B mir in Deutschland zumindest nicht vorenthalten werden, da drehen sich seine Augen. Er hasst die Italiener bis auf den Grund, seine Kinder sind in Italien geboren und haben noch immer keine italienische Staatsbürgerschaft, bei Umzügen erzählt er mir immer, hätte er die grösste Angst. Die Italiener würden prinzipiell nicht gern an Ausländer vermieten und da unterscheiden sie sehr wohl zwischen einen deutschen Ausländer oder einen persischen.
Gregor Keuschnig - 20. Apr, 12:30

Geschichtsbewusstsein

Wusstest du, dass Geschichte für Deutsche zwischen 1945 bis 1980 nicht existiert?
Ist 1980 nur ein Schreibfehler und es soll 1990 sein? (Falls nicht - wie kommst Du auf 1980?)

Ich glaube auch nicht, dass dieser Satz in dieser Drastik stimmt. Die Adenauer-Politik wurde sehr wohl und ziemlich schnell eingeordnet. Und mit ihr die Vorgänge um den Mauerbau 1961. Dass dann die Konfrontation mit der jüngeren deutschen Geschichte nicht ad hoc erfolgte, hat u. a. den Grund der Zeitgenossenschaft vieler geschichtsprägender Grössen. Historische Betrachtungen brauchen einen gewissen Abstand, um ein einigermassen korrektes Urteil abzugeben.

Es ist eigentlich ein grosses Verdienst der deutschen Gesellschaft (und auch Politik), dass sie nach 1990 nicht in einen neuen Nationalismus abgedriftet ist (wie es z. B. von Grass ausgemalt wurde). Auf der politische Ebene änderte sich das merkwürdigerweise ausgerechnet mit Übernahme der Regierung durch Rot/Grün; Schröder war in vielen Dingen sehr viel nationalbewusster als Kohl.
thedarvish (anonym) - 19. Apr, 03:10

Antithese

Deine Theorie vom von Natur aus gutmuetigen und leicht zu beeindruckenden Deutschen halte ich fuer falsch. Dem Beispiel der milden Deutschen Sklavenhalter in Texas haette ich die brutale Niederschlagung des chinesischen Boxeraufstandes 1900/1901 ("Gefangene werden nicht gemacht. Führt eure Waffen so, daß auf tausend Jahre hinaus kein Chinese mehr es wagt, einen Deutschen scheel anzusehen." Wilhelm II) oder den in der brutalen Kolonialgeschichte des Westens herausstechenden Voelkermord der Deutschen an den Herero in Deutsch-Suedwestafrika, entgegenzusetzen. Vom wahnsinnigen NS Massenmord brauche ich ja gar nicht anzufangen.

Ich denke eher, wie Gerold bereits angedeutet hat, das diese Milde, der scheinbar schwach ausgepraegte Stolz in die eigene Kultur und Identitaet und die Bereitschaft sich anderen Kulturen Unterzuordnen, direkte Resultate zweier verlorener Weltkriege und der darauf folgenden Besatzung sind, einhergehend mit dem allgegenwaertigen allierten Mantra der Erbschuld und des Nationalismus-Verbots.

Chinaski - 19. Apr, 19:42

Dazu muss nur noch gesagt werden dass du ein Perser bist der ein grossteil seines Lebens in England verbracht und in vielerlei Hinsicht die so ziemlich schräge, respektlose, falsche und teilweise offensichtlich anti-deutsche Sichtweise der anglosächsischen Engländer teilweise übernommen hat.

Die Deutschen Kolonialisten waren in Vergleich zu den Engländern und Franzosen ja sogar in vergleich zu den pups Belgiern, Chorknaben gewesen. Ich war schon mal in Namibia (ehemals Südwestafrika) und dort sind die Deutschen bis heute nicht verhasst, selbst die Herero von denen du hier sprichst sind den deutschen gegenüber nicht gehässig. Das liegt auch daran dass die Deutschen neben den Greultaten die sie begangen oft auch sehr viel zurückgegeben haben, sie haben dem Land die Infrastruktur aufgebaut, sie haben die Architektur geprägt, sie haben damals schon Schulen für Schwarze gehabt worin die schwarze Bevölkerung eine nicht zu unterschätzende Bildung in deutscher Sprache geniessen durfte, sie haben Hospitäle gebaut, Strassen gebaut, Häuser restauriert... Auch die Herero kamen zuerst mit den Deutschen klar und erst als sie anfingen zu verarmen und als die Orlam und die Nama sich mit den Deutschen gegen sie verbündeten wurden sie von den Deutschen niedergeschlagen. Nicht dass es gut wäre, aber im Vergleich zu restlichen Afrika ist Namibia ziemlich gut bei weggekommen. Ich kann da auch den Iran als Beispiel nehmen. Jahrzehnte ja sogar Jahrhunderte lang haben die Engländer die iranische Politik beeinflusst, sie haben Handlanger eingesetzt und sie wieder abgesetzt, aber in der kurzen Zeit als Reza Shah die Deutschen reinliess, bauten sie uns Strassen, Häfen und vor allem Eisenbahnnetze. Ich hab mich immer wieder gefragt: Wieso haben die Engländer in all den Jahrhunderten in denen sie im Iran aktiv das geschehen diktierten und unser Öl ausbeuteten am ende nichts hinterlassen aber die Deutschen haben in einer sehr kurzen Periode Dinge auf die Beine gestellt wovon wir Iraner heute noch profitieren?

Frag einfach mal in Nordafrika wen sie damals lieber hatten: Die Englischen Besatzer, die Italiener oder die Deutschen und sie zögern nicht mit der Antwort. Denen waren die deutschen Soldaten unter Rommel am liebsten.

Wie dem auch sei, all das ändert nichts daran dass die Deutschen heute mit die liberalsten sind wenn es darum geht andere Kulturen eine Chance zu geben. Die Deutschen sind laut Statistik die die am zahlreichsten auswandern, dazu gehört immer eine grosse Portion gleichgültigkeit gegenüber dem Boden auf dem man geboren und aufgewachsen ist. Auf Boden und Flagge sind sie heute absolut nicht sensibel und das kann man z.B von den Engländern, Amerikanern und Franzosen nicht behaupten. Ich hab weit mehr Rassisten, Nationalisten, Ignoranten, ... in England, Frankreich, USA ja sogar in Schottland und unter den Iren gesehen als in Deutschland. Ich habe einen irischen Kollegen der mir immer sagt: "Wenn du glaubst die Deutschen seien rassisten, dann hast du die Iren noch nicht erlebt".
sillerbetrachter - 19. Apr, 20:07

wir haben "i love ruhrgebiet" als sticker. da war unsere kindheit, da liegen unsere wurzeln. leben möchten wir da nicht mehr. besuche machen wir immer gerne.
die weltweiten sticker erscheinen mir eher wie ein: da war ich schon!
@gerold: nebenbei wird deutsche nachkriegsgeschichte zumindest in deutschen schulen gelehrt!

Gerold - 19. Apr, 22:07

Echt? Zwischen 1990 und 2000 war es jedenfalls bei uns (Gymnasium im hohen Norden) nicht so. Geschichtsunterricht endete bei der Unterzeichnung der Kapitulation (und zwar zwei Mal, einmal in der Mittelstufe, einmal in der Oberstufe), Wirtschaft/Politik stieg dann erst mit dem bösen Sozialismus ein (und zwar dem System, nicht die Geschichte) und endete bei der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit (und Qualität) von (deutschen) Markenprodukten.

RAF oder Celler Loch waren für mich bis zum Selbststudium eher Fremdworte.
Iggy - 19. Apr, 22:22

mich beeindrucken andere kulturen nicht besonders,

es sei denn sie wären ausgestorben wie die der indianer nordamerikas... ;-)
nee, das problem ist, dass wir westdeutschen (das sag ich einfach mal so, obwohl es vergangenheit ist) nie richtig mit unserer vergangenheit bekannt gemacht wurden. das war tabu in der schule. andererseits wurde einem auch nie ein nationalgefühl eingeblasen. und da stand man da im luftleeren nationalen raum, hatte aber trotzdem im Fernsehen gesehen, zu welchen verbrechen die nation einst im stande gewesen war, und es lief dann darauf hinaus, dass junge leute sagten (sagen sie immer noch): ich hab mit der ganzen scheiße nichts zu tun, weil ich da noch gar nicht auf der welt war. Ältere leute, die damals sehr wohl schon auf der welt waren, sagen: wir haben davon gar nichts gewusst. und das kann ich eigentlich nicht so richtig glauben.
Also lebten wir mit der Verdrängung, und manche lebten ganz gut in diesem ohne-nation-vakuum und ohne-schuld-vakuum. man war frei, hatte die besten absichten, war nicht gefangen in vorurteilen, war politisch relativ neutral, weil die bundeswehr ja auch gar nicht woanders mitmischen durfte. es war ein kühler staat mit kühlen emotionslosen bürgern, denen es relativ gut ging.
in der ddr war es ein wenig anders, dort hat man sehr gut abgerechnet mit den verbrechen des dritten reiches, hat sich davon offziell distanziert - und das war's dann. und ich schätze mal, man hat den bürgern der ddr doch ein wenig mehr nationalbewusstsein eingetrichtert, leider ging das dann in die hose , als die ddr am ende war und es schließlich zur wiedervereinigung kam. man versuchte gemeinsam krampfhaft, ein neues nationalbewusstsein aufzubauen, aber ich kann mich noch dran erinnern, als der damalige kanzler kohl in berlin die nationalhymne anstimmte - und ausgepfiffen wurde. damals war es verdammt uncool, solche nationalen gefühle zu zeigen. ich weiß nicht, ob es heute mittlerweile anders ist, vielleicht zu zeiten der fußballweltmeisterschaft, aber es ging ja sehr friedlich und freundlich ab - und die emotionen lagen vielleicht auch am guten wetter.
was will ich eigentlich damit sagen? vielleicht, dass die deutschen nationallos geworden sind, oder dass sie nicht mehr viel wert drauf legen, bis auf einige spinner vielleicht. ich schätze mal, den zahn hat man uns gezogen, sei es den ehemaligen westdeutschen oder den desillusionierten ehemaligen ostdeutschen.

trotzdem gibt es immer noch sehr viel seltsame elemente, und zwar in den einzelnen ländern, zum beispiel das niedersachsenlied, welches immer noch mit begeisterung gesungen wird: http://de.wikipedia.org/wiki/Niedersachsenlied#Text

das ist wirklich extrem kriegerisch, ich will aber hoffen, dass es nur eine erinnerung an die zeiten ist, als die römer das sogenannte germanien erobern wollten. hätten sie es mal getan! dann hätte es deutschland vielleicht wirklich gegeben und wäre nicht ein künstlicher zusammenschluss von dutzenden von kleinstherzogtümern und sonstigen gewesen, anfällig für rechte demagogen und kriegshetzer. so gesehen waren england und frankreich besser dran in bezug auf nationalbewusstsein, die hatten es nicht nötig, weltkriege anzuzetteln (na ja nur der zweite war angezettelt, der erste wurde wohl aus bruderschaftstreue und blödheid mitgemacht).

aber jetzt habe ich genug dummes zeug gequatscht.

Chinaski - 19. Apr, 22:42

Für mich ein absolut interessanter Eintrag, eine Mischung von Fakten und persönlichen Präferenzen. Vielleicht kann ich dazu ein paar Worte verlieren: Die Römer hatten doch Germanien schon. Gut, die rechtsrheinischen Germanen vor allem die Sachsen konnten sich lange halten aber die Linksrheinischen Germanen sowie die Südgermanen waren lange Zeit römische Provinzen. Was aber daran so verdammt unbezahlbar seien sollte ein Teil des römischen Reiches zu sein und zu bleiben kann ich in Moment nicht herauskristalisieren. Die Sache mit künstlichen Zusammenschlüssen der deutschen Herzogtümern, damit kann ich sehr wenig anfangen. Ich verstehe nicht was daran künstlich seien sollte. Jedes Land ist irgendwann zusammengeschlossen worden. Bevor die Römer sich durchsetzten und ein Imperium aufbauten, gab es in der heutigen Italien lauter kleinstämme. Italiker, Latiner, Etrusker, Griechen, Römer... ja richtig, die Römer waren nur ein ganz kleiner Stamm die irgendwann das Land zusammenschlossen und die Sprache der Latiner übernahmen und es mit der eigenen vermischten. Frankreich bestant lange zeit aus 90% germanischen Fürstentümern. Die Franken, die Burgunder, die Westgoten, die Alemanen...das ist Frankreich! In der Normandie und Bretagne waren es die wikinger die ansässisch wurden und ihre eigenen kleinen Fürstentümer hatten. Ok, auch sie haben sich irgendwann alle zusammengeschlossen. Das gleiche haben die Deutschen auch gemacht halt nur etwas später. Ich sehe da nichts verwerfliches.
Iggy - 10. Mai, 19:37

ich meine, ich hätte das schon mal gepostet,

aber es ist wohl abhanden gekommen in den wirren der twoday-unruhen... *gg*

nein, natürlich ist das nichts verwerfliches, aber das neue deutsche reich hat sich im vergleich zu frankreich sehr viel später zusammengeschlossen. und
keine fünfzig jahre später war man schon lustig im ersten weltkrieg dabei. sie sind den deutschen also nicht bekommen, die neuen nationalen gefühle. und wenn man dann noch ein paar jahre weitergeht, na ja...

das alte deutsche reich, das heilige römische reich deutscher nation, das hat sehr lange exisiert, und es war gar keine richtige nation, sondern ein, da muss ich nachlesen: aufgrund seines vor- und übernationalen charakters entwickelte es sich nie zu einem nationalstaat moderner prägung, sondern blieb ein monarchisch geführtes, ständisch geprägtes gebilde aus kaiser und reichsständen mit nur wenigen gemeinsamen reichsinstitutionen.
was immer das heißen mag...

gewisse teile germaniens wurden nach dem cherusker-aufstand aufgegeben (der übrigens nicht aus germanischen unterdrückungsgefühlen geschah, sondern weil sich ein paar germanische offiziere untergebuttert fühlten, das spricht nicht sehr für sie, gelle?), und rom machte sich nicht mehr die mühe, diese landstriche, weiß nicht ob es schon provinzen waren, zurück zu erobern, sondern zog sich hinter den später erbauten limes zurück. so in etwa muss es gewesen sein.

ansonsten finde ich die "deutsche" geschichte vor 1800 vollkommen uninteressant, zumindest wie sie uns im geschichtsunterricht präsentiert wurde. da ist die englische geschichte doch viel interessanter, könige und königinnen, die man kennt und die richtige charaktere sind...
Upps, jetzt schließt sich der kreis, denn jetzt fange ich auch schon an, andere nationen zu beneiden. ;-))
und jetzt höre ich wirklich auf, denn mit geschichte hab ich nicht viel am hut..
lg iggy
Chinaski - 10. Mai, 22:27

Wenn ich das so lese dann sehe ich mich eigentlich absolut bestätigt :)
Während ein Tony Blair in seiner abschiedsrede von einem grossartigen britischen Volk redet, während der Sarkozy nach der Wahl stolz auf dem Balkon den Leuten zulächelt und nationalistische Sätze loswird und die "Les Marseillais" stolz mitsingt, findest du so ziemlich alles uninteressant und langweilig was der deutschen Geschichte angeht. Das ist sie meines erachtens überhaupt nicht. Grade die ganz alte Geschichte der Germanen ist sehr interessant, grade die Geschichte der germanischen Stämme die erst Frankreich (=Reich der Franken) bevölkert und dann auch England (=Land der Angeln) gegründet haben ist sehr interessant. Fakt ist dass ohne die Germanische expansionsbewegungen fast ganz Europa ganz anders ausgesehen hätte. Grade die nicht so recht beachtete und kaum im rampenlicht gerückte Bewegungen der Nordischen Völker insbesondere der Germanen macht es sehr interessant. Wie kam es also dass die Germanen (Burgunder, Westgoten und Franken) die Frankreich gegründet haben sich schneller entwickeln konnten als die Germanen die noch im Heimatgebiet lebten? Wieso konnten die Sachsen und Angeln in Britanien sich so entwickeln und irgendwann eine Weltmacht werden während die Sachsen und Angeln (Friesen) in Deutschland fast in Vergessenheit geraten sind? Das sind alles -zumindest für mich- interessante Ansätze die eben wirklich ein Teil der germanischen und somit direkt der Deutschen Geschichte sind. Die Geschichte der Germanen ist die Geschichte Europas.
Cleos - 21. Apr, 10:17

hallo chinaski mit katze und den schönsten fotos am bloggerhimmel
,
eine freundin von mir lebt seit 30 jahren in texas.sie erzählt mir oft hautnahe stories von der unterdrückung der weißen durch mexikaner.sie lebt in einer straße ,wo nur mexikaner leben und schwarze. die schwarzen dienen dem klischee ,ausschließlich mit drogen zu dealen und die mexikaner
sind laut, übergriffig ,grenzüberschreitend und haben nach ihren aussagen eine größere chance in den öffentlichen dienst zu kommen , als weiße.

alles -oder fast alles- liefe über korruption. sie meint,die mexikaner meinen immer noch ,dass ihnen texas irgendwann wieder als unabhängiger staat gehören würde.
wenn sie in ein medical center führe, dann müsse sie stunden auf ihr rezept warten und mexikaner kämen prinzipiell vor ihr dran.
sie ist nicht immer kranken-versichert über ihren arbeitgeber und sie sagt wenn man in texas umfällt-auch in so einem center, dann hilft dir keiner.
englisch ist zwar die offizielle amtssprache aber sie schreibt immer, dass vorwiegend spanish gesprochen wird.

ich war sehr überrascht ,als sie mir dies einmal detailliert im rahmen ihres "arztbesuchs", der letztendlich keiner war, denn man sähe den "arzt" nicht- schrieb.
ich dachte immer, texas sei das land der DALLAS- und öl-könige
und.... der superreichen.aber an die unendliche armut mancher dachte ich nie.
auch der blickwinkel,dass weiße in der minderheit in gewissen positionen sind,hat mich nachdenklich werden lassen.

ich liebe mein bayrisches land . es ist wunderschön in bayern .landschaftliche und auch von den menschen.
kein prinz oder könig würde mich auf seinem schimmel hier wegholen.
insofern bin ich ziemlich patriotisch.
gruß an das kätzchen;)

Chinaski - 21. Apr, 10:34

Hi Baby. Texas ist schon ein gnadenloses Land, trotzdem gefiel mir dieses Land am meisten vor allem wegen der atemberaubenden Natur, wegen der einzigartigen Geschichte. Schau in Texas gibt es nur bestimmte gegenden die von Schwarzen bewohnt werden. Die meisten Schwarzen sind in Osten von Texas anzutreffen wo weniger Öl aber mehr Forstwirtschaft betrieben wird. Im Südosten des Landes an der Grenze zu Louisiana sind die meisten Schwarzen anzutreffen dagegen ist Mitteltexas und Westtexas also die eigentlichen Gegenden der texanischen Mythos von Öl, Reichtum, Rangers, Cowboys und Kühe und Pferde, ist praktisch frei von Schwarzen. Da leben zu mehr als 90% die weissen. Die Hispanics sind fast überall aber auch deren einfluss ist dort nicht überall gleich. In Süden von Texas ist sie recht hoch, im Norden und Zentraltexas wieder weniger...

Bezüglich der lokalpatriotischen Gefühle muss ich sagen dass selbst ich mir mittlerweile schon ein bisschen davon angeeignet habe. Ich könnte z.B nicht mehr vorstellen in Norddeutschland zu leben und viel weiter südlich also in Bayern oder Würtemberg möchte ich auch nicht mehr unbedingt hin. Ich liebe die Pfalz, Saarland, Rheingau und fühl mich wohl hier.
Cleos - 21. Apr, 12:22

meine freundin lebt im süden und fährt immer nach mexico, weil dort alles billiger ist.
deine schilderung stimmt exact.es ist ein gnadenloses land.
die natur ist ein gnadenloses argument ,die für dieses land spricht, denn ich liebe die natur-so wie deine fantastischen fotos.
sie sind so gnadenlos wie du und ich -sicher auch.
man liebt nur das, was einen anmacht.
gruß -baby;)
Stefan (anonym) - 23. Apr, 18:21

Das liegt vielleicht bei mir daran, dass ich Deutschland ziemlich langweilig finde. O.K. wir haben schöne Ecken und inzwischen kann ich denen sogar etwas abgewinnen. Aber ich finde uns manchmal einfach zu 150prozentig. Erst trauen wir uns gar nicht die deutsche Flagge zu hissen, dann kommt die WM2006 und jetzt meinen einige, wir dürften sie gar nicht mehr abhängen. Es fahren immer noch einige Knallchargen mit Fähnchen an ihrem Auto durch die Gegend. Und so machen wir das eigentlich in jedem Bereich. Erst ein Sozialstaat, in dem einem eigentlich gar nichts mehr passieren kann und weil das unbezahlbar war, schaffen wir jetzt gleich alles ab, so dass jeder Gefahr läuft, innerhalb eines Jahres nach unten durchgereicht zu werden.

Irgendwie fehlt uns die Mitte.

Deniz (anonym) - 28. Mai, 20:31

Trauriges Deutschland

Ich bin Türke und muss sagen das dieses Land ein witz ist.
Warum ? Deswegen :
Die Deutschen wissen ja noch nicht mal wie das Deutschland Lied geht.
Sie haben keine ahnung was die Farben Ihrer Fahne
bedeuten.(die nacht,morgenröte,sonnenaufgang) wen sie überhaubt was wissen dan nur das es mit dem Studenten zu tun hat) trift zu aber die wahre bedeutung ist diese, die ich als solches sehr schön finde.
Wen jemand etwas positives für Deutschland sagt wird er gleich von anderen Deutschen gebraten.
Sie verkaufen Ihre Kultur um der Welt zu beweisen wie gut sie sind.
Ich kenne kein land wo minderheiten so viele rechte haben ich sage nur einmal nazi und jeder deutsche ist mir ausgeliefert.
Sie sind so bescheuert das sie sich sogar ein denkmal direkt for die haustüre setzen (hier leben die bösen nazis, Holocaust denkmal).
Jedes land hat dreck am stecken und das solten sie entlich mal verinnerlichen.
Ich habe sehr viele Deutsche freunde und finde es traurig.
Grade in der Juden frage sind sie wie mäuse.
Der Zentralrat mizt und sie rennen alle weg.
Ich denke sie solten ihnen die Zähne zeigen. Da die opfer leider zum täter geworden sind.
Ich würde mich selber rausschmeissen wen ich deutscher were höhö.
ich würde gerne wieder zurück in die Türkei aber leider bin ich kein Türke aber auch kein Deutscher.
Alora (anonym) - 11. Jun, 22:11

Lust auf Fremdes

Hallo Chinaski
das hast du schön erkannt und gesagt. Aber diese Feststellung trifft wohl nur für die Westdeutschen zu. Das ist meine Einschätzung.

Woher diese Begeisterung für etwas Fremdes rührt - kommt wohl daher, dass man in einer sicheren Umgebung aufwächst, alles - fast alles - ist geplant und überschaubar und dieses Gefühl bewegt vielleicht die Menschen dazu, sich auf neues zu stürzen, auf Abenteuer - fremde Kulturen usw.

Typisch für dieses Verhalten sind auch die Schweizer - sie sind überall auf der Welt zu finden - und sie entspringen einer noch viel größeren Sicherheit ...

Ciao
P.S. Wo steckst du eigentlich ?

Chinaski - 16. Jun, 03:43

Ich war mal kurz in Armenien und Uzbekistan
Alora (anonym) - 20. Jun, 14:47

Armenien + Usbekistan sind ungewoehnliche Reiseziele, warst du beruflich oder privat unterwegs ?

Chinaski - 20. Jun, 21:33

Privat

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