Die Deutsche Mentalität
Das Bild der blonden, grossen, disziplinierten, rassistischen, kalten, heimatverbundenen, bodenständigen, hartarbeitenden, hausbauenden und sehr auf Zukunft bedachten Germanen stimmt nur bedingt mit der Wirklichkeit überein.
Grade in Texas habe ich viel über die deutsche Seele gelernt. Deutschen sind nicht die typischen Herrenmenschen, dazu waren und sind die Engländer und generell die Anglosächsischen Gesellschaften besser geeignet. In Texas gibt es eine grosse Deutsche Kolonie die mit zu den ersten Einwanderern gehörten. Norddeutsche aus Oldenburger, Bremer und Osnabrücker Gegenden waren mit die ersten die um das Jahr 1820 sich in Texas niederliessen. Sie haben -klar- bis heute einiges an Deutschtum am Leben erhalten aber als ich mit einen alten irischstämmigen Texaner sprach erzählte er mir Dinge die erstaunlich waren. Er meinte in Texas wurden die Deutschen damals von den anderen Einwanderern wie die Engländer, Iren oder Schotten ausgelacht weil sie in dem Umgang mit den Schwarzen Sklaven zu weich waren. Ich hörte zu wie er mir erklärte dass die Deutschen grosse Proleme damit hatten ihre "Neger" zu züchtigen und sie regelmässig zu schlagen und genau deshalb gab es Schwarze die damals viel lieber einen deutschstämmigen als einen englisch- oder irischstämmigen Herren hätten.
Neulich auf der Autobahn zwischen Saarbrücken und Kaiserslautern sah ich bei gutem Wetter ein altes Ehepaar in einem alten Aston Martin fahren. Ok das Auto ist bekanntlich Englisch aber was mich eher interessierte war die Aufmachung des Paares. Beide hatten Baseballmützen auf. Die Mützen hatten als Muster eine einzige grosse und die ganze Mütze bedeckende britische Fahne. Beide hatten die alten von der Kolonialzeit bekannten beige farbenen drei viertel hosen an und trugen Sonnenbrillen. Das ist etwas was mich immer wieder verwundert. Mir kommen viele Deutsche wie ein weisses Blatt vor das nur drauf wartet vollgekritzelt zu werden, wie eine Jungfrau die nur drauf wartet von Männern beeindruckt zu werden und seien diese Männer noch so durchschnittlich. Ehrlich ich kenne kein Volk das sich aufgrund eines einzigen Urlaubs oder aufgrund einer kleinen, positiven Erinnerung sich so dermassen mit einem fremden Land und mit fremden Kulturen identifiziert wie das Deutsche. Nirgendswo auf der Welt sieht man soviele "I Love Canada", "I love Greece", "I love Australia", I love Namibia, I love Newzealand, I love .... Aufkleber auf einheimische Autos kleben wie in Deutschland. In England wird man niemals -wirklich niemals- ein altes englisches Ehepaar einen alten Mercedes fahren sehen die dazu auch noch Mützen in den Farben der deutschen Fahne und bayerische Jägerkleidung tragen. Die Menschen hier lassen sich viel schneller von anderen Dingen, Kulturen oder auch Menschen beeindrucken als woanders. Während der Engländer, Franzose, Amerikaner... glaubt die anderen sollten sich auf sie und deren Kultur einstellen, glaubt der Deutsche sehr oft er müsse sich von dem alten loslösen und sich auf neue Dinge einstellen um bloss nichts verpasst zu haben. Oft gibt er sein eigenes auf, etwas neues beeindruck ihn, er eignet sich das neue an und stellt es über das eigene.



ich schreibe das erste Mal in deinem Blog. Wenn ich zurückübersetze, weiß ich ungefähr, was du meinst. Nun, was soll ich sagen? Ich habe kein "Deutschgefühl" (das hat sich höchstens während der paar Wochen Weltmeisterschaft in Deutschland entfaltet), ansonsten sehe ich mein Leben auf der Welt angesiedelt.
Mir war es bisher nicht möglich, in der Welt herumzureisen. Nun habe ich einen Job, mit dem mir plötzlich alle Möglichkeiten offenstehen - und ich frage mich: "Wohin zuerst!?"
Wusstest du, dass Geschichte für Deutsche zwischen 1945 bis 1980 nicht existiert? Keine Schule lehrt das. Wie soll sich da ein Nationsgefühl bilden, zusammen mit der Erbschuld? Dass wir in den USA als "Frauen haben Achselhaare, Männer tragen Lederhosen" gesehen werden, ärgert mich zwar, aber wenn ich das erste Mal auf John Doe treffe, werde -ich- ihn eines Besseren belehren.
Deswegen sehe ich mich als Know How-Worker mit lokalem Anhang. Wo man billen kann, kann man billen. Vorurteile konnte schon jeder aufbrechen (ob Pole, Spanier, Amerikaner oder Russe) ;)
Das stimmt natürlich nur zu einem kleinen Teil
Was die Zeit nach den 80ern oder so betrifft.
Meine Mama ist ja 33 geboren und sie wurden während des Krieges evakuiert.
Weil sie aus einer Grenzregion zu Frankreich hin stammten, peinigte man sie und spuckte die Familie - -mitsamt den kleinen Kindern - an.
Soviel zu deutschen Volksgenossen und wie sie mit ihren Landsleuten damals umgingen. Meine Mama fand dann als Mädchen ihre eigene Mutter in diesem Höllenexil (auf deutschem Boden, es war ja mitnichten ein Lager oder so was), wie sie sich aus Verzweiflung wegen der Verfemung und Quälerei dort - unterm Dach aufknüpfen wollte, den Strick schon um den Hals.
Zu all den Greueln, die damals liefen, kann man diese - Deutsche gegen Deutsche - getrost hinzuzählen, auch wenn das weniger populär ist (und ich damit nicht die anderen Opfer irgendwie relativieren will).
Nachdem ich dieses Stück Familiengeschichte gehört hatte, würde ich sehr gerne an die Deutschen mit ihren "I Love Timbuktu" - Mützen glauben, aber leider ... Kleine Mädchen, die auf Lkws stehen, frisch evakuiert aus den Grenzgebieten, und von "Inlandsdeutschen" angespuckt werden, weil sie angeblich in deren Augen halbe Franzosen und welsches Gesindel seien ... Naja.
Danke. Das hat das Bild einer ganzen deutschen Region für mich ziemlich geprägt. Es war die Mainfränkische.
Wenn du so was in der Familiengeschichte hast, theoretisierst du nicht mehr über Deutschland und die Deutschen rum.
Dann bist du für ein Europa der Regionen :)
Geschichtsbewusstsein
Ist 1980 nur ein Schreibfehler und es soll 1990 sein? (Falls nicht - wie kommst Du auf 1980?)
Ich glaube auch nicht, dass dieser Satz in dieser Drastik stimmt. Die Adenauer-Politik wurde sehr wohl und ziemlich schnell eingeordnet. Und mit ihr die Vorgänge um den Mauerbau 1961. Dass dann die Konfrontation mit der jüngeren deutschen Geschichte nicht ad hoc erfolgte, hat u. a. den Grund der Zeitgenossenschaft vieler geschichtsprägender Grössen. Historische Betrachtungen brauchen einen gewissen Abstand, um ein einigermassen korrektes Urteil abzugeben.
Es ist eigentlich ein grosses Verdienst der deutschen Gesellschaft (und auch Politik), dass sie nach 1990 nicht in einen neuen Nationalismus abgedriftet ist (wie es z. B. von Grass ausgemalt wurde). Auf der politische Ebene änderte sich das merkwürdigerweise ausgerechnet mit Übernahme der Regierung durch Rot/Grün; Schröder war in vielen Dingen sehr viel nationalbewusster als Kohl.