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ich schreibe das erste Mal in deinem Blog. Wenn ich zurückübersetze, weiß ich ungefähr, was du meinst. Nun, was soll ich sagen? Ich habe kein "Deutschgefühl" (das hat sich höchstens während der paar Wochen Weltmeisterschaft in Deutschland entfaltet), ansonsten sehe ich mein Leben auf der Welt angesiedelt.
Mir war es bisher nicht möglich, in der Welt herumzureisen. Nun habe ich einen Job, mit dem mir plötzlich alle Möglichkeiten offenstehen - und ich frage mich: "Wohin zuerst!?"
Wusstest du, dass Geschichte für Deutsche zwischen 1945 bis 1980 nicht existiert? Keine Schule lehrt das. Wie soll sich da ein Nationsgefühl bilden, zusammen mit der Erbschuld? Dass wir in den USA als "Frauen haben Achselhaare, Männer tragen Lederhosen" gesehen werden, ärgert mich zwar, aber wenn ich das erste Mal auf John Doe treffe, werde -ich- ihn eines Besseren belehren.
Deswegen sehe ich mich als Know How-Worker mit lokalem Anhang. Wo man billen kann, kann man billen. Vorurteile konnte schon jeder aufbrechen (ob Pole, Spanier, Amerikaner oder Russe) ;)
Das stimmt natürlich nur zu einem kleinen Teil
Was die Zeit nach den 80ern oder so betrifft.
Meine Mama ist ja 33 geboren und sie wurden während des Krieges evakuiert.
Weil sie aus einer Grenzregion zu Frankreich hin stammten, peinigte man sie und spuckte die Familie - -mitsamt den kleinen Kindern - an.
Soviel zu deutschen Volksgenossen und wie sie mit ihren Landsleuten damals umgingen. Meine Mama fand dann als Mädchen ihre eigene Mutter in diesem Höllenexil (auf deutschem Boden, es war ja mitnichten ein Lager oder so was), wie sie sich aus Verzweiflung wegen der Verfemung und Quälerei dort - unterm Dach aufknüpfen wollte, den Strick schon um den Hals.
Zu all den Greueln, die damals liefen, kann man diese - Deutsche gegen Deutsche - getrost hinzuzählen, auch wenn das weniger populär ist (und ich damit nicht die anderen Opfer irgendwie relativieren will).
Nachdem ich dieses Stück Familiengeschichte gehört hatte, würde ich sehr gerne an die Deutschen mit ihren "I Love Timbuktu" - Mützen glauben, aber leider ... Kleine Mädchen, die auf Lkws stehen, frisch evakuiert aus den Grenzgebieten, und von "Inlandsdeutschen" angespuckt werden, weil sie angeblich in deren Augen halbe Franzosen und welsches Gesindel seien ... Naja.
Danke. Das hat das Bild einer ganzen deutschen Region für mich ziemlich geprägt. Es war die Mainfränkische.
Wenn du so was in der Familiengeschichte hast, theoretisierst du nicht mehr über Deutschland und die Deutschen rum.
Dann bist du für ein Europa der Regionen :)
Geschichtsbewusstsein
Ist 1980 nur ein Schreibfehler und es soll 1990 sein? (Falls nicht - wie kommst Du auf 1980?)
Ich glaube auch nicht, dass dieser Satz in dieser Drastik stimmt. Die Adenauer-Politik wurde sehr wohl und ziemlich schnell eingeordnet. Und mit ihr die Vorgänge um den Mauerbau 1961. Dass dann die Konfrontation mit der jüngeren deutschen Geschichte nicht ad hoc erfolgte, hat u. a. den Grund der Zeitgenossenschaft vieler geschichtsprägender Grössen. Historische Betrachtungen brauchen einen gewissen Abstand, um ein einigermassen korrektes Urteil abzugeben.
Es ist eigentlich ein grosses Verdienst der deutschen Gesellschaft (und auch Politik), dass sie nach 1990 nicht in einen neuen Nationalismus abgedriftet ist (wie es z. B. von Grass ausgemalt wurde). Auf der politische Ebene änderte sich das merkwürdigerweise ausgerechnet mit Übernahme der Regierung durch Rot/Grün; Schröder war in vielen Dingen sehr viel nationalbewusster als Kohl.