Verdammt mach das nicht!

Es ist 21 Uhr und der Abend ist warm, es sind selbst um die Uhrzeit noch um die 24 Grad.

Ich verlass das Haus um mir ein Eis zu holen, am liebsten mag ich das abgepackte Waffeleis, das traditionell iranische Eis mit Vanille, Creme und Zaffran. Ich laufe solange bis ich eine belebte Einkaufsstrasse finde, es ist bunt, die Autos hupen und schneiden sich gegenseitig die Wege, Frauen, Kinder, Männer, Jung, Alt, käufer, Verkäufer...

Sie alle scheinen Spass zu haben, sie schauen sich in den Passagen nach Gold, Silber, Kleidung, Kinderspielzeug. Der Eisladen der dazu noch die besten dickflüssigen und eisgekühlten Honigmelonensäfte macht ist überlaufen, es stehen Menschen schlange um Eis oder zumindest einen eiskalten Saft zu kaufen. Die Stimmung ist gelassen, Väter und Mütter spassen mit ihren Kindern, halten sie rechts und links an den Händen und alle paar schritte einmal wird das Kind gleichzeitig von rechts und links hochgehoben und ein schritt nach vorne geworfen...die bunten Lichter der sauberen und sehr schönen Läden belebt die Strasse.

Ich stell mich in der Schlange an und hol mir einen Honigmelonensaft. Ich laufe entlang der kleinen und berühmten Bäche die Teheran so liebenswürdig machen. Am hang des Berges gelegen, sind die kleinen Bäche seit jahrhunderte ein markenzeichen dieser Stadt. Es ist das klare und eiskalte Gebirgswasser was in südlicher Richtung fliesst. Das Wasser fliesst ruhig und gibt beruhigende Töne von sich. Dieses Wasser kommt mir so unschuldig und rein vor, ein segen inmitten der Grausamkeiten, Lärm und Unbarmherzigkeiten der Grossstadt. Ich bin in Gedanken als ich merke dass ein kleiner Junge, vielleicht 8 Jahre alt, mit kurzgeschorenen Haaren, Dunkelblond mit honigfarbenen Augen, neben mir hergeht und nichts sagt. Ich frage mich ob er schon länger so neben mir herläuft. Er hat ein paar kleine neue Küchentücher aus Baumwolle um den Arm hängen. Als er sieht dass ich ihn bemerkt habe fragt er micht ob ich Küchentücher kaufen möchte. Ich sage nein. Daraufhin macht er 2 oder auch 3 schnelle kleine Schritte nach vorne und stellt sich vor mich hin und sagt:
"Dann gib mir bitte ein bisschen Geld damit ich ein Eis kaufen kann".

Ich stehe da und schaue diesen kleinen Jungen an, mit seinen feinen Zügen, dreckigen Kleider und wie er mich nicht anschaut als er mir das sagt. Ich sage: "Bettlern gebe ich kein Geld aber ich kauf dir die Tücher ab. Wieviele Tücher hast du denn da?"

"3"

"Ok, ich kauf sie dir alle ab, wieviel kosten die?"

"Alle 3 zusammen 1000 Toman"

Ich gebe ihm 2000 Toman und sage dass es dafür ist dass die Ware gut und der Verkäufer nett ist. Er lächelt, seine Augen funkeln, er nimmt mir das Geld rasch aus der Hand und will laufen aber ich halt ihn nochmal kurz fest

"Schau Junge, bettel nicht. Verkauf meinetwegen Tücher, aber bettel nicht, mach das nicht! Du bist noch sehr Jung, habe Achtung vor dir selbst, trage den Kopf hoch"

Er schaut nach unten, reisst sich los und läuft weg.
sillerbetrachter - 2. Jul, 21:12

Du schreibst so dicht und bunt, dass man glaubt, man wäre dabei gewesen!
Untermalt mit der wunderschönen Musik ist es ein kleines Stück Urlaub im Alltag. :-)
Hoffentlich kann der Junge dem Rat folgen. Achtung vor sich selbst ist das Korsett jedes Menschen, finde ich.

Chinaski - 2. Jul, 21:58

Der Junge will vielleicht dem Rat folgen aber er kann es nicht. Das ist die Ohnmacht die dieses Volk lähmt. Ehemals ungebildete, Menschen die vorher weder Kultur noch etwas anderes hatten, beuten heute seit 30 Jahren eines der reichsten Länder dieser Erde aus und ihnen ist es egal dass 8 Jährige eher zur Schule gehen und finanziell gesichert seien sollten anstatt um 21 Uhr auf der Strasse Küchenhandtücher verkaufen zu müssen. Wenn dieses Land arm wäre hätte ichs noch teilweise verstanden aber dieser Umstand in solch einem Land und vor allem weil wir alle wissen dass es vor 30 Jahren ganz anders aussah... das tut weh
blue_ocean - 3. Jul, 22:18

wann warst du denn im iran? vor kurzem?

alora (anonym) - 3. Jul, 22:34

Hallo Mr Chinasky,
ich hatte Schwierigkeiten, hier noch ein paar weitere Zeilen einzutragen, es kam immer wieder eine Fehlermeldung. Aber ich probiere es nochmal: es geht noch mal um das Älterwerden. Du hattest meinen Eintrag etwas falsch verstanden bzw.überinterpretiert: ich meinte mit der Zeugungsfähigheit im Alter nicht dich im persönlichen, sondern ich meinte damit im allgemeinen die Ungerechtigkeit der Natur. Denn die Frauen sind nunmal diesbezüglich im Nachteil und die Herren der Schöpfung im Vorteil: im hohen Alter können Männer unabhängig von ihrem Alter Dinge tun, die den Frauen leider versagt sind. Und das finde ich sehr traurig bzw. empfinde ich als großen Nachteil.
Insofern kann du dich mit deinem Status überhaupt nicht beschweren: im Gegenteil, schenke dir ein Schlückchen ein und geniessen deinen Status ;)
den Link von youtube übrigens finde ich schrecklich, würde ich entfernen
Au revoir

Chinaski - 3. Jul, 22:39

Hi, die selbe Fehlermeldung habe ich auch die ganze Zeit bekommen. Scheint aber behoben zu sein. Übrigens ich hatte dich schon richtig verstanden und hatte dich -so denke ich- auch dementsprechend richtig interpretiert. Ich sehe darin einfach keinen erwähnenswerten Vorteil.
Iggy - 4. Jul, 20:43

dieser text macht hungrig nach eis mit vanille, creme und zaffran (war ist zaffran?), durstig nach honigmelonensaft und diesen eiskalten gebirgsbächen.
er macht aber auch traurig, weil dieser kleine junge wohl gar nicht verstehen kann, was du gemeint hast - und wenn er es verstanden hat, dann kann er es nicht umsetzen. ja.

Chinaski - 5. Jul, 14:34

...der Junge kann das alles verstehen, vielleicht nicht bis ins Detail aber keiner fühlt sich beim Betteln wohl. 8 Jährige im Iran sind ohnehin frühreifer als ein normales 8 jahre alters mitteleuropäisches Kind. Auch das hat die Wurzel darin dass sie halt von Kindesalter ein hartes Leben führen müssen und sich um vieles kümmern müssen während das mitteleuropäische Kind sich erstmal um fast gar nichts Gedanken machen muss bis auf die Schule (wenn überhaupt), Sport und PC-Spiele. Es gibt im Iran 10 jährige die eine Familie ernähren, sprich sie gehen arbeiten um der Mutter und dem kranken Vater zu helfen. Was ich damit sagen will ist dass sie sich beim betteln nicht wohlfühlen aber da fühlt sich keine Regierung verantwortlich für sie. Keiner hilft ihnen um aus der Situation heraus zu kommen, Keiner sorgt für sie, keiner hilft ihnen unter die Arme, keiner schleppt sie zur Schule, keiner besorgt deren Eltern Arbeit...

Ja, er versteht es sogar sehr gut, aber kann es nicht umsetzen
Gast (anonym) - 5. Jul, 08:44

Wunderschönes Lied

Wunderschönes Lied zu einem sehr lieben und doch grausamen Moment des Lebens... Ich werd Dich weiterhin hier leise lesen...

:)

Chinaski - 5. Jul, 14:37

...jeder Zeit
Ansuzz - 5. Jul, 17:45

Seltsam

Deine Geschichte löst sehr Gegensätzliches in mir aus. Verträumt lächelnd, an diese wunderschönen, kühlen Gebirgsbach denkend wurde mir sehr heftig dieser Junge vor Augen geführt und damit die Ungerechtigkeit dieser Welt. Hier übersättigte, unzufriedene Kinder, dort der Kampf ums tägliche Überleben. Wie mögen wohl seine Träume aussehen? Hat er eigentlich eine reale Chance?

Chinaski - 5. Jul, 18:02

Nein er hat keine reelle chance
flor - 5. Jul, 18:29

es ist möglich aber nicht einfach den kindern das richtige beizubringen...als aussenstehender (nicht elternteil etc.) erst recht nicht...

Trackback URL:
http://chinaski.twoday.net/stories/4026812/modTrackback

Search

 

Latest Entries

Ohne Titel, dafür...
Mögen die Götter sie an diesem Abend noch...
Pouya (anonym) - 12. Aug, 02:49
"Alles Lügen" ist...
"Alles Lügen" ist der einzige Track aus Azads...
Sherry (anonym) - 11. Aug, 12:11
Hank, vor kurzem hattest...
Hank, vor kurzem hattest du einen "in der Krone" -...
nanou - 11. Aug, 01:41
Ja Hank,
ich weiss.
Side Affects - 6. Aug, 10:48
Ich hab dich auch lieb
Ich hab dich auch lieb
Chinaski - 5. Aug, 20:27
Hank,
wenn du versuchen würdest ,interessant zu sein,...
Side Affects - 5. Aug, 19:49
Meine Vorkommentatorin...
Meine Vorkommentatorin ... not my style. Na, dann is'...
nanou - 3. Aug, 02:52
Liebe Nanou deine Vorkommentatorin...
Liebe Nanou deine Vorkommentatorin meinte die Dame...
Chinaski - 3. Aug, 00:34

Archiv

Juli 2007
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 
 3 
 4 
 5 
 7 
 8 
 9 
10
12
14
17
18
19
20
24
25
26
27
28
29
31
 
 
 
 
 
 

Book Recommendations


Michel Houellebecq
Elementarteilchen

Clarification

Da irgendein Gericht in Hamburg beschlossen hat, dass man für gelinkte Seiten verantwortlich ist, ausser man distanziert sich ausdrücklich davon, will ich das auch hiermit tun. Ich distanziere mich vom Inhalt jeglicher von mir verlinkter Seiten.

-------------------- Texte und Bilder aus diesem Blog, dürfen nur mit Rücksprache mit mir und wenn dann unter Angabe der Quelle benutzt werden

RSS

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (summary)
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

Status

Online seit 879 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 12. Aug, 02:49

Art
Astor Piazzolla
Blues
Clips
Daily
Football
France
History
Hockey
Iran
Italy
Newzealand
Opinion
Poems
Stories
Tough Stuff
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren