Linksruck der Deutschen?

Es gibt Tage da könnte ich Geschichten erzählen und zwar am laufenden Band und ohne Pause. Ich bereite mich nie vor, ich setz mich hin und tipp einfach drauf los und korregiere mich -wenn überhaupt- dann wenn ich die Geschichte schon online gestellt habe. Ich bin in Moment absolut Ideenlos, ich wollte über american football schreiben, darüber dass meine lieblingsmannschaft die Detroit Lions gestern ihr erstes Testspiel gegen die Cincinnati Bengals gewonnen haben. Aber die Idee verwarf ich aus Faulheit. Dann wollt ich über die Berge um uns herum berichten dessen Spitzen heute am frühen Morgen im dichten Nebel verschwunden waren und ich das ganze ziemlich schön fand weil ich mich an meine Kindheit erinnert fühlte und an den dicht bewaldeten Bergen am kaspischen Meer die auch fast jeden Morgen mit Nebel zu kämpfen hatten... auch diese Idee hab ich verworfen...

Aber jetzt fehlt mir ein dass ich heute an der Arbeit einen interessanten Artikel gelesen habe der ausgeschnitten bei mir auf dem Schreibtisch lag! Ich weiss noch immer nicht von welcher Zeitung dieser Artikel stammte. Der Kommentator stellte einen Linksruck der deutschen Gesellschaft fest. Linksruck nicht im extremen Sinne also die Befürworter der Kommunismus und Trotzkismus sind nicht mehr geworden aber wenn man die Wähler der SPD, Grüne, Linke, PDS und WASG zusammenzählt dann kommt man nun mal auf 52% und das ist mehr als die hälfte der deutschen Wähler.

Die Menschen haben nach grausamen Jahren unter den pseudosozialisten Schröder, der den Sozialstaat im Namen der Sozialdemokratie demontierte und zugleich das Land herunterwirtschaftete die Wichtigkeit der sozialen Gerechtigkeit wieder entdeckt und zwar teilweise Parteiunabhängig. Deutschland hat mit Merkel zwar eine bürgerlich-konservative Kanzlerin die es aber Meisterhaft versteht die verschiedenen Strömungen und Stimmungen der Gesellschaft in ihre Politik mit einfliessen zu lassen. Sie ist keine Linke Kanzlerin aber sie ist eine die dem momentan best möglichen linken Kandidaten grosse Probleme bereitet.

so...jetzt habe ich doch noch was erzählt obwohl ich es gar nicht vor hatte...
Ansuzz - 10. Aug, 19:45

Wenn manch ein Politiker beim Redet mal soviel sagen würde, wie du, wenn du nichts zu erzählen hast, wäre dieses Land ein großes Stück weiter!

Und mit dieser Kanzlerin scheint endlich mal ein Mensch dieses Land zu führen, dem tatsächlich nicht nur um eigenes Machtstreben und eine überzogene Selbstdarstellung geht sondern um dieses Land. Wir werden weiter beobachten....

Chinaski - 10. Aug, 20:07

Ein Mensch der klar und deutlich redet, Prinzipien hat und versucht ehrlich und gradeaus zu bleiben wird erst gar kein Politiker und wenn dann kein erfolgreicher. Also es ist schon alles in bester Ordnung, der Politiker versucht halt -wie so oft- das mögliche ungmöglich zu machen und der Philosoph versucht das unmögliche möglich zu machen...
Ansuzz - 10. Aug, 20:29

Ich bin vor einigen Jahren nach einer Bürgerversammlung von unserem Oberbürgermeister gefragt worden, ob ich nicht in die Politik wolle, seine Unterstützung hätte ich. Meine Antwort: "Dafür müsste ich mich ja komplett verändern, keine Fragen mehr stellen und schon gar keine ehrlich beantworten. Außerdem dürfte ich nur noch dem Rudel folgen, das sich Partei nennt. Nein, ich möchte mir lieber weiterhin meine eigene Meinung bilden, also kommt Politik für mich nicht in Frage! Nicht, wie sie zur Zeit praktiziert wird." Bei uns in der Gegend wählten die Kinder die Partei, die auch schon ihre Eltern wählten und deren Eltern und....

Ich bin zwar keine Philosophin aber doch ein denkender Mensch, immer auf der Suche nach Antworten und Wegen, mögen sie mir auch manchmal quer im Magen liegen.

Chinaski - 10. Aug, 23:29

Ich kenne Sprüche wie "wir wählen traditionell Rot"...oder Schwarz oder....

Als wär sowas ein Spiel in dem Solidarität und Treue die wichtigsten Komponenten wären. Die Menschen sollten kappieren dass Politik keine Lieblingsschokolade ist die man halt ein Lebenlang kauft und sie geniesst weil man weisst dass man da konstant die gleiche Qualität und Geschmack bekommt. Die Politik verändert sich, parteien verändern sich, Menschen verändern sich und die Werte verändern sich auch. Keiner sollte irgendeine Partei wählen nur weil der papa sie auch schon immer gewählt hatte. Eigentlich sollte sich keiner mit irgendeiner Partei dermassen solidarisieren dass er selbst den schlechten Politikern der Partei aus Treue heraus kontinuierlich die Stimme gibt.
lahoiha - 10. Aug, 21:23

Geschichten

die die Menschheit braucht. Von der Seele weg. Unzensiert. Ungeniert. Echt. Ich danke Dir für Deine einfühlsam ver-worteten Geschichten und Gedanken.
Axx

Chinaski - 10. Aug, 23:20

Kein Ding. Das alles hier geschieht gern
Gregor Keuschnig - 10. Aug, 21:33

Ich nehme an, Du spielst auf die diversen Artikel in der aktuellen "ZEIT" an (beispielsweise hier, hier oder hier.)

Der Sachverhalt ist aber seit Jahren eine Banalität. Bereits seit 1998 besteht arithmetisch auf Bundesebene eine dauerhafte Mehrheit für "links" (wenn an SPD, Grüne und PDS addiert). Interessant wäre die Frage, was beispielsweise bei der Linkspartei tatsächlich links ist - und was nur primitiver Populismus aus der Mottenkiste.

Deine Aussage zur Kanzlerin halte ich für zutreffend. Hinzu kommt allerdings eine geradezu fürchterliche personelle Situation in der SPD. Sie haben keinen Kandidaten, der gegen sie bestehen könnte.

Chinaski - 10. Aug, 23:23

Das sind in der Tat ganz ähnliche Artikel aber der Artikel den ein Kollege von mir auf dem Tisch liegenlassen hatte war ganz sicher aus einer anderen Zeitung. Kern der Sache jedoch ist der gleiche und die Artikel in der "Zeit" greifen exakt die gleiche Thematik auf.
darkrond - 13. Aug, 05:09

@gregor:

die frage, was bei der linken "primitiver populismus aus der mottenkiste" ist, ist in der tat eine interessante frage. sie bringt mich nämlich zu der gegenfrage, warum die politiker der anderen parteien in der regel hauptsächlich mit diesem schlagwort aber kaum mit inhaltlicher auseinandersetzung auf die linke reagieren. können oder wollen sie nicht? diese frage möchte ich im übrigen auch gern den autoren der zeit stellen, denn ihr populismus-vorwurf bewegt sich leider auch im großen und ganzen nur auf der ebene von polemik, die außer ein paar kurzen lafontaine-zitaten keine unterfütterung hat.

zum personellen problem der spd: ich denke, die spd hat erstmal ein inhaltliches problem. für welche inhalte soll denn ein kandidat der spd stehen? die letzten mehr oder weniger neuen oder irgendwie eigenen ideen, die durch die spd auf die politische bühne in deutschland gebracht wurden, waren "neue mitte" (1998) und "agenda 2010" (2003). mit beidem bedient sie aber nicht ihr kernklientel. das dilemma der fehlenden eigenen ideen (was profillosigkeit der partei impliziert) bringt albrecht müller im freitag auf den punkt. (das wird im übrigen auch nicht durch das im rahmen der aktuellen programmdebatte eingeführte schlagwort vom "vorsorgenden sozialstaat" gelöst, weil dieses schlagwort bislang keine tragfähige inhaltliche füllung hat.) wie soll da die spd einen geeigneten kandidaten hervorbringen?
Gregor Keuschnig - 13. Aug, 16:20

@Darkrond - Kurz zur "Mottenkiste"

Lafontaines Populismus zeichnet sich dadurch aus, dass er meint, Deutschland (oder irgendein anderes Land) liesse ich inmitten der Globalisierung wieder auf eine Insel zurückdefinieren. Sein Programm ist der Rekurs auf den Sozial- und aussenpolitischen Kastratenstaat der 60er-80er-Jahre und zeigt erschreckend wenig Ideen für die zukünftigen "Risiken". Die ökonomischen Programmatiken, die er globalisiert umsetzen will, sind zwar richtig - aber warum hat er das denn seinerzeit nicht weiterverfolgt und bei der erstbesten Gelegenheit die Brocken geschmissen?

Die Lafontaine-Zitate mögen schmerzen, aber wonach soll man einen Politiker sonst messen als an dem, was er gesagt hat?

Die Linke (vormals PDS) wird durch Regierungsbeteiligungen sehr schnell domestiziert werden (im Osten ist sie das schon) und das Schicksal der Grünen "erleiden". Zweifellos wird sie bei den nächsten Bundestagswahlen reüssieren mit dem Ergebnis, dass es eine rot-grün-gelbe Ampel geben wird.
Chinaski - 13. Aug, 16:25

Bin absolut deiner Meinung Gregor. Keine Partei und schon gar keine Einzelperson können die global angeschlagenen Mechanismen aufhalten. Sie alle werden entweder mitmachen oder sich geschlagen geben müssen.
darkrond - 13. Aug, 18:47

@gregor:

wenn du sagst, lafontaines ökonomische programmatiken seien richtig, willst du dann einen "kastratenstaat" oder bist du für populismus? das einscheint mir widersprüchlich.

ich teile nicht deine auffassung, lafontaine wolle deutschland zu einer insel inmitten der globalisierung machen. meiner auffassung nach geht es ihm darum, die ökonomischen gewinne, die die globalisierung deutschland als einem exportorientierten land bringt, anders zu verteilen, als das durch die politik der letzten 20 jahre bewerkstelligt wird. das ist ja keine plumpe ablehnung von globalisierung (wie das z.b. die rechten betreiben) sondern eine kritik an der politischen ausgestaltung der globalisierung bei uns. gegen dein bild der "insel" spricht für mich im übrigen, dass lafonataine für so ziemlich jeden seiner vorschläge beispiele aus anderen ländern bringt, in denen der jeweilige vorschlag offenbar funktioniert: mindestlöhne gibt es in 25 von 27 eu-staaten, das renteneintrittsalter liegt in frankreich und italien deutlich unter dem in deutschland, die steuerquote ist in skandinavien weit höher als bei uns, die angebliche sinnhaftigkeit einer bahnprivatisierung kann man mit einem vergleich england vs. schweiz sehr gut in frage stellen usw. worin bei all diesen sachen der populismus liegen soll, würde mich schon mal interessieren.

vielleicht noch zu regierungsbeteiligungen der linken: find ich gut. jeder weiß, dass in einer demokratie kompromisse nicht zu vermeiden sind. dass dabei die eigenen vorstellungen nicht 100 prozent umgesetzt werden können, ist trivial. aus meiner sicht geben darum die programmatischen äußerungen zu oppositionszeiten erstmal "nur" die richtung vor, in die einer partei in regierungsverantwortung arbeiten will. die linke in den alten bundesländern hat da logischerweise mangels regierungserfahrung noch erkenntnisdefizite, aber wird das sicherlich auch noch lernen.

deshalb muss die linke aber noch nicht unbedingt das "schicksal der grünen" erleiden, schon deshalb, weil die grünen aus einer anderen geschichte und sozialisation entstanden sind. ihre zentralen pfeiler waren umwelt-, friedens- und bürgerrechsbewegte. in der umweltfrage haben die grünen immerhin atomkompromiss und erneuerbare-energien-gesetz mit zu verantworten, weshalb dieses image weiter besteht. in den anderen beiden bereichen haben sie es aber bei sehr vielen menschen verkackt. nicht, weil sie da nicht alle blütenträume reifen lassen konnten, sondern weil ihre anhänger ein ernsthaftes bemühen um diese urgrünen vorstellungen bei den regierungsgrünen nicht erkennen konnten. soll heißen: ich denke, so lange die linken sich in regierungsverantwortung wenigstens sichtbar ernsthaft um die umsetzung ihrer programmatik bemühen, müssen sie sich um ihre existenz nicht sorgen.
Chinaski - 13. Aug, 19:23

Das komische ist dass ich auch dir zustimmen kann. Ich bin Ideologisch auf der selben Ebene wie du Dark, nur ich stehe einer Partei die nach Macht strebt nun seit Jahren immer Skeptischer gegenüber weil mir die Geschichte oft bewiesen hat dass z.B eine linke Partei nur solange linke Parolen von sich gibt wie sie in der Opposition ist und noch keine Macht und -noch wichtiger- kein Geld gerochen hat. Die Grünen haben sich für mich als Opportunisten entpuppt, die SPD zum grössten Teil auch und der Schröder war meines Erachtens ein Widerling der mir einige Illusionen zunichte machte. Ich musste desillusioniert feststellen dass mittlerweile auch der Linke die Menschen benutzt um sich Macht und Materielles zu sichern. Da kamen mir auf einmal die konservativen sogar noch ehrlicher vor, idioten wie Stoiber und Co. die aus ihrer asozialen Haltung keinen Hehl machten. Solche Feinde sind besser als sogenannte Freunde wie Schröder weil sie sich zu erkennen geben, du weisst wie du auf sie reagieren musst. Schröder jedoch kam mit der roten Fahne der Sozialdemokratie und hat dabei rechte Politik betrieben, Schilly war für dieses Land eine Katastrophe. Wenn die Aktionen des Otto Schilly von einen Schäuble stammen würden, hätte ich es verstanden weil er halt dafür steht, aber woher bitte soll denn ein SPD Wähler wissen dass ein Schilly sich als solch ein Arschloch herauskristalisieren würde?
darkrond - 13. Aug, 19:42

@chinaski:
deine angst kann dir wohl leider niemand nehmen. wir kennen ja die meisten politiker meist nur aus dem fernsehen oder der zeitung, wissen also nicht, ob sich hinter dem image ein arschloch, wendehals oder ähnliches verbirgt, solange das nicht veröffentlicht wird. aber darum gibt es ja auch das schöne instrument des wechselwählens. erstmal schauen, wer die sinnvollsten vorschläge macht, und wenn die sich dann hinterher als schnödes lippenbekenntnis entpuppen, kriegt das kreuz beim nächsten mal halt ein anderer.

@gregor:
jetzt hab ich glatt was vergessen, nämlich deinen vorwurf, lafontaine habe bei der "erstbesten gelegenheit" die brocken hingeschmissen. wenn ich mich recht erinnere, war er ob in saarbrücken, mp im saarland, parteichef der spd und ein dreiviertel jahr finanzminister. als "erstbeste gelegenheit" würde ich das nicht bezeichnen. zudem hatte er 1999 ein großes problem: artikel 65 gg schreibt die richtlinienkompetenz des bundeskanzlers fest, der damit den rahmen für die bundesminister abstecken darf, innerhalb dessen diese sich dann zu bewegen haben. da lafontaine zu dem zeitpunkt weder in der bundesregierung noch in der partei mehr über eine mobilisierbare mehrheit verfügte, hätte er bei einem weiteren verbleib in der regierung eine politik öffentlich vertreten müssen, die nicht (mehr) die seine war. (dass die wirtschaftspresse ihn zudem wegen seiner vorschläge mit einer kampagne als "gefährlichsten mann europas" zu diskreditieren suchte nur mal am rande.) einen rücktritt halte ich da nur für konsequent und finde ihn auch sympathischer als das sonst so oft zu beobrachtende sessel-kleben. dass lafontaine damals nach immerhin bereits 35 jahriger parteimitgliedschaft lieber still ging als mit einem großen öffentlichen waschen dreckiger wäsche zu beginnen, hat zwar für viel unverständnis bei den menschen gesorgt, erscheint mir aber auch durchaus verständlich.
Gregor Keuschnig - 13. Aug, 19:45

Kein Widerspruch

Lafontaine tritt für globale Regelungen für die Steuerung von Finanzströmen ein. Das ist richtig und hat mit Populismus nichts zu tun. Populismus betreibt er da, wo er sich zum Robin Hood des kleinen Mannes generiert und in einer Art albanischer Autarkie den Sozialstaat à la 60er-80er Jahre BRD implementieren will. Das ist deshalb populistisch, weil jeder natürlich "auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit" ist und am liebsten Grenzen und Zäune errichten möchte. Heinsohn belegt, dass dies Auswüchse von Schwäche ist.

Am Beispiel Mindestlöhne wird deutlich, welche unsinnige Diskussion da losgetreten wird. Es mag ja sein, dass sehr viele EU-Staaten Mindestlöhne haben. Aber Mindestlöhne sind nicht aus dem Kontext des Sozialsystems eines Staates herauszulösen. Was nutzen dem britischen Angestellten/Arbeiter Mindestlöhne, wenn er damit seine Sozialversicherungssysteme nicht bezahlen kann? Mindestlöhne werden da bezahlt, wo Sozialsysteme anders organisiert sind als in Deutschland. Etliche der Forderungen der Linke, die mit Beispielen anderer Volkswirtschaften "belegt" werden, vergleichen in Wirklichkeit Äpfel mit Birnen. Natürlich wird in Dänemark ein viel höheres Arbeitslosengeld bezahlt. Toll, was? Aber man darf nicht unterschlagen, dass es nur 12 Monate bezahlt wird - danach gibt's dann: nix mehr. Und so weiter.

Wofür ich bin? Nun, dann lies meine Besprechung von Becks "Weltrisikogesellschaft". Bei aller Unschärfe der Lösungsansätze bietet es eine Fülle von Möglichkeiten. Nur eine Möglichkeit scheidet aus: Deutschland als Insel der Seligen, umgeben von einer (virtuellen) Mauer des Rundumversorgungsstaates.
Chinaski - 13. Aug, 19:53

Gregor Mindestlöhne können ohne Probleme auch in Deutschland gezahlt werden und sie müssen irgendwann wieder gezahlt werden soll der Arbeiter nicht völlig zum rande des Existenzminimums gedrückt werden. Das hatte funktioniert und wird auch genauso wieder funktionieren wie in all den Ländern wo sie auch funktioniert. Das lass ich mir nicht pauschal einreden vonwegen dass würde aus wirtschaftsstrukturellen Gründen nicht gehen.
Chinaski - 13. Aug, 20:15

@Dark:

Ich hab absolut keine Angst, ich wähle schon lange nicht mehr. Ich mag die Politik nicht, ich beobachte sie nur. Um wieder das Anfangsthema aufzugreifen: Ich mach mir um linke Gedanken keine Sorge in diesem Land. Die Betonung liegt auf Gedanken und nicht um linke Politik. Gedanken der Menschen sind wichtig und da stelle ich wie offensichtlich viele andere auch einen wirklichen Linksruck der Gedanken fest. Zu sozialdemokratischer Geist gehört auch ein traditionelles Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Schwächeren, ein Gefühl für Gerechtigkeit, dieser Geist ist erfreulicherweise auch in Menschen eingedrungen die sogar CDU, CSU und FDP wählen...sollen sie doch wählen, die Gedanken der Menschen werden das Bild der Parteien und Politik verändern, Schröder nannte sich ein Sozialdemokrat, seine Gedanken waren aber konservativ und asozial. Heute ist es so dass durch das gesteigerte Sozialbewusstsein der Menschen sogar eine konservative Kanzlerin sozialere Wege gehen muss.
darkrond - 20. Aug, 23:51

@gregor:
sind dann alle, die bei der reichtumsverteilung mehr für das gesellschaftliche unten rausschlagen wollen, populisten? ich würde eher sagen, lafontaine stellt ein stück weit ein notwendiges gegengewicht dar, dass die demokratischen aushandlungsprozesse zwischen dem gesellschaftlichen oben und unten wieder zu aushandlungsprozessen werden, und es nicht bei der einseitigen show der letzten jahrzahnte bleibt.

ich hab mir endlich mal deine besprechung von beck durchgelesen. nunja, du sprichst ja selbst von der "unschärfe der lösungsansätze". mein eindruck ist, dass das bei beck sehr wohl so gewollt ist, weil ihm selbst nichts brauchbares und konkretes einfällt. (immerhin haben schon die orthodoxen marxisten der 60er jahre den begriff der "weltinnenpolitik" verwendet, um auf die notwendigkeit globaler lösungsansätze hinzuweisen. sie haben das damals halt mit ökonomischen kategorien zu begründen versucht, beck heute mit ökologie und terrorismus.)

die problematik des ganzen liegt meiner meinung nach darin, aus dem akademischen elfenbeinturm heraus zu konkreten politikansätzen zu kommen. und lafontaine ist nunmal politiker und kein politologe. da, wo er konkretes anbieten kann, siehe finanzströme, bietet er es auch an. da wo er sowas nicht hat, bleibt ihm wohl kaum etwas anderes, als innerhalb der bestehenden möglichkeiten welche zu wählen.

das erscheint mir aber nicht wie der versuch an einer autarken wohlstandsinsel, sondern vielmehr wie der versuch, diverse in europa vorzufindene standards auf den aus seiner sicht jeweils höchstmöglichen hin zu verschieben. (daher auch seine ständigen verweise auf beispiele in anderen staaten.)
darkrond - 13. Aug, 04:49

zunächst mal hat gregor recht: wenn man einen rot-rot-grünen und einen schwarz-gelben "block" definiert, dann hat ersterer seit mittlerweile etwa 10 jahren eine rechnerische mehrheit. die verschiebungen finden im großen und ganzen auf der bundesebene innerhalb dieser blöcke statt.

zu deinem hinweis auf die "ära schröder", lieber chinaski, habe ich vor ein paar jahren (vor gründung der wasg bzw. linkspartei) mal einen witz gehört:

treffen sich zwei spd-mitglieder. meint der eine: "du, wir haben auf der linken seite ganz schöne lücken aufreißen lassen. sollten wir die nicht besser wieder füllen?" meint der andere: "schwierig. da ist schon die cdu."

da die cdu nun nach deinen worten keine linke partei ist, zeigt dieser witz, wie weit der rechtsruck der spd unter schröder und schily in der wahrnehmung vieler menschen gegangen ist. da ist es aus meiner sicht klar, dass eine so große vertretungslücke irgendwie der füllung bedarf. und ich denke, das macht die linke gar nicht mal so schlecht. immerhin war unter den parteien ja genau diese viel gescholtene es, die das thema der sozialen gerechtigkeit wieder auf die agenda gehievt hat. (was darunter zu verstehen ist, würde sicher am besten in einem neuen thread zu diskutieren sein.)

ansonsten möchte ich gern noch anmerken, dass das runterwirtschaften des sozialstaates nicht erst ab 1998 stattgefunden hat, sondern spätestens ab der "geistig-moralischen wende" unter helmut kohl.

Chinaski - 13. Aug, 16:00

Stimmt zum Teil. Kohl hat gar nicht mal so schlecht regiert auch wenn wir damals als junge "linke" ständig auf ihn geschimpft haben. Seine Fehler fingen mit der Einheit an. Da kam er grosskotzig und meinte das würde von heute auf morgen klappen ohne die Kosten durchgerechnet zu haben. Lässt man die Wiedervereinigung weg hat Kohl nicht schlecht regiert. Ich wills mir gar nicht ausmalen wie es Deutschland ergehen würde hätte Schröder anstatt von Kohl 16 Jahre Zeit zum regieren (demolieren?!) gehabt. Seine 7 Jahre haben nicht nur Deutschland geschadet sondern die haben zusätzlich dafür gesorgt dass die Definition von sozialdemokratischer Politik sich verrückt haben und somit eine klare Identitätskrise hervorgerufen wurde.
Gregor Keuschnig - 13. Aug, 16:26

Schröder hat fast 7 Jahre regiert, wobei man ihn die ersten 4 Jahre innenpolitisch nicht gemerkt hat. Das Dilemma, dass er gesehen hat, besteht darin, dass die SPD eigentlich immer mit der antizipierten Denunziation einer "schwachen" Partei zu leben hatte. Das Schreckgespenst der "Sozis", die weder mit geld noch mit der Aussenpolitik umgehen können, resultiert noch aus Adenauer-Zeiten. Das war der Grund für das, was man in den 70er Jahren "Radikalenerlass" nannte. Aus lauter Angst vor den rechten CDU/CSU-(Ex-)Nazis wollte man alles 150% machen. Schröder wurde geprägt von dieser Zeit und hat mit seinem "wir machen nicht viel anderes, aber einiges besser" (sinngemäss) erst ermöglicht, dass rechte (und kapitalistische) Kräfte nicht in Schockstarre verfallen sind, als er dann 1998 gewählt wurde.

Kohl war sozialdemokratischer als Schröder ab 2001 (nicht zuletzt durch diesen Torfkopf Blüm und seine Pflege- und Rentenversicherungspolitik). Die Einheit konnte Kohl gar nicht anders bewerkstelligen - die Leute hätten ihn sonst ganz einfach nicht gewählt und es wäre nicht zur Vereinigung gekommen.
Chinaski - 13. Aug, 16:33

Und genau das meine ich. Kohl hat in der Tat sozialdemokratischer regiert als der angebliche sozialdemokrat Schröder. Er ist meiner Meinung nach stark für die heutige Identitätskrise der SPD verantwortlich. Er hat nämlich versucht durch rechte Politik aus trübem Wasser zu fischen hat dadurch aber Parteipolitisch gesehen einiges durcheinander gewirbelt. Die SPD hatte kein klares Gesicht mehr, sie regierte plötzlich konservativer als die CDU
Gregor Keuschnig - 13. Aug, 19:48

Die SPD hatte kein klares Gesicht mehr, sie regierte plötzlich konservativer als die CDU.
Genau. Das ist aber das Schicksal jeder SPD-Regierung in Deutschland gewesen - mit Ausnahme von 1971-ca. 1973. Nach Helmut Schmidt war definitiv Schluss; noch ein bisschen Sozialstaat, aber die Wege waren vorgezeichnet. Kohls "geistig-moralische" Wende fand gar nicht unter Kohl statt, sondern erst unter Schröder.
Stefan (Gast) - 13. Aug, 08:23

Der Artikel stammt aus der ZEIT und den habe ich gestern auch gelesen. Und die Behauptung, Schröder hätte dieses Land heruntergewirtschaftet, finde ich absurd. Auch wenn es für einige sozialdemokratische Ohren furchtbar klingen mag, der jetzige Aufschwung ist Folge der Rot-Grünen Regierung und Merkel fährt jetzt die Ernte ein.

Chinaski - 13. Aug, 15:56

Und diesen Eintrag find ich richtig flach.
Side Affects - 13. Aug, 22:56

hi darling,

zurück aus rom und dunkelschwarz;) stimme ich dir was schroeder betrifft totally zu. er war ein meister der selbstinszenierung und ich hielt ihn von anfang an alles andere als sozialdemokratisch. er war irgendwas in armanianzug,
sei gegrüßt zu später stund.es war herrlich.

Chinaski - 14. Aug, 17:51

Wilkommen zurück baby, gehts dir gut?
Side Affects - 14. Aug, 18:51

wenn du baby zu mir sagst gehts mir immer gut ;)

allerdings habe ich mir im urlaub eine sprunggelenksentzündung geholt durch den übermäßigen sport den ich treibe und durch die gnadenlosigkeit mit dem ich es dennoch mache auch wenn ich krank bin. ich hatte noch nie eine verletzung am gelenk. war heut bei einem meiner besten freunde und hab nun eine art gips am füßchen, da alles entzündet ist. dabei fahr ich so gern rad, laufe gerne und beweg mich einfach gerne.
da ich urlaub habe, zwingt es mich zur inneren einkehr. nennen wirs mal so. so hört es sich gut an. und die scheißpillen gegen die entzündung nehm ich jetzt ,auch wenn ich selber lieber leide als etwas zu schlucken. ist eine art berufsethos . es ist auf alle fälle dumm, zu meinen sowas geht von selber weg.aber an uns sind wir eben meistens dumm.

hab wenig schöne männer gesehen, sehr viele engländer und holländer.
die lautheit der holländer nervte mich bisweilen sehr, denn es ging bis an die schmerzgrenze. die engländer sind alle weiß wie die wand gewesen , hatten brilliantes benehmen und lasen gute literatur in den cafes und am pool, wo ich eingecheckt hatte. sie waren nach einer woche immer noch weiß. oder rot. die holländer genauso laut.
und du? schöne frauen gesehn ,während ich abwesend war?
Chinaski - 15. Aug, 19:42

Hast du dich überanstrengt baby? :-)

Was für Pillen hast du denn geschluckt? Voltaren?

Frauen? Klar, schöne Frauen laufen mir hin und wieder mal übern Weg
Side Affects - 15. Aug, 20:11

ja, ich hab mich überanstrengt. und high heels haben mir den rest gegeben.
voltaren ist diclofenac, das vertrage ich nicht. das ist mir zu magentoxisch. ich nehm ibuprofen. das vertrag ich gerade mal so mit einem protonenpumpenhemmer als magenschutz.

meine größte sorge ist, dass ich NIE MEHR high heels tragen kann...

dass dir hin und wieder schöne frauen übern weg laufen, das glaube ich dir. es geht mir mit männern ebenso. nur die meisten sind stockdämlich.carma.
sillerbetrachter - 15. Aug, 19:54

Aus der Pullertik halte ich mich raus. Aber einen lieben Gruß lasse ich dir hier, Hank. :)

Chinaski - 15. Aug, 20:04

Hach... die lieben Grüsse von dir, die tun immer wieder gut. Also lieben Gruss zurück meine Liebe :)

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