Warum schreib ich?

Um meinen Arsch zu retten. Ich hab viel zu erzählen, ich teile meine Geschichten aber nie in Angesicht zu Angesicht weil ich die meisten Menschen nicht mag. Ich verkehre mit vielen Menschen, ich hab viele Freunde mit denen ich trinken gehe und ab und an eine drauf mache. Ich hab dabei aber das Gefühl als ob ich meine Kontakte habe und pflege um mich nicht zu isolieren. Warum eigentlich nicht? Wenn ich soweit wäre dass ich mich irgendwie ganz isolieren könnte das wäre das meiste was ich erreichen könnte. Das wäre eine selbstveredelung. Das wäre eine nobele Stufe. Noch gehöre ich aber der dummen Masse an die in der eigenen Scheisse rumrudern und es nicht merken.

Ich weiss nicht aber wenn für die Menschheit eine Toilette lebensnotwendiger ist als Literatur und Kunst dann sagt das doch alles über unser Zustand. Ohne Toilette und Klo sitzen wir in der eigenen scheisse oder wir platzen, ohne Literatur und Kunst jedoch kann jeder problemlos überleben.

Ich muss ein Ventil haben, manchmal schreib ich wie unter Strom oder unter einem schlimmen Fieber. Es muss raus, dann hab ich frieden, dann ist mein Arsch für ne Weile gerettet bis sich wieder was aufstaut. Es ist gut dass die Menschen meine Geschichten lesen und nicht hören denn so haben sie die Möglichkeit meinem harten Urteil zu entgehen. Ich erachte die meisten Menschen als eintönig, einfältig, dumm und nichtssagend. Allein derren Visagen sagen mir Bände, ich lass sie das nicht oft spüren aber um Sie zu schonen, fress ich mich manchmal selbst von Innen auf. Ich schau sie an und sie kommen mir vor wie Lepra die langsam an einem nagt. Sie tun nichts bedeutungsvolles. Sie warten alle auf den Tod und wenn er da ist sind sie überrascht weil sie ein Leben lang das unvermeidliche, das letzte Teil ihr sinnloses Daseins einfach ignoriert haben. Sie werden depressiv, sie weinen, heulen, können es nicht fassen und warum? Weil sie einfach dumm sind. Weil sie ein leben lang sich selbst und andere beschissen haben wegen, Geld, Auto, Haus, Arbeitsstelle... und? Was nutzt dir deine S-Klasse die du gefahren hast weil andere dafür billig schuften mussten? Hättest du lieber in all den Jahren die du gehabt hast, nur eine halbe Stunde ehrlich zu dir selbst seien sollen, dann wärst du jetzt nicht der jämmerliche Haufen der jetzt da sitzt und vor etwas zittert dass seit du auf der Erde bist mit dir da ist und von dir ignoriert wurde.

Es geht mir schon viel besser
Human (anonym) - 5. Mrz, 19:09

Wieso scheißt Du nicht einfach auf diese Menschen und suchst Dir eine Hand voll Individuen mit denen Du Dich richtig wohl fühlst und die Dich verstehen?!
Was bringt Dir das, wenn Du Dich von innen auffrisst? Du solltest denen lieber mal die Meinung sagen und Dich dann, für immer, vom Acker machen. Versuch nicht gegen irgendwas anzukämpfen was Du ehe nicht ändern kannst! Scheiß einfach auf das Establishment und auf das was Dich krank macht, es lohnt sich einfach nicht sich so zu zerreißen. Khak bar sare in mamlekat, khak bar sare una keh toro intori fühlen mikonan!! Am wichtigsten ist, dass Du Dich von dem was Du oben beschreibst abhebst, ansonsten wird es Dich verschlingen. ODER Du schreibst! Genau, wenn Dir das hilft, dann soll das so sein!! Aber lass Dich nicht hängen, denn es wird auch wieder bessere Tage geben.
Lieben Gruß
Human

Chinaski - 5. Mrz, 19:34

Human jan das ist immer sehr lieb von dir, du bist immer sehr mitfühlend und freundschaftlich aber ich denke du kennst mich nicht gut genug.

Ich brauche auf diese Menschen nicht zu scheissen. Sie haben mir nichts getan, ich bin leidergottes ein guter Beobachter, sie müssen mir nicht viel tun um mich anzuwidern, ihr Verhalten, was sie sagen, wie sie zur Arbeit fahren, wie sie sich verarschen und am Weihnachten in die Kirche gehen... das alles berührt mich nicht direkt aber ich bin von dieser Haufen umzingelt. Ich muss ihre Fressen aushalten, ihr geistloses geplapper, ihre nichtssagenden Gesichter, ohne Pepp, ohne Mum, ohne originalität.. Mir gehts gut, ich beobachte nur. Ich kann nichts dafür. Wenn ich jemandem die Hand gebe weiss ich meistens was er grade hat. Hände die Kühl sind, etwas zittern, aus Nervösität heraus zufest zupacken,... es gibt arme Menschen die durch einen sinnlosen Händedruck sich profilieren wollen, sie drücken dir die Hand kaputt und schauen dir nervös in die Augen und lächeln, wenn du loslässt, lassen sie los, wenn du etwas gegendrückst, drücken sie dir lächelnd die Hand kaputt...ich sehe in ihren Gesichtern dass sie Hart und Konsequent rüberkommen wollen, sie wollen als einen Menschen rüberkommen... sie wollen Männlich und entschieden rüberkommen, ich kenne mittlerweile Frauen die der selben Krankheit verfallen sind...lauter Kranke als Unternehmer, Ärzte, Ingenieure, Chirurgen, Soziologen, Psychologen, Arbeiter, Angestellte, Staatsmänner...da kommt leicht der Gedanke auf ob man selbst nicht normal ist. Zumindest glaubt man das wenn man sich in Minderheit ist. Aber wer sagt dass jede Mehrheit automatisch recht haben muss?

Jedenfalls mach dir keine Sorgen. Ich bin ein komischer Typ. Ich hab mir fast alles auf dieser Welt erklärt. Mich überrascht nicht viel. Ich such niemand der mir zuhört. Du weisst nicht wieviele um mich herum sind die meinen ich wäre interessant. Frauen die seit Jahren meinen das A und O wäre einmal mit meiner Wenigkeit zu schlafen. Bitte sieh das nicht als Arroganz an, es ist eher traurig das beweist mir immer wieder wie Leer diese teilweise lieben Menschen sind. Die meisten von Ihnen kann ich trotzdem nicht lange ertragen, sie scheinen aber die Gesellschaft zu lieben inklusive meine Gesellschaft. Mir gehts gut Human jan. Ich sehe nur zuviel, dort wo viele nichts sehen, erst garnicht hinschauen um was zu sehen, sehe ich jede menge. Dies Fähigkeit hat leider nicht dafür gesorgt die Menschheit zu lieben, sie hat mich eher gelehrt sie zu meiden und nur in kleiner Dosis zu geniessen :)
Lange-Weile - 5. Mrz, 19:26

Distanzieren

Hallo Hank,

schreiben hilft um sich von vielerlei Gedanken zu distanzieren. Schreiben schütz davor - ähnlich wie Reden - das sich die Gedanken im Kreise drehen. Sie veralssen ganz einfach den Kopf und machen damit Platz für Neue. Die Neuen sind aber auch nicht ganz neu - sondern auch oft wieder der alte Kram, nur in einer anderen Nouance.

Es hat bei mir eine zeit gedauert, bis ich akzeptieren konnte, dass viele Menschen - auch in meiner Verwandtschaft - nicht so weit entwickelt sind, wie sie oft den Schein geben. Die meisten von ihnen bleiben im "Konsum-mismus" stecken und entwickeln sich nicht wirklich weiter. Das kommt daher, dass sie zu behütet und ohne ernsthafte Erschütterung ihrer Basis - wie z.B.Todesnähe - leben können. Das hemmt sie oft in der Entwicklung ihrer Reife. Selbst wer erwachsen ist, kann nach seinem Entwicklungsstadium erst 10 Jahre alt sein.

Vor einiger Zeit stand ich einem jungen Mann um die 30 Jahre gegenüber. Er verursachte eine tiefe Krise in meinem Umfeld, die auch für mich negative Konsequenzen nach sich zog. Auf Grund einer dummen Randbemerkung von ihm, trat ich - für ihn überraschend - vor ihm und hielt im meine Faust unter die Nase. "Was hast du gesagt?" fragte ich in meiner Wut und er atwortete wie in Dreijähriger "Ich hab doch nichts gesagt" und schaute erschrocken nach unten auf seine Füße. Da sah ich plötzlich das kleine Kind vor mir - es war wirklich nicht älter als 3 Jahre und dort steht er immer noch.

Einen Reifegrad erreicht der Mensch nur, wenn er es siich nicht in seiner Komfortzone gemütlich macht. Dann bleibt er in seiner Entwicklung stecken.

Anders bei dir - die kennst den Krieg nicht nur von Hören und Sagen, sondern du weißt was es heißt, wenn um einer herum die Welt untergeht. Im solchen und ähnlichen Momenten - denen man sich nicht einfach entziehen kann - verändert der Mensch seine Priroritäten und bring dem Leben eine ganze andere Wertschetzung entgegen.

Die Menschen, die du beschreibst, sind einfach nur leer - ausgesogen vom Konsum aller Art..

ich wünsche dir noch einen schönen Abend

Gruß LaWe


Chinaski - 5. Mrz, 19:51

Ich kann dir da nur zustimmen liebe LaWe. Ich kann da nichts mehr hinzufügen. Hab genug geredet. Danke und einen ebenso schönen Abend für dich.
Human (anonym) - 6. Mrz, 15:35

Merci Chinaski-jan!! :-)
"in kleiner Dosis genießen" - hört sich irgendwie ganz gut an!!
Sonst dauert es so lange bis man sich wieder gefunden hat!! :-)
Lieben Gruß
Human

Sherry (anonym) - 6. Mrz, 17:50

Das erinnert mich irgendwie an Meister Dostojewski. Beim Lesen hatte ich immer das Gefühl, er würde im Wahn schreiben. Er brachte sich mit seinen Gedanken und der Geschwindigkeit seiner Gedanken selber immer an seine Grenzen - so, als würde er etwas aufgreifen und niederschreiben, bevor es ihn selber auffrisst. Fängt und auffrisst.

Zum Inhalt würde ich Dir gerne eine Frage stellen: Die Punkte, in denen Du Dich von anderen Menschen unterscheidest, interessieren mich. Nicht, weil ich selber nicht einige sehen würde, sondern weil ich wissen will, wie Du selbst Dich siehst. Wenn Du also Lust hast, hau' rein.

Chinaski - 6. Mrz, 20:18

Wer sagt dass ich mich von ihnen unterscheide? Vielleicht sitzt einer dieser Idioten da draussen und liesst meine Sätze und denkt sich "was will eigentlich DIESER vollidiot"? wie schon in meinen Anfangsbeitrag erwähnt, gehöre ich noch zu der selben dummen Masse.. ich bin nämlich noch nicht isoliert. Mich interessiert eher welche Punkte DU entdeckt hast!

Dostojewski war ein sehr scharfsinniger Mensch, er konnte sich hinsetzen und in einer Nacht ein Kurzroman schreiben. Sehr talentiert. Mag sein dass auch ihn die Menschheit angekotzt hat. Er hat es aber nie so richtig in Mittelpunkt gestellt. Nach seinen Jahren in Zuchthaus in Sibirien, kam er als ein religiöser Christ und ein antisozialist wieder zurück was ihn meines Erachtens menschlich etwas zurückwarf dennoch muss ich zugeben dass seine Werke nach der Haftzeit etwas dazugewonnen haben, sie waren genialer, voller, tiefer und etwas pessimistischer. Er war schon ein ungewöhnlich grosser Meister. Übrigens auch er hat geschrieben um seinen Arsch zu retten. Fast jeder der so schreibt wie Dostojewski will seinen Arsch retten.
Side Affects - 6. Mrz, 20:08

Hi hank, das gefällt mir richtig gut was du da schreibst. Willkommen im Club.
Ich glaube, je mehr man denkt, umso mehr ist man gestraft mit dem Leben.
Das Schreiben ist für mich wie eine Abstellkammer in der ich den Müll lasse. Es wäre natürlich auch praktisch, wenn man da die Leute einsperren könnte, die mir jeden Tag ihr Kino reindrücken wollen. Ja es ist schrecklich, zu beobachten, dass jede Reaktion des Umfelds planbar ist und dass die Welt meist leicht zu durchschauen ist. Aber dieses beschissene Gefühl macht einen auch sicher. Man kann aufhören zu denken. Man weiß bei Person X immer dass Reaktion Y kommt und man langweilt sich schon gar nicht mehr wenn Z denselben Fehler macht. Man schaut dann weg und ruht....
Ich finde wir jammern alle auf zu hohem Niveau. das nervt mich jeden Tag ohne Ende.

Chantal-Nazanin (anonym) - 6. Mrz, 21:48

Ich musste gerade ein wenig weinen. Du erinnerst mich mit deinen Gedanken an berühmte Schriftsteller, die schon das Zeitliche gesegnet haben, da sie allesamt an sich selber zu Grunde gegangen sind. Du bist aus dem selben Holze solcher Schriftsteller geschnitzt und das macht dich so wahnsinnig interessant.

Chinaski - 6. Mrz, 23:39

Nazanin (und das meine ich im wahrsten Sinne des Wortes), diese Schriftsteller die du meinst sind nicht zugrunde gegangen. Zumindest nicht dramatischer als jeder anderer auch. Sie waren vergängliche Lebewesen die irgendwann einfach sterben mussten wie jeder andere auch sofern sie nicht Sadegh Hedayat gehiessen haben. Aber Hedayat war noch der stärkste von ihnen allen. Er hat Gott in die Suppe gespuckt und den Zeitpunkt seines Todes selbst gewählt.

Also nicht weinen. Hier richtet sich keiner zugrunde, auch ich nicht. Wenn nichts dazwischen kommt werden wir alle mindestens 70.
Sherry (anonym) - 7. Mrz, 09:35

Ja, genau so ist es. Wenn einer dieser Idioten Dich lesen würde, würde er weniger denken: "Dieser Idiot, was hat er überhaupt zu sagen.", aber vielleicht, wenn man sich draußen, in der grauen Beton-Tristesse begegnet, dann schon. Gerade draußen in der Stadt, wenn die Menschen ihrem Geschäft nachgehen, wirken sie so unglaublich plump und nichtssagend. Gerade an solchen geschäftigen Tagen frage ich mich in Mitten dieses Strudels: "Was zum Teufel mache ich hier? Und was zum Teufel bringt mich dazu, es mit diesen seellosen Zombies hier auszuhalten?" - Vermutlich wird es aber so sein, dass ich in ein Spiegelbild schaue, wenn ich die Anderen sehe und die Anderen genau das Selbe über mein angeödetes Gesicht sagen. Ich für mich weiß, was in mir vorgeht und wie lebendig und farbreich meine emotionale und gedankliche Welt ist - denke ich zumindest - aber das denkt vielleicht jeder Andere auch über sich. Und da fange ich mich an, zu fragen, ob es bei vielen von diesen vorher noch von mir "verspotteten" Menschen nicht genauso sein kann? Worin soll ich bitteschön die Ausnahme bilden und warum?

Zum Meister: Ich weiß, dass er schrieb, um sich den Arsch zu retten, deshalb erwähnte ich ihn auch. In seinen Büchern merkte ich, dass er am Detail, an seiner Beobachtungsgabe (die eher als Fluch wahrgenommen werden kann) wirklich an Sinnesüberreizungen hätte ersticken können. Deshalb schrieb er im Wahn. Es war gar kein Wahn, es war nur die höchstmögliche Erfassung von Zusammenhängen, die man in einem einzigen Gedankengang fassen konnte, die ihn überrollte. Anders kann ich's nicht ausdrücken.

Chinaski - 7. Mrz, 23:35

Zwischen den Menschen gibt es grosse Unterschiede Sherry. Eine Zeit lang habe ich eine generalisiernde Meinung von den Menschen gehabt vonwegen sie sind alle gleich und unsinniges Zeug wie dieses. Es ist noch immer so dass die Menschen sich in vielen Dingen ähneln aber es sind meistenst die existentiellen Dinge, die Instinkte, der Kampf ums Essen, Geld, Ficken,... sind gleich die Feinheiten eines jeden Menschen aber unterscheiden sich voneinander teilweise gewaltig. Wenn man in die Tiefe geht ist es mit den Menschen wie mit dem Fingerabdruck. Keiner kommt zwei mal vor.

Ich möchte nicht weiter drauf eingehen warum einige schon eine Ausnahme bilden, ich bin nur der Meinung dass es so ist. Nicht dass sie etwas gänzlich bedeutungsvolleres sind, nein, sie sind halt nur etwas anders als das normal bekannte. Es sei denn du willst mir sagen Dostojewski wäre nicht eine Ausnahmefigur verglichen mit Verona Feldbusch.
Sherry (anonym) - 8. Mrz, 00:03

Nein, das wollte ich nie behaupten. Meine Hauptaussage war eigentlich nur Folgende: Wir sehen da draußen vielleicht alle in der Masse etwas dümmlich aus, aber wer weiß, was in den anderen vorgeht. Vielleicht ähnliches wie bei uns - oder auch anderes, aber nicht so plump, wie es eben an ihrer Nasenspitze aussieht, wenn sie zombiehaft ihren Pflichten nachgehen. Es gibt Unterschiede, Ausnahmen, Raritäten und Brillanz. Und gerade solche Lichter sterben zu sehen, macht traurig.

Chinaski - 8. Mrz, 00:20

Prinzipiell könntest du recht haben, ich jedoch bin der Meinung dass es nicht so viele sind die anders denken als sie sich in der öffentlichkeit geben. Dafür hab ich viel durchgemacht, hab zuviele von ihnen erlebt. Die aller meisten sind genauso dumm wie du sie siehst. Oft sogar aus der nähe dümmer als sie vom weiten.

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