France

Donnerstag, 8. März 2007

Nur ein "France Football"!

Ich war in der Bretagne. Südlich der Stadt Brest sehr nah an der Atlantik hatte ich eine Suite gemietet. Es war ein Privatperson von der ich die Suite gemietet hatte, der Onkel einer ehemaligen französischen Austauschschüler der als er hier war sich auf Anhieb mit mir gut verstand, stellte mir die Hütte günstig zur Verfügung. Es war herrlich, es war ein kleines atlantisches Dorf. Das Dorf lag so nah an der Atlantik dass in unserer Strasse -obwohl asphaltiert- überall spuren von Sand zu sehen waren. Eine Breite Allee mit Bäumen auf beiden Seiten der Strasse. In dem Dorf war die Atlantik allgegenwärtig; stand man morgens auf roch man das Meer bis man wieder ins Bett ging.

Die Seemöven waren oft die einzigen die die Ruhe störten. In dem Dorf, gab es eine Baguetterie, ein Metzger, ein Lebensmittelladen, ein Kiosk, eine Apotheke und sonst nichts. Es war wie ein neues Leben, ich stand morgens auf, trank Kaffee, ging gemächlich rüber zum Becker, hollte Baguette und Croissant, lief dann zum kleinen Markt um Butter, Obst und Gemüse zu holen und lief dann zu meiner Hütte.

Eines Tages wollte ich mal sehen was der Kiosk so zu bieten hatte. Ich hatte mir zudem vorgenommen den "France Football" eine wöchentlich erscheinende französische Fussballmagazin zu holen. Der Kioskbesitzer sah exakt so aus wie Louis de Funès nur rundlicher und fülliger. Als ich eintrat sass er auf ein Stuhl und las Zeitung, als er mich bemerkte, klappte er die Zeitung rasch zu, nahm seine Brille ab und legte sie auf dem Tisch während er aufstand und mich böse anschaute. Ich versuchte ihn zu ignorieren und so zu tun als würde ich mich umschauen aber es fiel mir in ein Kiosk der nicht grösser war als 10, 12 Quadratmeter ziemlich schwer und ich gabs auf. Ich schaute ihn an und er sah aus als wär ich ein Dieb in sein Laden. Ich fragte nach "France Football". Er schaut mich grimmig an und zeigte auf sein Zeitungsständer, während ich den Ständer drehte um danach zu suchen, fragte er mich ganz trocken "Bist du Araber?"
Ich war wie geschockt. Ich versuchte zu lächeln aber sein weiterhin steiniges Gesicht der mir das Gefühl gab dass er absolut nicht gewillt war milde walten zu lassen, hat mich dazu gezwungen auch ernst zu werden.

"Nein"
"Wohnst du hier?"
"Nein ich bin ein Tourist aus Deutschland" und da lockerte sich sein Gesicht. Er schickte sich an den Ständer selbst zu drehen um mir "ein France Football" zu geben.

"Bist du Deutscher?"
"Nein, ich bin eigentlich Perser aber ich bin in Deutschland gross geworden"
"Ahh Iranian; c'est correcte?"

"Oui c'est tres correcte" als ich das sagte, schlug er die Hände zusammen und lachte laut auf als wäre er Stolz auf sich selbst. Er fing an von dem Shah und seine Frau zu sprechen, davon dass die Perser eine alte und interessante Kultur hätten und dass die Mullahs alles verdorben hätten ect pp...

Der Mann war wie umgewandelt als er feststellte dass ich kein Araber war. In dem Moment war ich ehrlich gesagt auch nicht unbedingt sauer darüber dass ich anstatt ein Araber doch ein bedeutungsloser Perser war die in den Augen der Franzosen nach wie vor einen guten Ruf geniessen. Nach ein paar Minuten hatte ich aber dann keine Lust mehr auf sein nun euphorisches Gelaber obwohl er verdammt nett war. Ich wollte zurück zu meiner Suite. Ich zahlte und er wünschte mir alles gute und eine schöne Zeit in Frankreich, ein sehr sehr netter Typ der warum auch immer was gegen die Araber hatte.

Sonntag, 17. September 2006

Histoires Du Sud (2)

Ich verliess Bastia richtung Ajaccio also gen Süden.

Ich kam in der Nacht an. Mein Fahrer war ein blonder und mächtiger Sarde. Sardinien ist die südliche Nachbarinsel Korsikas die noch zu Italien gehört während die Franzosen Korsika den Italienern irgendwann abkauften. Ich stiess auf ihn als er anhielt um mich mitzunehmen. Ich hatte den Daumen in die Luft gehalten. Er Carlo Pizzo, erzählte davon dass viele Sarden nach Korsika kommen würden um zu arbeiten und ich dachte mir wie Arm denn Sardinien seien muss wenn die Menschen nach Korsika kommen müssen um Arbeit zu finden! Grade nach Korsika wo die Korsen doch scharenweise richtung französischem Festland flüchteten um vielleicht dort eine Existenz aufbauen zu können.

Ich kam in Ajaccio also an und selbst in der Nacht hatten wir 35 Grad und der Platz gegenüber dem Hafen war traumhaft hübsch. Die alten Strassenlaternen und die Lichter die hinter den Palmen versteckt waren und sich trotzdem durchschlugen, die salzige und leichte Meeresluft, die geschlossenen aber malerischen Strassencafes und Fischrestaurants, die kleinen und hübschen Privatboote, die leichten Wassergeräuche...Ich schlief auf einer Bank ein und ich schlief verdammt gut.

Am nächsten Morgen weckten mich die geräusche der Seevögel. Ein wunderschöner Morgen. Ich lungerte durch die Strassen, ging zu einer Filiale der Deutschen oder Dresdner Bank (bin ich mir nicht sicher) und probierte ob ich geld abheben konnte. Perfekt! Es ging und ich musste nicht mal mehr Gebühren zahlen als wenn in Deutschland von einer fremden Bank geldabheben würde. Ich hob nicht ab weil ich 500 Euro dabei hatte.

Den Tag verbrachte ich in ruhe. Ich war glücklich, das wetter war gut, die Frauen sahen gut aus, von fast jeder Ecke dieser Stadt hatte man ein Blick aufs Meer und ich besuchte die riesige Statue Napoleons. Der Tag verging problemlos und relaxed, ich kaufte mir einen herrlichen französischen Käse namens "Reblochon" und eine gut gekühlte Flasche korsischen Roseweins und ein Baguette das ich mir in scheiben schneiden liess. Damit ging ich dorthin wo die Boote und Strassenrestaurants waren und sass mich auf einer Bank. Ich ass genüsslich und ich fühlte mich Satt und sehr Glücklich. Seitdem ich diesen Käse und den guten korsischen Rose entdeckte, avancierten sie in Kombination, zu meinem lieblingsmenü sobald ich die Insel betrat.

Wir nährten uns dem Abend und der Himmel wurde seltsam Orangefarben. Ein sehr intensives Orange und irgendwann merkte ich dass es grade dann wo sich das Verkehr etwas entspannen müsste, die Strassen begannen mit Autos überflutet zu werden. Ich konnte es nicht verstehen aber ich fragte nach und ein alter Mann erzählte mir Stolz von einer berühmten korsischen Band die heute abend ein Openair Konzert veranstalten würde. "Imuvrini" so hiess die Band.

Nichts wie hin dachte ich mir. Ich machte mir eine weitere Roseflasche auf die übrigens nicht mehr so kalt war da ich sie in meinem Rücksack und schon einige Stunden lang mit mir rumgetragen hatte. Mir gings gut, ich fühlte mich stark und befreit, ich war angetrunken und hatte nun die möglichkeit zufällig etwas kulturell hochwertiges zu erleben. Imuvrini, hinterher erfuhr ich dass die Korsen diese Band vergöttern würden.

Die Menge war unglaublich, sie tobten und kreichten. Die Band sang ausschliesslich auf korsisch und ich war zu weit weg vom Geschehen um sie richtig erkennen zu können. Die Bühnenlichter blendeten mich aber ich war der König der Nacht, ich trank noch immer Rose...

Irgendwann um ca. 2 Uhr morgens, war die vorstellung zu ende und mir wurde langsam klar dass ich mir eine Bleibe suchen musste. Ich lief eine weile mit der Menge raus aus dem Park richtung Wasser. Dort waren die Strassenlichter Orangefarben und ich fühlte mich langsam aber sicher immer einsamer. Die Menge hatte eine Zuhause und ich nicht. Die Hauptstrasse um Ajaccio herum war an einigen Stellen um fast 5 Meter höher als das Wasser. Ich stand also oben auf der Fussgängerzone und schaute aufs dunkele Meer hinaus als ich nach unten schaute und mir ein Gedanke durch den Kopf schoss. Klar, ich könnte doch eigentlich auch dort unten auf dem Sand direkt am Wasser schlafen. Ich tat es. Ich nahm die Treppen runter richtung Wasser, legte meinen Rücksack ab und sass mich hin. Nach ner weile kam ein anderer noch dazu, ein blonder Deutscher der wohl die selben Gedanken bzw. die selben Probleme hatte wie ich. Er telefonierte mit irgend jemanden und sprach deutsch. Ich tat so als würde ich ihn nicht verstehen und legte mich hin und benutzte meinen Rücksack als ein Kissen. Binnen 2 Minuten schlief ich tief ein.

Am nächsten Morgen wurde ich ganz unsanft geweckt.

"Verdammmmmte Scheeeeise, verflucht nochmal. Dreckschweine..."

Der deutsche war am fluchen und trat ins Wasser, fluchte nochmal und trat wieder ins Wasser.

Noch nicht richtig wach, vergass ich dass der man nicht wissen konnte dass ich deutsch sprach und fragte ihn was denn nun los wäre.

"Ach du sprichst deutsch? Ich dachte du wärst ein korse"

"Ne ich bin weder ein deutscher noch ein Korse, aber jetzt sag mir was mit dir los ist? Wieso schreist du hier rum?"

"Mir haben sie gestern alles geklaut!"

"Wie alles geklaut?"

"Ja alles was wichtig ist. Passport, 1300 Euro, Handy, Führerschein"

"Ja aber wer kann das gewesen sein?" schon wurde es mir mulmig. Ich war nämlich nicht sicher ob bei mir noch alles da war. Ich hatte 500 Euro bei mir.

"Ich verdammtes Arschloch, ich hätte es auch so machen müssen wie du. Ich hab nämlich im Schlafsack geschlafen und meinen Rücksack über dem Kopf hingestellt. Ich hätte wie du, den Rücksack als Kissen benutzen sollen...scheisse mensch"

Er hatte leider recht. Der rafinierte Dieb hatte sich an ihn herangeschlichen und den Rücksack mitnehmen lassen. Bei mir hatte er wahrscheinlich auch nachgeschaut aber nichts gefunden als eine leere Roseflasche die da rumlag.

Wir gingen zu der Polizeistation am Hafen und erstaunlicherweise hatten sie schon was für den Mann aus Ratingen! Die Diebe hatten zumindest soviel Anstand den Passport und den Führerschein auf dem Tisch eines Fischrestaurants zu werfen worauf der Kellner sie gleich an sich genommen und die Polizei benachrichtigte.

Histoires du sud (1)

Donnerstag, 10. August 2006

Histoires du Sud

Ich kam grade in Bastia an. Die grösste Stadt auf der französischen Insel Korsika und die Hauptstadt des Nördlichen Präfektorats. Es war heiss, und die 2 Stunden auf dem Deck der Fähre hatten mich völlig verbrannt. Als ich ankam war ich schon total Braun im Gesicht.

Ich stieg aus, und spazierte richtung Stadtmitte. Sie ist in Bastia unweit des Hafens. Ich setzte mich auf der Terasse eines Cafes unter einer Palme und bestellte Cafe au lait. Es dauerte keine 30 Sekunden und schon merkte ich dass es keine kluge Entscheidung war. Ich nahm die Bestellung zurück und bestellte Martini auf Eis mit einer Scheibe Zitrone. Ich war angekommen und hatte nun den Drink vor mir der zu den Temperaturen passte. Es waren 40 Grad in Schatten und der Cirocco aus Afrika war grade dabei Korsikas Wälder niederzubrennen. Mittlerweile war ich von Martini auf Gin Limette umgestiegen und hatte insgesammt 5 Drinks drin. Es ging mir gut, das einzig Beklagenswerte war dass die Stadt völlig leer war. Die Korsen wussten wohl warum, nur ich nicht.



Ich schlug die Zeitung auf und sah eine Anzeige des Spiels zwischen SC Bastia und Paris saint Germain. Das wollte ich schon immer tun, ein Fussballspiel des Ligue 1 auf Korsika anzuschauen. Bastia war die einzige ersteklassige Mannschaft auf Korsika, die andere Mannschaft aus Ajaccio spielte in der zweiten französischen Liga.



Ich ging ins Stadion und feuerte Bastia an. Die Korsen können Hautpstadtteams nicht leiden. Generell sind die Korsen sehr misstrauische und ernst drein schauende Menschen. Bastia kam aber über ein 1-1 gegen Paris nicht hinaus und konnte froh sein nicht verloren zu haben. Ich wusste noch immer nich wo ich schlafen sollte. Genug Geld hatte ich bei mir und die Visa Karte war auch vorhanden, trotzdem hatte ich das Problem noch nicht gelöst. Es wurde langsam dunkel und ich unternahm den ersten ernsthafen Versuch eine Bleibe zu finden. Es gab eine Strasse sie war bekannt dass da immer Privatpersonen Zimmervergeben und zwar zu sehr günstigen Preisen. Ich ging zu der besagten Strasse und lief die Strasse entlang. Einige Köpfe schauten aus dem Fenser heraus und es dauerte nicht lange bis ich den ersten Angebot bekam. Ich nahm sofort an weil ich müde und besoffen war. Es war ein kleines Zimmer aber mir reichte es völlig. Ein Bett, Handtücher, Badetücher, Waschbecken und eine Toilette draussen. Es passte. Der Vermieter war ein 30 jähriger Halbkorse. Sein Vater war Engländer und er hatte wohl vor 30 Jahren eine Nummer mit einer hübschen Korsin geschoben und er war das Produkt dieser 20 Minütigen Vergnügung des Britischen Urlaubers. Er sprach perfekt Englisch. Das war mir Recht. Mein Französisch war gut, aber Englisch war mein Ding. Das konnte ich fast genauso gut wie Deutsch. Ich lud ihn ein auf mein Zimmer, ging runter zum Spirituosenladen und kaufte eine Flasche Gin. Als ich kam stand er da am Fenster und schaute Richtung Hafen. Mittlerweil war es Dunkel und die Stadt sah fantastisch aus. Das Zimmer war etwas höher gelegen und man hatte einen märchenhaften Blick auf Hafen und der Stadt. Ein leichter angenehmer Wind wehte mittlerweile und sorgte für Erfrischung. Ich setzte mich aufs Bett und er auf dem Stuhl. Ich goss uns beiden die Glässer halbvoll und entschuldigte mich dafür dass wir es halt pur trinken mussten. Cheers! Wir tranken und tranken und unsere Gespräche wurden immer heftiger und Hemmungsloser. Irgendwann sagte ich ihm dass ich die Briten nie gemocht habe und dachte mir nichts dabei.

"I am a brit!"

"I couldnt care less. Another one?" und goss weitere zwei Gläser voll mit Gin.

"Hey motherfucker, i said i am a brit. You are not gonna badmouth the brits once again or i will rip your ass off, right now, right here"

Die Sache wurde scheinbar ernst. Mit sowas hatte ich immer pech. Ich spendierte Alkohol, und war ehrlich und nun hatte ich mitten in Korsika in meinem Zimmer einen Typen da gegenüber mir sitzen der zufälligerweise eher ein Brite war als ein Korse und sich nichts daraus machte dass der verdammte britische Vater ihn und seine Mutter in den Arsch getreten und verlassen hatte.



Es war aber irreversibel. Ich mochte die Briten nunmal nicht und ich war Holzköpfig genug um die Herrausforderung anzunehmen.

"Hey bro, you can be whatever you want but you certainly wont change my mind about those fucked up brits. So either you accept this Statement as it is, or you get the fuck out of my eyes. As simple as this" Und schon bekam ich den rechten Hacken aufs Kinn geschlagen der Mächtig war und mich völlig aus dem Rythmus brachte.



Ich trat gegen dem Tisch und traf ihn am Knie. Das war das einzige was ich erstmal machen konnte. Sein Schlag war hart genug um mich für paar Sekunden durcheinander zu bringen. Aber ich fasste mich wieder, kam hoch und lief auf ihn zu. packte ihn mit der linken hand am T-Shirt und fing an einige kurze Rechte anzubringen. Er war unbeeindruckt, duckte sich ein bischen, packte mich an der Hüfte und schob mich vor sich hin bis zum Waschbecken. Er war Bärenstark und ich konnte nichts gegen ihn tun obwohl ich selber auch Stark war. Während er mich durchs ganze Zimmer schob, schlug ich dauernd linke Hacken und rechte Uppercuts. Einer dieser Schläge brach ihm das Jochbein aber der Kerl liess nichts anmerken und knallte mich mit voller wucht gegen das Waschbecken und drücke mein Kopf nach hinten so das auch der Spiegel in die brüche ging. Nun fing er auch noch an mit Fäusten zu arbeiten. Er schlug hard. Ich versuchte mitzumachen, es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, ohne verteidigung. Gradeaus, immer drauf los, ich mit Rechts er mit Links (er war linkshänder) und alles Treffer, mittlerweile merkte ich garnicht mehr was ich tat, ich schlug nur noch zu nur um nicht kleinbei zu geben und merkte wie die heisse Suppe mir übers Gesicht lief sah gleichzeitig aber dass auch mein Gegner blutig wurde. Ich war noch am Schlagen als aufeinmal alle Lichter aus gingen.

Ich stand auf, es war Hell und Sonnig, alles ganz Beschaulich, der Hafen, die Seevögel... und keiner war mehr da. Mir tat alles weh, das Zimmer voller Blut und die halbleere Ginflasche stand noch auf dem Tisch. Er hatte wohl mitten in dem bestialischen Schlagabtausch einen lucky punch gelandet und mich ausgeknockt. Er hatte zumindest soviel klasse dass er dann von mir liess und einfach ging ohne auf meine Leiche weiter zu trampeln.

Der Urlaub auf Korsika hatte gut angefangen. Ich wusch meine Wunden, zog mir ein neues T-Shirt an und goss mir ein glass Gin ein. Es war mittlerweile 10 Uhr morgens.

17.3.06 01:35

Histoires du sud (2)

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