Iran

Montag, 14. April 2008

Heimweh

Ich habe einiges Hinter mir gelassen, das wissen Leser die mein Blog seit längerem aushalten. Ich hab den Krieg überlebt, bin als ein 14 jähriger desertiert und über Berge in die Türkei geflüchtet, ich hab in Istanbul schäbig gelebt, hab für Zuhälter arbeiten müssen um überhaupt ein Dach übern Kopf zu haben, ich wurde in der Türkei verraten und an die türkische Polizei ausgeliefert die meine auswegslose Situation als ein illegaler Flüchtling ausnutzten und mich für nichts und wieder nichts verprügelten solange bis ich sie aus dem Iran Geld zugeschickt bekam und sie schmieren konnte... wie dem auch sei, auch in Deutschland ging die harte Zeit weiter, als ein Kind ohne Eltern wird man in Deutschland zwar nicht von korrupten Polizisten verprügelt aber das Leben prügelt einen schon auch wenn man meint ein dickes Fell bekommen zu haben.

Ja nun bin ich 36, bin ein studierter Kerl, lebe nicht schlecht und dennoch bekomm ich immer öfter Heimweh. Ich spreche Deutsch wie Persisch, ich fühle mich hier integriert, teilweise sogar schon etwas eingedeutscht jedoch ertappe ich mich immer öfter dabei mich nach der persischen Sprache zu sehnen, ich möchte im Alltag mehr persisch hören, nicht unbedingt tief mit Persern verbunden zu sein denn auch sie haben ihre Nachteile, dennoch würde ich sehr gern in meiner Umgebung die persische Sprache hören...

Ja ich habe Heimweh, dieses Gefühl habe ich über 20 Jahre unterdrückt, nicht bewusst, aber mein Leben hatte mich gelehrt das hinzunehmen was man hinzunehmen hatte und Deutschland ist nunmal Deutschland und hier sprechen die Menschen nunmal Deutsch also habe ich instinktiv meine offensichtlich tief verwurzelten Gefühle unterdrückt um hier "integriert" zu werden, um akzeptiert zu werden. Das soll kein Klagebrief werden, nein, ich bin "integriert". Zumindest sogut integriert wie sich ein Emmigrant erster Generation halt integrieren kann. Darum gehts nicht. Es geht um das was tief in mir steckt und nach Heimat schreit. Da unterscheide ich mich soweit ich weiss kein bisschen von anderen Emmigranten aus egal welcher Zeit. Ein Auswanderer hat es nie leicht gehabt und wird es nicht leicht haben. Mann sagt die ersten 2 Generationen eines Auswanderers müssen geopfert werden damit die dritte Generation sich so langsam heimisch fühlen kann.

Ich überlege ernsthaft für eine weile in den Iran zurückzukehren, im Norden eine kleine Hütte am kaspischen Meer zu mieten oder sogar zu kaufen und Fernab der islamischen Republik ein naturorientiertes Leben führen in dem ich ausser mit Fischern, Bauern und einfachen Leute mit keinem Menschen in Kontakt geraten kann. Ich schmiede ein Plan, ich weiss nur nicht obs realisiert werden kann.

Diese 3 Brüder gefallen mir. Ihre musik ist wie gemacht für die nordiranische melancholische Seelen. Die Band heisst "7th Music Band".



Montag, 17. März 2008

Der letzte Dienstag des Winters!

Ich liebe den letzten Dienstagnacht des Winters. Morgen werden fast alle Iranische Völker der Welt den letzten Mittwoch des Winters am Dienstagnacht feiern.

Diese Tradition ist eine sehr alte worauf ich schon etwas stolz bin weil wir sie vor den Arabern retten konnten. Es ist noch aus den Zeiten als die Iraner heiden und danach Zarathustrianer wurden. Wenn man bisschen drauf achtet wird man davon in allen grossen und kleineren Städten Deutschlands was mitbekommen. Auch ich werde morgenabend bis spät in der Nacht feiern. Da werden Genehmigungen geholt um grosse Feuer machen zu dürfen. Da versammeln sich die Iraner nach altarischer Tradition mit der Familie ums heilige Feuer und unterhalten sich, springen übers Feuer und beten dabei. Davon erhoffen sich die Iraner Seelenheil, Gesundheit und Erfolg im neuen Jahr. Danach wird musik gemacht und getrunken.

Am 21 März ist dann das Neujahrsfest. Die Iraner feiern das Neujahr am Frühlingsbeginn wie es schon ihre vorislamischen Vorfahren taten.

Die islamische Regierung soll uns den Buckel runter rutschen. Seit 30 Jahren versuchen sie uns auch diese alten Feste zu nehmen, es gibt schwere Auflagen, Restriktionen... und die Menschen scheissen trotzdem auf sie. Ich hasse diese fremdartigen Araber die seit 1400 Jahren diese alte Kultur schickanieren.

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Donnerstag, 10. Januar 2008

Teheran unter Schnee!

Mal wieder ist der Winter im Teheran ausgebrochen. Nichts neues. Teheran Schnee bedeckt ist in meinen Augen eine der romantischsten Millionenmetropolen der Welt. Temperatur? -15 Grad!

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Montag, 2. Juli 2007

Verdammt mach das nicht!

Es ist 21 Uhr und der Abend ist warm, es sind selbst um die Uhrzeit noch um die 24 Grad.

Ich verlass das Haus um mir ein Eis zu holen, am liebsten mag ich das abgepackte Waffeleis, das traditionell iranische Eis mit Vanille, Creme und Zaffran. Ich laufe solange bis ich eine belebte Einkaufsstrasse finde, es ist bunt, die Autos hupen und schneiden sich gegenseitig die Wege, Frauen, Kinder, Männer, Jung, Alt, käufer, Verkäufer...

Sie alle scheinen Spass zu haben, sie schauen sich in den Passagen nach Gold, Silber, Kleidung, Kinderspielzeug. Der Eisladen der dazu noch die besten dickflüssigen und eisgekühlten Honigmelonensäfte macht ist überlaufen, es stehen Menschen schlange um Eis oder zumindest einen eiskalten Saft zu kaufen. Die Stimmung ist gelassen, Väter und Mütter spassen mit ihren Kindern, halten sie rechts und links an den Händen und alle paar schritte einmal wird das Kind gleichzeitig von rechts und links hochgehoben und ein schritt nach vorne geworfen...die bunten Lichter der sauberen und sehr schönen Läden belebt die Strasse.

Ich stell mich in der Schlange an und hol mir einen Honigmelonensaft. Ich laufe entlang der kleinen und berühmten Bäche die Teheran so liebenswürdig machen. Am hang des Berges gelegen, sind die kleinen Bäche seit jahrhunderte ein markenzeichen dieser Stadt. Es ist das klare und eiskalte Gebirgswasser was in südlicher Richtung fliesst. Das Wasser fliesst ruhig und gibt beruhigende Töne von sich. Dieses Wasser kommt mir so unschuldig und rein vor, ein segen inmitten der Grausamkeiten, Lärm und Unbarmherzigkeiten der Grossstadt. Ich bin in Gedanken als ich merke dass ein kleiner Junge, vielleicht 8 Jahre alt, mit kurzgeschorenen Haaren, Dunkelblond mit honigfarbenen Augen, neben mir hergeht und nichts sagt. Ich frage mich ob er schon länger so neben mir herläuft. Er hat ein paar kleine neue Küchentücher aus Baumwolle um den Arm hängen. Als er sieht dass ich ihn bemerkt habe fragt er micht ob ich Küchentücher kaufen möchte. Ich sage nein. Daraufhin macht er 2 oder auch 3 schnelle kleine Schritte nach vorne und stellt sich vor mich hin und sagt:
"Dann gib mir bitte ein bisschen Geld damit ich ein Eis kaufen kann".

Ich stehe da und schaue diesen kleinen Jungen an, mit seinen feinen Zügen, dreckigen Kleider und wie er mich nicht anschaut als er mir das sagt. Ich sage: "Bettlern gebe ich kein Geld aber ich kauf dir die Tücher ab. Wieviele Tücher hast du denn da?"

"3"

"Ok, ich kauf sie dir alle ab, wieviel kosten die?"

"Alle 3 zusammen 1000 Toman"

Ich gebe ihm 2000 Toman und sage dass es dafür ist dass die Ware gut und der Verkäufer nett ist. Er lächelt, seine Augen funkeln, er nimmt mir das Geld rasch aus der Hand und will laufen aber ich halt ihn nochmal kurz fest

"Schau Junge, bettel nicht. Verkauf meinetwegen Tücher, aber bettel nicht, mach das nicht! Du bist noch sehr Jung, habe Achtung vor dir selbst, trage den Kopf hoch"

Er schaut nach unten, reisst sich los und läuft weg.

Sonntag, 1. Juli 2007

Der deutsche Fussgänger!

Ich kam grade aus dem nördlichen Stadtteil "Kamraniye" und wollte nach Mollasadra St.

Ich hab mir mal gedacht ich fahr über Pahlavi St. und schau was da los ist. Ich wusste natürlich was um die Uhrzeit dort los war: Stau, dicke Luft, Smog, Stress, aber irgendwie hatte meine masochistische Ader die Oberhand gewonnen und ich entschied mich für diesen Weg. Als ich aus einer seitenstrasse in die Pahlavi St. reinfahren wollte sah ich etwas wofür ich sogar bereit war das Auto abzustellen, einen schön freschgepressten Honigmelonensaft zu holen und die Szene in ruhe zu beobachten. Da stand ein Ausländer, ein älterer Herr, ganz bestimmt über 65, lang, hager, schütteres Haar, mit Brille, Bluejeans, weisse Turnschuhe und ein dunkelblaues T-Shirt an den Zebrastreifen, hatte beide arme hinterm Rücken verschlagen und wartete darauf dass die Autos halten! Er lachte, er hatte ein unheimlich liebes und sympathisches Gesicht, er kam immer vorsichtig ein Schritt nach vorn um sofort wieder ein Schritt nach hinten zu machen. Ich weiss nicht wie lang er da schon stand und völlig ruhig die Autos beobachtete wie sie ihn ignorierten, aber ich kann von einer viertelstunde berichten die ich selber live miterlebt hatte. Der Typ lächelte und stand einfach so da. Irgendwann entschied ich mich dafür hinzugehen.

"Sir, could it be you wanna cross the street?"
Er lachte und nickte als wollte er ein dickes "Ja" sagen. Ich hab ihm dann erklärt dass es auf Irans Strassen Jungelgesetze herrschen würden und er noch bis übermorgen dort an dem Strassenrand stehen würde wenn er seine Hoffnung darauf setzen würde dass jemand ihn die Strasse überqueren lässt. An seine Antwort merkte ich sofort dass seine Muttersprache nicht englisch war und die Versuchung war nun gross herauszufinden ob er nicht Deutsch sprechen würde. Ich fragte ihn einfach danach und Bingo : Ein ganz sympathiser älterer Herr aus Marburg. Am Ende hab ich ihn wie ein Kind das man an der Hand nimmt oder wie ein Typ der die Hand eines Blinden nimmt und ihm beim überqueren einer Strasse behilflich ist, seine Hand genommen und rübergebracht. Er lächelte einfach nur noch liebenswürdig. Auf der anderen Seite angekommen, bedankte er sich bei mir und ich lief zum Auto, drehte um und verzichtete drauf über diese Strasse zu fahren.

Mittwoch, 27. Juni 2007

Ein Nürnberger in Teheran!

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Tochal Mountains - North Tehran

Ich stehe früh auf, der Himmel ist tiefblau, die Berge sehen unglaublich gut und würdevoll aus. Am frühen Morgen, bevor die 3 Millionen Pendler die Stadt bestürmen und verseuchen sieht man den Berg noch richtig klar, da sieht man aus einer sehr weiten Entfernung teilweise sogar die zartgrüne Fläche und die schneebedeckten Kuppel. Wenn man pech hat und ein verkehrsreicher Tag anbricht sieht man um Mittag herum den Berg schon kaum mehr.

Ich frühstücke mit den Eltern unter dem leichten und dumpfen Geräuch der Klimaanlage, dann stell ich sie aber aus weil ich glaube dass meine 2 Brüder sich erkälten könnten. Das kochende Wasser in Samowar ist zu hören und begleitet unsere Ruhe. Ich entscheide mich dafür allein auf die Achse zu gehen. Ich bestelle ein Taxi, warte bis er kommt und klingelt, ziehe meine Turnschuhe an küsse die Eltern und verlasse das Haus.

Der Taxifahrer fährt mich richtung Velenjak St. direkt nach Norden. Richtung Tochal Berg. Die Luft ist so weich und sie wird immer weicher und kühler je mehr wir uns den Bergen nähren. Ich steig aus und fange an zu laufen. Ich merke dass ich eintritt zahlen muss, es ist sehr Billig, ich zahle und fange an wie einige andere die Strasse nach oben zu laufen. Viele junge Paare, Sportler, und Skifahrer nehmen den selben Weg nach oben. Ganz oben kann man nämlich hervorragend Skifahren, herrliche Wasserfälle besichtigen und in den kleinen, meist aus Holz gebauten Restaurants gut essen, etwas trinken etwas pause machen, sich sogar unter den Nuss- und Feigenbäumen etwas hinlegen und bei bedarf Wasserpfeife rauchen.

Ich spaziere weiter, und sehe Busse an mir vorbeifahren, das ist eine Spezielle Linie die für ältere und generell für die da ist die entweder schon sehr Müde sind oder es einfach nicht schaffen den Berg hoch zu laufen. spezielle Bergsicherheitkräfte sind zurückhaltend anwesend damit in den Bergen keine Straftaten oder Belästigungen stattfindet. Fast jeder junge Mensch der an mir vorbei läuft hört laut Musik per Handy oder per ipod. Ich komm an ein Paintball Club vorbei, die Iraner lieben Paintball, ich halte eher wenig davon und lauf weiter hoch. Die Sicht ist jetzt schon gigantisch, wenn ich mich umdrehe sehe ich einen der grössten Städte der Welt unter meinen Füssen, mit der riesigen Fläche und all den Hochhäusern. Bald komm ich an einen kleinen hübschen Wasserfall neben einen kleinen Holzimbiss, ich gehe näher an dem Wasserfall heran und sehe dass jemand dort fotographiert, ein junges Ehepaar sitzt am Wasserfall und schaut zu wie ihr Kleines Kind mit dem eiskalten Wasser spielt und aufgrund der kälte des Wassers immer wieder Grimassen schneidet. Die Eltern lachen, ich lächel und gehe weiter...

Ich entscheide mich für einen kleinen Restaurant und gehe rein, da geht man durch einen kleinen Holztunnel und am anderen Ende glaubt man das Paradies betreten zu haben, schöne lange Holzsofas, Tische und Stühle, der Abhang vor den Füssen, Feigenbäume die Schatten spenden, Menschen die dort rast machen, essen, trinken und rauchen. Ich gehe rein, kaufe eine Dose Alkoholfreies Bier und komme wieder rein, lege mich auf einen der gemütlichen Holzsofas lang und höre den Insekten zu und dem Wind der die Blätter der Bäume in Bewegung setzt und ein angenehmes Geräusch produziert. Ich schlafe ein, tief. Ich stehe auf und schaue auf die Uhr und merke dass ich 3 Stunden geschlafen habe und es mittlerweile Mittag ist. Mir ist Peinlich weil dort normalerweise keiner Schläft, als ich aufstehe und sehe dass der junge Bedienung mich anlächelt gehe ich zu ihm und entschuldige mich dafür, er sagt "absolut kein Problem" und fragt mich ob ich was essen möchte. Das möchte ich jetzt unbedingt, bei der guten Bergluft wird man hungrig. Ich bestelle Reis mit Lammfilet, gegrillte Tomaten, frische Petersilie, Zitrone und Zwibeln. Ich kann mich nicht daran erinnern wann ich das letzte mal das Essen so genossen hatte. Während des essens schaue ich mich ein bisschen um und sehe einen grossen hellen Typen mit einer Glatze und Brille, schickes Hemd und eine beigefarbene Stoffhose, er liest ein Buch von Henning Mankell. Auf Deutsch. Etwas weiter entfernt sitzt ein ebenfalls grosser und gutaussehnder Perser, direkt vor mir sitzt eine hübsche wenn auch etwas pummelige junge Frau und hört Andrea Bocelli aus dem ipod. Der Perser schaut ein paar mal dezent rüber zu der Frau, sie erwidert seine Blicke für einen kurzen Moment und wendet sich dann wieder ab und beschäftigt sich mit dem ipod. Der Typ der Henning Mankell liest, sitzt zwischen den Beiden und ist völlig vertieft in dem Buch, hat sich unterm Tisch die Beine lang gemacht, schaut weder nach rechts noch nach links. Der Perser fängt an ihm etwas zuzuflüstern. Der Deutsche wendet den Blick vom Buch ab und schaut ihn an und lächelt, langsam entwickelt sich eine gute Unterhaltung zwischen den Beiden, natürlich auf englisch. Ich muss kräftig lächeln wenn ich höre wie typisch der deutsche englisch spricht. Sein Englisch ist gut, er ist wirtschaftsvertreter aus Nürnberg aber sein Akzent ist absolut unverkennbar (Th=S!).

Während der Perser mit ihm spricht merke ich aber dass er immer wieder die Frau anguckt, ich merke warum er das Gespräch auf Englisch angezettelt hat. Er wollte die Frau beeindrucken, nach dem Motto schau wie gut ich englisch spreche. Das ist dort oft ein kleines Zeichen davon dass man im Ausland lebt und das bedeutet für viele Frauen gleich ein Zeichen der Hoffnung. Sein Englisch ist gut. Aus den Gesprächen mit den Deutschen höre ich heraus dass der Perser in "Vancouver, Canada" lebt. Der Deutsche hat das Buch längst bei seite gelegt, er ist ja fast schon ein Schwätzer denk ich mir. Der erste Eindruck von ihm sagte mir ganz was anderes. Das Telefon der jungen Frau klingelt; es ist der Freund der sie verlassen und verletzt hat, sie hat ein so trauriges Gesicht und fragt ihm leise "Warum", es ist offensichtlich dass sie ihn gerne wieder haben möchte, sie möchte dabei aber auch würde bewahren, er ist aber wohl etwas abweisend. Sie verabschieden sich von einander, sie legt auf und zieht mit der Zeigefinger ganz leicht an dem Augenrand entlang während sie mit der anderen Hand das iPod bedient. Der Perser kapiert dass es hier nichts zu holen gibt und konzentriert sich nur noch auf dem Deutschen der sich mittlerweile Warmgelabert hat. Er scheint ein sympathischer und interessierter Mensch zu sein, das interessiert mich aber nicht weiter weil ich gut gegessen habe und wieder runter möchte. Ich bezahle und mach mich wieder Richtung down town...


Donnerstag, 21. Juni 2007

Aktion und Trotzreaktion

Vor kurzem war ich für eine Woche im Iran. Ganz kurz. Eigentlich wollte ich erst in September dorthin aber ich bin dann doch für sieben Tagen mal dorthin um einfach mal wieder Taxi zu fahren, die Berge Teherans bestaunen und besteigen zu können, um einfach mal die Stimmung dieser 17 Mio. Metropole am Fusse des Berges aus erster Hand fassen und spüren zu können. Ich habe dieses mal viel schlechtes aber in Gegensatz zu meinen letzten Reisen dorthin als ich fast alles 100% schlecht sah, auch gutes gesehen. In einer bestimmten Sache ist dort eine spürbare Verbesserung eingetreten. Diese kleine Sache will ich hier herauspicken und darüber reden weil es ansonsten zulang werden würde.

Schönheit. Was mich ein wenig hoffen liess ist die gesteigerte Lust der Menschen Schönheit zu würdigen und es auch auszusprechen. Klar manch einer könnte hier lachen weil es hier ganz normal ist die Schönheit zu erkennen, zu sehen, zu besitzen, zu fühlen und darüber zu reden. In ein theokratisches Land in dem seit 30 Jahren für die trauerfarbe Schwarz, für tränen, für Bärte, für Dreck und Dunkelheit geworben wird, ist das meines Erachtens eine riesen Reaktion was die Menschen dort zeigen. Eine grosse Anzahl der Menschen mögen helle Farben, die Menschen lieben die Music, sie mögen reine weisse Haut, sie pflegen sich zu tode, Frauen pflegen alles was sie haben von Fussnägel bis zu den Haarspitzen, sie sprechen von Fortschritt der ersten Welt und betrachten diesen Weg des fortschreitens als vorbildlich.

Kaum einer der was auf sich hält schaut mehr die staatlichen Sendungen, es sei denn es läuft Fussball. Fast alle haben Satelittenanlagen die sie mit der Welt verbindet, eine neugierige und verdammt unschuldig liberale Haltung hat sich dort bereit gemacht. Als ich in MTV dort irgendein Videoclip sah was mir nicht gefiel sagte ich das auch und als Antwort wurde mir folgendes gesagt: Warum ärgert dich das? Alles was dort zu sehen ist hat einen Sinn allein deshalb weil es Millionen von Menschen für einen kurzen Moment fröhlich stimmt. Es gefällt dir nicht? ok, lass uns umschalten bis du was findest was dir gefällt! Genau das ist es was Europa und Amerika von uns abhebt. Sie haben die Wahl wegzuschalten bzw. umzuschalten bis sie was finden das ihnen gefällt.

Das war verdammt riesig. Aus der Not heraus haben die Menschen dort für sich und absolut autodidaktisch, eine neue liberale Gesinnung angeeignet was zu 180 grad das opponiert was die verfickte Regierung dort seit Jahrzehnten prädigt. Die Reaktion der Menschen auf Druck seitens der Regierung hat mich seit einer langen Periode der absoluten Hoffnungslosigkeit wieder ein bisschen erfreut. Es wird dort für die Dunkelheit getrommelt, also tendieren die Menschen zu Helligkeit, es wird dort für Bart und schlechte Mode propagiert, also versucht jeder Dolce & Gabbana, Versace, Channel, Gucci, Tommy Hilfiger... anzuziehen, wird da hässlichkeit staatlich gefördert, also lassen sich die Iranerinnen so oft wie in keine andere Gesellschaft schönheitsoperationen unterziehen, wird da für Islam und Trauer getrommelt, also verlieren immer mehr Menschen die Lust an Islam und schimpfen sogar auf ihn, immer mehr Gold und Silberverkäufer haben die alten zarathustrischen Embleme als Halsketten anzubieten, Embleme einer alten persischen Religion die per Gewalt von Islam verdrängt wurde.

Immer mehr reiche Zarathustrianer stürmen aus dem Ausland den Markt und investieren sogar in Bankwesen. 2 hübsche, moderne Privatbanken sind entstanden die -so wird gemunkelt- von Zarathustrianern gefördert werden. Die Passargad Bank und die Parsian Bank beide haben sehr hübsche und moderne Filialen und ihre Embleme sind altpersisch. Embleme die dem Islam eigentlich direkt opponieren. Diese Banken zahlen zwischen 15 und 17% Zinsen und der Staat hat keine Möglichkeit mehr diesen Trend zu stoppen. Staatliche Banken die wie eine blutsaugende Zecke an der Zentralbank kleben, machen verluste und der Staat gleich mit weil er deren Verluste auszugleichen hat.

Zum ersten mal sehe ich dort von einer grösseren Menge von Menschen eine Trotzreaktion die mir ein fünkchen Hoffnung für die Zukunft dieses Landes gegeben hat. Es fehlen nur noch 95%!

Donnerstag, 5. April 2007

Ein Bauernkind

Aus dem Nordosten des Iran. Ich fand dieses Bild einfach genial. Das kleine Mädchen hat sowohl was süsses und unschuldiges als auch was freches!

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Dienstag, 20. März 2007

Frohes neues Jahr!

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Ich wünsche all den Persern, Kurden, Afghanen, Osseten, Tadjiken... und generell all den nordischen Völkern die diese 6000 jahre alte Tradition noch pflegen und den Anfang des Frühlings nach wie vor als den Start des neuen Jahres feiern, ein frohes, fröhliches und gesundes neues Jahr.

Das neue Jahr und der Frühling beginnt am 21.03.07 um genau 01:07:26 morgens.

Es gibt heute Abend über all auf der Welt Persische Frühlings- und Neuejahrsveranstaltungen und bei einer dieser Veranstaltungen werde auch ich dabei sein.

Cheers!

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Donnerstag, 15. März 2007

Der Film "300"



Die Spezialeffekte, die Computeranimationen, die atemberaubenden Szenen die in dem Film "300" vorkommen sind wohl wirklich einsame Spitze. Der Inhalt jedoch und wie dieser Film historische Gegebenheiten auf dem Kopf stellt ist etwas was mich stört und ich es einfach nicht auf sich beruhen lassen möchte. Ich bin vom Typ her wahrheitsliebend und fair, einer der absolut nicht davor zurückschreckt auch (sogar vor allem) Persien harsch zu kritisieren. Was mich irritiert ist dass der Film wohl auch kein "historisch akkurater" Film sondern eher ein "Fictional/Fantasy" seien sollte. Dann frage ich mich aber warum der Frank Miller hier nicht irgendwelche Fantasievölker geschaffen hat sondern ganz klar von den bösen, teuflichen, dunkelen und dämonischen Perser und von den guten, heroischen, gutaussehenden, freiheitsliebenden Griechen bzw. Spartanen spricht.

Eine Million Persische Dämonen werden von 300 Griechen besiegt und was da nicht alles über die Perser hergezogen wird und dabei waren es grade die Zeiten worauf viele Perser stolz sind. Die vorislamische Zeit, die Zeiten als dieses arisch/nordische Volk sich nach Süden begab und dort mit die grösste Dynastie der Weltgeschichte aufbaute, das waren unsere erfolgreichen Jahre als die grösste Macht der Welt und zwar sowohl kriegstechnisch als auch in Hinsicht von Rechtssysteme, Agrarwirtschaft, Postwesen, Medizin, Architektur, Strassenbau, Bewässerungssysteme, Kanalbau,... Da waren wir den Griechen zu der Zeit um Meilen vorraus. In Europa weiss das nur kaum einer weil die Geschichte hierzu von den Griechen und speziell von einen Mann namens Herodot geschrieben wurde.

Genau in der Zeit in der der Film spielt, gab es in Griechenland (Sparta und Athen) grosse Sklavenaufstände. Klar hat es griechische Aufstände gegen die Perser gegeben, aber es gab andererseits auch viele Griechische Sklaven die in den Persisch/Griechischen Kriegen oft mit den Persern kooperierten weil sie es satt hatten Sklaven zu sein und weil sie wussten dass es eine Chance gab unter den Persern zumindest kein Sklave mehr zu sein weil die Perser schon vor 2500 Jahren die Sklaverei abschafften. Das verschweigt der Film ebenfalls und verbreitet sogar falsche Informationen weil er den Krieg der Spartanen als den "Fight for Freedom und Democracy" darstellt! Was für ein Bullshit. Während in Griechenland das Wort Demokratie nur ausgesprochen und nie verwirklicht wurde, wurden in Persien zur gleichen Zeit Menschenrechte, Distanzierung von Sklaverei, Religionsfreiheit, Kleidungsfreiheit von sovielen verschiedenen Völkern praktiziert. Zu dem verschweigt der Film dass die Perser -damals für damalige Verhältnisse- ihren Staat äusserst Modern und Liberal führten und das ist bis Heute von der UN gewürdigt. Ein Abschrift von der 2500 Jahre alten Bekennung des Königs Kourosh (Cyrus) zu den Menschenrechten und Religionsfreiheiten, die auf Steingemeisselt und erhalten geblieben ist, ist in der UN Gebäude allgegenwärtig. Die Perser kreierten nämlich damals den ersten föderalen Staat. Das Reich erstreckte sich von den Grenzen Chinas bis nach Griechenland. Nicht alle Völker des Reiches waren iranisch aber es gab kaum Aufstände gegen die persischen eroberer weil sie erstens die besiegten Völker nicht versklavten und zweitens ihre Religionen tolerierten und sie generell und fast vollständig in Ruhe liessen. Das war in der Tat das Geheimnis des Erfolges. Ein nicht unerhebliches Teil der Soldaten der persischen Armee waren nichtperser die jedoch für gutes Geld und aus Zufriedenheit heraus dem Reich dienten. Diese Zustände waren zu der selben Zeit in Griechenland nicht denkbar. Die Sklaverei war bei den Griechen höchst beliebt, die Staats- und Rechtsysteme waren hochgradig Korrupt. Auch hier möchte ich nicht ungerecht sein.

Wie dem auch sei. Ich werde mir diesen Film mit Genuss anschauen weil die Technik da wohl wirklich meisterhaft gewirkt haben soll. Geschichtlich jedoch ist dieser Film absolut nichts wert. Sehr lächerlich ist auch die Auswahl von einigen Kostümen der persischen Soldaten die eher wie die Kostüme der arabischen Beduinen aussehen als wie die damals modernsten Kriegsausrüstungen der Welt die nunmal den Persern gehörten. Zum Teil sind die Ausrüstungen ja korrekt ausgewählt worden aber ich habe zumindest in dem Trailer Soldaten gesehen die absolut wie arabische Soldaten aussahen obwohl die persischen Soldaten sich damals fast wie die Kreuzritter ankleideten also viel Leder und Kettenhemden als Schutz und Eisenhelme. Vielleicht handelte sich dabei ja auch um nichtpersische Soldaten die für die Perser kämpften und ihre eigenen Kostüme trugen. Das war nämlich auch ein Teil der liberalen Staatsführung. Die Völker des persischen Reiches durften ihre Kriegskostüme und Waffen selbst auswählen. Ihnen wurde in der Hinsicht nichts aufgezwungen. Die persischen Kettenhemde und Kataphrakten waren jedoch berühmt, davon haben später auch die Römer gebrauch gemacht, die persischen Streitwagen waren technisch genial konstruiert, unsere Schwerte waren damals Grade wie die der Wikinger und Sachsen aber hier tragen die vermeintlichen Perser gekrummte Schwerte, tragen irgendwelche dummen Tücher um ihren Köpfen als wären es palästinensiche Jihadisten. Ziemlich lächerlich.

http://300themovie.info/
http://www.persepolis3d.com/

So entstand das Perserreich, das hier ist das erste Teil einer 5 teiligen Dokumentation. Teile 3 und 4 behandeln übrigens genau dieses Thema der persisch-griechischen kriege:
http://www.youtube.com/watch?v=eKN-gZuSH2o&eurl=

Ach in Wirklichkeit sahen die persischen Soldaten übrigens so aus:

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