Firenze, Verdi e basta! (Teil 3)
Ich hing noch immer bei ihr auf der Schulter. Mit der einen Hand gestikulierend, der andere Arm hing um den Hals der jungen Frau. Ich war absolut besoffen. Ich weiss dass ich, völlig besoffen, besser italienisch sprach als im nüchternen Zustand. Ich glaube das lag daran dass ich mich einen Scheiss drum kümmerte ob ich richtig oder falsch sprach, ich sprach einfach und die verstand mich und war begeistert. Diese Frau konnte mir mir alles machen weil sie die erste war die meine beschissene Situation verstand und nicht anfing eine philosophische Diskussion anzuzetteln um mir zu imponieren. Sie brachte mich zu der Matratze und ich liess mich nieder fallen und fing an zu lachen. Absolut ohne Grund.
Ich sah alles in Schatten und Rissen. Alles war schwarz, dunkelblau oder grau. Eine Ecke des Zimmers war durch den Mond völlig hell erleuchtet und zwar so stark dass es mich blendete. Irgendwie roch es dort nach Mandarinen und Rosen. Ich konnte einen angenehm trockenen Staubgeruch feststellen. Ich war besoffen aber ich konnte die Situation sehr gut erfassen, ich schaute zur Decke und hörte die nackten Füsse und Schritte auf dem Parkett die mal intensiver mal wieder stumpfer wurden. Sie kam und entfernte sich wieder.
"Magst du Verdi?" Fragte sie mich auf italienisch und ich liebte Verdi. Wenn Oper dann Verdi. Ich bejahte und sie legte eine alte Verdi Platte auf, so alt dass man die Plattennadel hörte. Ich kann die Glücksgefühle nicht beschreiben. Ich kam mit dem Kopf hoch um zu sehen wo die Platte steht und sah dass die Angela mir entgegen kam, eine Pracht! Sie hatte alles ausgezogen und hatte nur ein langes T-Shirt an. Wohlgeformte Beine, schöne Haut und Verdi sang und sang.. dieser Anblick plus Verdi und die besondere Lichtverhältnisse im dunklen Zimmer sorgten dafür dass ich Gänsehaut bekam. Ich merkte wie sie unter der Decke gekrochen kam, auf mein Brust tastete und merkte dass ich noch ganz angezogen war. Mit Verdi im Hintergrund zog sie mich aus: das T-shirt, den Gurtel, die Blue Jeans, die hellbraunen Ledershuhe. Socken hatte ich keine angehabt.
Ich dachte es würde weiter gehen. Tat es aber nicht. Sie legte sich zu mir, deckte uns zu. Den Kopf legte sie auf mein Brust und begann mein Brust zu streicheln. Als ich hochschauen und aktiv werden wollte, drückte sie ihre Zeigefinger gegen die Lippen und sagte "sssss, Verdi!" Nach dem Motto, du musst dir keine Mühe machen, geniess einfach Giuseppe Verdi. Sie hatte recht. Eine Stunde lang fühlte ich mich wie im Himmel, ich lag im Dunkeln neben einer wunderschönen Frau und Verdi sorgte immer wieder für Gänsehaut. Der Mond verschwand hinter kleinen Wolken und kam wieder hervor, das passierte einige Male bis ich irgendwann einschlief als er mal wieder hinter einer Wolke verschwunden und das Zimmer absolut Schwarz wurde. Nur der grüne Standby leuchte des Plattenspieler war noch zu sehen. Ich schlief wie Angela auch während Verdi noch lief. Am morgen als wir beide wach wurden, schliefen wir miteinander. Da war Verdi weg. Himmlich blieb es trotzdem. Ich blieb eine Woche in Firenze, sass mit ihr Abends im Cafe wenn sie arbeiten musste, trank mit ihr wein, und ging danach mit ihr ein Stockwerk höher zu ihrer Wohnung und wir hörten Verdi und Albinoni. Morgens wenn sie zur Uni ging, schlief ich aus, ging in der Stadt und liess es mir einfach gut gehen. Kein Stress, keine Eile, kein Massaciuccoli.
Teil 1
Teil 2





