Tough Stuff

Freitag, 6. Oktober 2006

Anatolischer Frust am Bahnhof Zoo

Ich kam in Berlin Bahnhof Zoo an. Es war Winter und die Kälte wütete in Berlin. Berliner Winter sind besonders Kalt, der Wind hat freie Bahn und kann durch die flache Landschaft nicht aufgehalten werden.. Ich kam aus Frankfurt und dort waren es 5 bis 10 Grad wärmer. Es schneite nicht mehr, überall sah mann Häufchen von dreckigen Schnee die an den Rändern der Strassen geschoben wurden waren. Aus den Mündern qualmte es und hier und dort sah man welche die sich die Hände rieben während sie auf dem Bus und Taxi warteten.

Ich hatte Hunger und ging zum Haupteingang des Bahnhofs denn gleich am Eingang war ein kleiner Mc Donalds oder Burger King (ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern). Von draussen konnte man die Tafeln gut sehen die oben hinter den Arbeitern gehängt waren. Ich war dabei zu schauen um mir was zu essen auszusuchen als ich die dumpfen Blicke dreier Männer bemerkte. Ich versuchte sie zu ignorieren, ich schaute durch sie durch zu den Menütafeln aber die 3 da drin hatten ganz andere Pläne. Der eine war etwas jünger und stämmiger als die anderen so mitte bis ende 20, ohne Scnnurbart, buschige Augenbrauen. Etwas fiel bei ihm auf und zwar die ungewöhnlich grosse Breite zwischen der Nase und der Oberlippe, bestimmt 2 Fingerbreite. Hätte er Schnurbart gehabt würden sie Mächtig und ziemlich dicht aussehen. Die zwei anderen waren mickrige Typen zwischen 35 und 40. Beide in Hirtenlook: Breite schwarze Stoffhosen ziemlich weit hochgezogen. Nicht grade über die Brustwarzen aber schon knapp drunter, Schwarze Lederjacken. Nur der junge Oberlippentyp fiel aus der Reihe in dem er eine braune anstatt eine schwarze Lederjacke trug.

Wie es kommen musste, liess er irgendwann sein Pappbecher runter auf dem runden Stehtisch und gestikulierte in meiner Richtung. Er nahm die rechte hand hoch, spreitzte die Finger während er den Handgelenk drehte, in dem selben Moment zwinkerte er mir zu, nach dem Motto "Was ist? Was guckst du?".

Das war zu offensichtlich und ich wollte dann auch nicht mehr so tun als hätte ich angst also erwiderte ich seine Gestik in dem ich das gleich tat. Schon waren sie unterwegs nach draussen. Er kam und baute sich vor mir auf. Er war ein bisschen kleiner als ich aber genauso breitschultrig. Die zwei kleineren Gestalten kamen zwar mit raus aber ich musterte sie blitzschnell und meinte in ihren Blicken Angst erkannt zu haben. Ich wusste dass sie mir nicht gefährlich werden konnten also konzentrierte ich mich auf dem Anatolier vor mir.

"Warum Guckst du mich die ganze Zeit an?" Er hatte ne Fahne. Um die Uhrzeit am Mittag eine Fahne zu haben dass ist fast immer ein sicheres Zeichen der Frustration. Wahrscheinlich Verheiratet, 2 Kinder, die Frau Schwanger und er seit 2 Monaten Arbeitslos dachte ich mir.

Mein Blick war fest. Fester als sein Blick. Ich wusste dass ich in solchen Situationen keinen Schwäche zeigen durfte.

"Ich hab dich nicht angeguckt. Ich hab auf die Menütafel hinter dir geguckt aber ist jetzt auch egal. Was willst du jetzt?"

"Bist du Türke oder was?" Hier wusste ich dass auch er mir nicht gefährlich werden würde. Ich kannte diesen Spruch. Das kam immer wenn sie beendruckt waren und die Schlägerei irgendwie verhindern wollten.

"Es interessiert niemanden, was stehst du jetzt so vor mir?"

Als ob er die Sache mit den anderen abgesprochen hätte, kam einer der kleinen Gestalten zu ihm und zog ihn weg. Genau in dem Moment fühlte er sich wieder Stark und fing an mich zu beschimpfen. Er liess sich abführen während er auf türkisch fluchte. Ich stand da und schaute mir das Affentheater an. Nach ein paar Sekunden sagte ich zu den anderen sie sollen ihn doch loslassen. Der hatte ja die Möglichkeit den Ärger zu beginnen als er noch nase an nase vor mir stand, aber er tat es nicht und erst als sie ihn zurückzogen fing er an zu fluchen. Sie zogen ihn wieder in dem Laden. Aber schon nach einer halben Minute sah ich ihn wieder zu mir zurück kommen. Er kam und ich machte mich dieses Mal bereit für eine Schlägerei. Er kam aber und sagte "Guck mal Bruder, du bist kein Türke ok, aber du bist doch bestimmt Moslem"

"Was interessiert dich was ich bin? Wenn ich jetzt Moslem wäre, was würde sich ändern?"

"Ja nein, weisst du, das gehört sich nicht. Ich dachte nur du willst mich anmachen und ich hatte was getrunken, und wenn du Moslem bist, dann gehört sich das nicht. Sag mal jetzt wo kommst du her?"

Ich überlegte ganz schnell und sagte "Libanese" !

Er wurde Kreidebleich. Was ich sagte wirkte schnell und nachhaltig. Geistesgegenwärtig dachte ich daran dass die Türken in Berlin vor den Libanesen und Palästinensern grossen Respekt hatten weil sie sich als harte Kriminelle einen Namen gemacht und in vielen Situationen den Türken eine Abreibung verpasst hatten. Wenn ich gesagt hätte ich wäre Perser das hätte in der Situationen keinen Respekt eingebracht.

Er bot mir eine Zigarette, ich lehnte ab, er reichte mir die Hand, ich schüttelte seine Hand und er ging. Ich sah von Fastfood ab und ging in ein Cafe und bestellte ein belegtes Baguette und ein Cafe au lait

Samstag, 23. September 2006

Der deutsche Neger

Ich kam von der Arbeit und suchte nun eine Bar um das Spiel meiner Bremer gegen Schalke anschauen zu können, also ging ich in die erste Premierebar die ich unterwegs fand. Draussen regenete es unaufhörlich.

Sobald ich eintrat wusste ich dass es nicht der rechte Platz für mich war. Ich meine die Menschen waren schon Rechts nur da ich nicht so einer war machte es aus meiner Sicht zu einer ungünstigen Lokation.

Die Bar war sehr hübsch eingerichtet. Die Konstruktion war wie die der Bars aus den 60ern oder sogar ein bisschen wie die Bars aus Hoppers Zeichnungen.

Als die braune Menge mich sah war sie -so wie ich es empfand- noch schockierter als ich. Sie mussten gedacht haben dass ich nur ein irrer oder ein ganz gefährlicher Typ seien konnte der sich so ganz allein in die Höhle des Löwen traute.

Ich versuchte ruhig zu bleiben. Die harte Zeit in meiner Jugend lehrte mir in solchen Situationen gut zu bluffen. Die meisten Menschen sind wie die meisten Hunde. Zeigst du Schwäche, werden sie Stark, zeigst du stärke, fühlen sie sich schwach.

Ich ging zur Theke und merkte wie die Blicke meinen Gang verfolgten. Ein Riesen Typ mit der Glatze der hinter der Bar stand war auffallend Nett.

"Ein Pils. Gross"

"Alles Klar. Wenn du dich hinsetzen willst tus, ich bring dein Bier zum Tisch"

"Ja ich setz mich hin"

"Alles Klar" Das sagte er während er sich dran machte das Bier zu zapfen.

Ich suchte mir ein Platz, sass mich hin und tat so als wär die Situation ganz Normal. Bremen spielte erbärmlich wie fast immer wenn es gegen Schalke ging und Gerald Asamoa der schwarzhäutige deutsche Nationalspieler spielte gross auf.

Genau neben mir fing ein anderer Glatze mit ner Brille ein Gespräch aufzuziehen und ich merkte dass es nur als Provokation dienen sollte. So als ein Grund den Ärger zu beginnen. Der Eindruck den ich anfänglich auf sie machte schien zu verblassen.

"Ey guck guck guck, guck dir den Neger hier an" Das sagte er nachdem der Asamoah einen Bremerspieler per Foul niederstreckte. Der andere sagte nichts sondern inhalierte den zigarettenqualm seines Freundes während er auf dem Bildschirm starrte.

Wir schauten uns an und er schmunzelte während er an der Zigarette zog.

"So weit sind wir gekommen. Jetzt muss schon ein Neger für Deutschland spielen"

Ich konnte nicht mehr. Mein Hang dazu meinen Mund zu öffenen und zwar grade in den Situationen wo ich meinen Mund lieber halten sollte, machte sich wieder bemerkbar.

"Siehst du mal was alles passieren kann. Das ist ja noch gar nichts, in der U-21 spielen sogar Türken, Iraner, Italiener, ein paar andere Neger." Dabei schaute ich auf dem Bildschirm.

"Haha...richtig. Deshalb ist es auch nicht meine Nationalmannschaft. In einer deutschen Nationalmannschaft will keine Neger und Kanacken sehen. Lieber verliere ich mit deutsche als mit son Neger zu gewinnen." Der ist wenigsten Konsequent dacht ich mir spontan.

"Dich fragt aber keiner ob du diese Nationalmannschaft willst oder nicht. Sie spielt als die deutsche Nationalmannschaft und zwar unter der deutschen Flage und mit dem Bundesadler auf der Brust. Ob dus willst oder nicht."

Ich sah dass er nicht mehr lachte. Er rieb die Zähne aufeinander aber den Mut aufzustehen und mir an den Kragen zu gehen hat er auch nicht gehabt.

Ich wollte mein Glück nicht überstrapazieren also verzichtete auf die zweite Halbzeit, bezahlte mein Bier und verschwand

"

Dienstag, 29. August 2006

Die kalte Wohnung und der müde Bison

Sie kam ins Zimmer. Sie hatte exakt 84 Treppen hinter sich und man sah ihr die Anstrengung ins Gesicht geschrieben. Das Echo ihrer Absätze auf dem Holzparkett konnte man im Treppenhaus hören.

Ich lag auf dem Boden und klebte an der Heizung, nur eine Decke unter mir, ohne Kissen. Draussen schneite es unerbittlich und der Wind schleuderte die Flocken wild hin und her. An dieser Art von Schnellfall war nichts romantisches. Es war Härte und Traurigkeit pur.

Vor 2 Wochen hatte ich sie im Irish Pub kennengelernt und nach einer einigermassen komischen Nacht in der ich bei ihr schlief und Morgens nicht mal wusste wo ich war, hatte ich irgendwann dann doch die Nummer gewählt die sie mir auf dem Tisch gelegt hatte bevor sie ihre Wohnung verliess. Ich schlief noch weiter auf den Strassen in Banken und Parks. Ich war abgehärtet, mir machte die Kälte nichts mehr aus. In den zwei Wochen die zwischen der besagten Nacht und der heutigen Nachmittag lagen, hatte ich wie ein kranker rumgevögelt. Ich hatte keine Bleibe also sorgte ich einigermassen erfolgreich dafür dass irgendeine Frau irgendwann sich bereit erklärte mich mit nach hause zu nehmen. Ich denke ich sprühte nur so vor Selbstbewusstsein obwohl materiell nichts hatte. Ob dieses Verhalten kranke Züge aufwies, das mag ich nicht zu beurteilen. Es kam mir aber entgegen.

Ich lag und las, das Zimmer hatte ich erst seit 2 Tagen bekommen. Es war nackt. Ich hatte ausser ein Herd, ein blau bemalten Tisch und zwei kleine Stühle nichts in dem Zimmer. Der Boden war frisch parkettiert also sehr kalt. Ich hatte nur einen alten CD-Recorder und meine Klassik-CDs. Der Vermieter ein dicker, asthma kranker Maler in den fünfzigern der allerdings mittlerweile erfolgreich eine eigene Firma gegründet hatte und tief ein und aus atmete, liess mich vor 3 Tagen in sein Büro und ich deckte ihn so ziemlich zu mit freundlichkeiten und liess ihn immer wieder wissen dass ich ein Student sei dem es finanziell gut gehen würde. Es war erstaunlich dass der Typ mir die amateurhaften Erklärungen abnahm. Vielleicht nahm er mir sie auch garnicht ab, nur er schien selber noch amateurhafter zu sein als ich. Ich kam raus mit nem Mietvertrag und wusste nicht ob ich seine Dummheit weiter ausnutzen sollte oder nicht. Ich war davon überzeugt dass er es gar nicht mitbekommen hätte wenn ich 2 Monate keine Miete überweisen würde.

Ich sass mittlerweile vor der Heizung und klebte mit dem Rücken noch immer an ihr. Sie kam rein und schaute sich um als wär sie ins All gekommen. Sie wusste nicht dass ich keine Wohnung hatte, sie wusste nicht dass ich eigentlich gar nichts hatte. Ich las die Karamazov Brüder von Dostojewski und hörte Franz Liszt. Sie kam, lächelte und hockte sich neben mir hin. Ich wollte das Reden ihr überlassen, ich erwartete eine Reaktion weil es einfach nicht das gewesen seien musste was sie sich vorgestellt hatte. Der Typ hat ja nichts, muss sie sich gedacht haben, nichts.

Ich schaute grade in der Luft und dachte grade daran dass es wirklich höchste Zeit wäre zum Urologen zu gehen weil ich all die Symptome der Tripper bei mir fühlen konnte. Allein der gelbe Ausfluss blieb aus. Ich konnte nicht richtig pinkeln, es tat weh und brannte. Während ich dachte, schaute sie mich von der Seite an.

"Wie gehts dir?"

"was? gut gut... ich glaube ich hab die Tripper"

"Waaas?" Sie lachte

"Nichts, bei mir brennt es wenn ich pissen will"

Sie küsste mich auf der Wange und sagte ich solle einfach mal zum Arzt gegen und mich untersuchen lassen. Es war vernunftig was sie sagte.

"Was ist das was du hörst?"

"Franz Liszt, wenn es dir nicht gefällt, ich hab auch Gustav Mahler und Bruckner..."

"Du bist eigenartig"

"Ja? Bin ich?"

"Ja das bist du absolut"

Manchmal dachte ich dass die leute glaubten mein Leben wäre ein gewolltes Abenteuer, oder ich wäre ein Trendsetter. Das ich am Rande des Existenzminimums rumkrebste kam niemandem in den Sinn. Je ärmer ich in an materiellen Dingen wurde, desto grösseren Eindruck hinterliess ich bei den Leuten ohne es zu wollen.

"Ich hab mich noch nie mit Klassik beschäftigt aber es gefällt mir, es ist melancholisch, du bist melancholisch und das Wetter da draussen schreit gradezu nach Melancholie. Tja was soll ich sagen, so wie ich hier neben dir sitze komme ich mir vor wie in den alten Filmen in denen zwei jüdische Verliebte, voller schmerzen nebeneinander sassen und aus dem Fenster schauten während sie nicht wissen konnten ob sie den nächsten Tag überleben würden oder nicht..."

"In meiner jetztigen Verfassung ist das was du mir erzählst zu romantisch Iris. Ich hab dich nach 2 Wochen angerufen und eingeladen damit du siehst wer ich tatsächlich bin bzw. wer ich nicht bin."

"Ich weiss immer noch nicht wer du bist, ich weiss nur dass du nichts hast"

Ich schaute sie an und nahm den Blick nicht von ihr weg.

"Willst du mit mir schlafen?"

"Ich hab wahrscheinlich Tripper Iris..." meine Stimme muss sich Müde angehört haben.

"Ich hab ne Kondome, da wird nichts passieren. Ich will dass du mich fickst. Hier auf dem kalten Boden, mit deinem kranken Schwanz" Sie lächelte und streichelte zärtlich mein Gesicht und meinen Hals.

Ich pumpte die ganze Nacht durch und Franz Liszt begleitete uns dabei.

3 Tage später ging Iris mit mir zum Urologen und es stellte sich herraus dass ich keinen Tripper hatte.

Wer war Iris?

Montag, 14. August 2006

Post, Studium, Frau, Schlaf, Magen, Profesoren, Schichtleiter...

Meine Schicht begann um 22 Uhr abends und endete um 6 Uhr morgens. Ich hatte kein Auto und musste schon um 20 uhr aus dem Haus um noch rechtzeitig an der Arbeit -in der Briefniederlassung der frankfurter Post- zu sein. Meine Freundin lebte mit mir zusammen und machte mir die Hölle heiss. Sie wollte unbedingt ein Kind. Die Professoren machten mir die Hölle heiss weil sie von mir ständig Dinge verlangten die ich nur in einer normalen Verfassung hinkriegen konnte. Eines dieser Dinge war im Vorlesungssaal wach zu bleiben, später war er sogar damit zufrieden wenn ich nur nicht schnarchte.

Auf der Briefniederlassung war ich kommissionierer. Wenn irgendeine von den Polinnen, Russinnen, Griechinnen, Türkinnen... die an der Bande arbeiteten und gleichzeitig auch Codierten ausfielen durfte ich mich auch mal hinsetzen und die Briefe die von der Bande kamen codieren d.h nach Postleitzahlen sortieren.

Mit den Kollegen kam ich zurecht, abgesehen von einem mit dem ich mich erst schlagen musste damit er mich überhaupt als Mensch akzeptierte. Mit den Schichtleitern war es eine andere Sache. Es gab welche die den Arbeiter mimten. Mit denen kam ich zurecht obwohl ich wusste dass er nur so tut als ob er einer von uns wäre. Es gab aber auch einen der lachte nur und wollte Freund sein aber das tat er nur damit wir für ihn liefen. Daraus entwickelte sich unter den Arbeitern ein feines Wettrennen in sachen Schleimereien und sich beliebtmacherei. Damit hatte ich immer ein Problem. Daran scheiterte ich immer. Mittlerweile waren meine Menschenkenntnisse so gut dass ich teilweise sehr früh erkennen konnte wann ich mich mit wem in die Haare kriegen würde und warum. und zwar auch dann wenn es noch alles wunderbar lief.

Die Arbeitshose die ich trug war einige Nummer zu klein weil sie keine andere hatten und sie mich immer damit trösteten dass sie schon welche bestellt hätten und noch auf die Lieferung warten würden. Ganz einfach war die Sache mit der Hose aber nicht. Die sass so eng dass ich wie ein Vollmond in der Nacht auffiel sobald ich anfing in der Halle meine Runden zu drehen. Man sah grosse Beulen vorne an der Hose und ich dachte manchmal sie würden sogar die Ader meines Schwanzes noch durch die Hose sehen können. Ich bekam zwar sehr viel zuspruch aber das war eindeutig eine peinliche Situation und musste dringend verändert werden. Ich fing an als einziger keine Arbeitshose mehr anzuziehen.

Arbeitsschluss: 6 Uhr morgens. Völlig kaputt und müde kam ich raus und hörte die Vögel zwitschern. Meine Vorlesungen begannen um 8 uhr morgens also musste ich schnell den Bus erreichen damit ich so kurz vor 8 zuhause seien konnte. Oftmals sass ich im Bus und fuhr richtung meiner Wohnung, ich beobachtete ganz lethargisch die frischen und ausgeschlafenen Steuerzahler als mir aufeinmal jemand auf die Schulter Tipte.

"Hallo? Halllllooooo" Das war der Fahrer.
"Ach scheisse, entschuldigung, ich bin wieder eingeschlafen"

An diesen Tagen war die Uni Tabu. Da hätte es keinen Sinn mehr gemacht dort hin zu gehen. Wenn ich es schaffte nicht einzuschlafen kam ich dann nach hause, meine Freundin noch im Tiefschlaf merkte garnicht wie ich duschte, meine Tasche nahm und zur Uni rannte. Ich hatte es nicht weit bis zu Uni. 5 Minuten Fussweg.

Als Professor Schäfer uns die darstellende Geometrie erklärte und anfing mit seinen Linealen rumzuwerken, da war es meistens schon zu spät. Ich schlief meistens ein und wachte immer dann auf wenn ein Freund mir in die Seite stiess als Zeichen vom Ende der Vorstellung. In der Pause jedoch fühlte ich mich seltsamerweise immer richtig Munter.

Ich bekam Magenprobleme und stand kurz vor einer Vergiftung weil ich kaum schlief. Wenn meine Leiche nach hause kam, versuchte ich eine auf hart zu machen, ich tat so als wäre ich aus Stahl, ich wollte mit der Freundin was unternehmen, ich wollte sport treiben und ich wollte der Frau per Logik plausibel mache dass ich mir ein Kind never ever vorstellen könnte. Nicht jetzt und nicht in dieser Situation. Die Diskussionen nahmen zu, an der Uni lief es immer peinlicher und bei der Post begrüsste ich mittlerweile den Schichtleiter gar nicht mehr. Ich war völlig fertig. Kaputt. Krank. Müde. Demoralisiert. Vernichtet. Antriebslos.

Ich schmiss den Job und das Studium gleich mit und lief von meiner eigenen Wohnung weg und liess die Freundin dort auf mich warten. Eines Tages schnappte ich mir eine kleine Sporttasche und packte nur das nötigste ein. Meine Freundin wartete ab dann vergeblich auf meine Rückkehr. Ich war weg. Ich weiss nicht wie lange sie noch gewartet hat aber ich hab sie danach nie wieder gesehen. Von nun an schlief ich in Parks, in den Bankfilialen (ich bevorzugte die Dresdner Bank), in den Keller der Plattenhochbauten, in Telefonzellen, bei wildfremden Frauen...

Ich war dabei mich zu rehabilitieren...

Sonntag, 13. August 2006

Der Weg zum gottes Haus

Es war Winter, sehr Kalt und in den gebirgigen Gebieten um unseren Dorf herum kam die Kälte noch intensiver zum Vorschein. Der alte, weissfarbene VW Bus ratterte durch die einsamen Strassen und die Jugendpflegeheimleiterin frau Sippel sass am Steuer. Hinten sass ich neben einen anderen Gestallten der genauso jämmerlich aussah wie ich. Ich war 14, grade mal 2 Monate in Deutschland, konnte die Sprache nicht sprechen und wurde von der Polizei einem Jugendheim zugeteilt weil ich noch auf meinem Cousin aus Norwegen wartete der mich abholen wollte. Er kam nie um mich abzuholen.

4 mal in Monat mussten wir mit der frau Sippel und manchmal auch mit ihrem Sohn zu den Kirchen der Umgebung fahren um Lebensmittel, Obst, Kleider und so Zeug abzuholen. Das war wohl ein traditionelles Ritual.

Es war mir alles neu und noch spürte ich kein grosses Heimweh. Nicht verwunderlich wenn man bedenkt dass ich mit 13 schon ein Soldat gewesen war. Ich beobachtete die grüne Natur, das Regenwasser bahnte sich unzählige Wege und ran an den Scheiben des Buses herunter, der kaputte Scheibenwischer quitschte die ganze Zeit aber das Geräusch war so gleichmässig, einsam und melancholisch dass es eher beruhigend war als nervtötend. Es erinnerte mich an den Ventilatoren die wir zuhause im Iran an der Decke anbrachten und worunter ich Mittags in der Hitze immer zu schlafen hatte. Dieses Geräusch beruhigte mich immer und begleitete mich in den Schlaf. Wu, wu wu wu...

Ich war in Gedanken als ich eine Faust in meinem Gesicht spürte. Ich war nicht vorbereitet und bevor ich aufstehen und mich wehren konnte, sass der Kerl schon auf mich. Ich hatte vieles gesehen aber ich hatte es noch nicht mit Kindern in meinem Alter zutun gehabt die um sich schlugen weil es Ihnen langweilig wurde. Einen anderen Grund konnte es nicht gegeben habe wofür ich geschlagen wurde.

Ich wollte aufstehen aber leider war ich Brav und hatte mich angeschnallt als die Frau Sippel mich darauf aufmerksam machte bevor wir losfuhren. Der Kerl neben mir aber hatte sich mittlerweile losgemacht und sass nun auf meinem Schoss und verpasste mir rechts und links Hackenschläge ins Gesicht. Ich fing an grade Schläge anzubringen die auch landeten. Ich schlug aber aus der schwächeren Position heraus, musste von unten nach oben schlagen und konnte die Hüfte nicht benutzen die wichtig ist um Dampf hinter den Schlägen zu bekommen und so konnte ich keine vernichtenden Schläge anbringen die ihn grossartig wehtun konnten.

"Heeey, sach mal bist du bescheuert? Komm runter von ihm, lass ihn in Ruhe"

Der Boxer lachte und schlug weiter, mal härter mal etwas gnädiger aber überheblicher. Er variierte die Schläge gut. Irgendwann stoppte auch der Bus, wir waren nämlich ans Tor der ersten Kirche angelangt. Aber da wurde es mir zu Bunt und ich beschloss ruckartig seinen Hals mit beiden Händen zu packen und zu mir runter zu ziehen. Meine Versuche den Gurt abzumachen vereitelte er spielerisch Leicht. Ich bekam ihn aber zu fassen, meine Lippe blutete schon und ich hatte nun meine Hände um seinen Hals geschlossen und zog den Kopf herunter zu mir, so nah dass ich ihn endlich wehtun konnte. Als ich mit den Kopfnüssen aufhörte sah ich schlimmer aus als er. Mein ganzes Gesicht war voller Blut, sein Blut. Gebrochenes Jochbein, gebrochenes Nasenbein. Ich hatte ihn sämtliche Gesichtsknochen gebrochen.

Mittlerweile öffnete die Frau Sippel die Tür des Wagens und man hörte nur ihr leises und zugleich langgezogenes "Meeeein Gott".

Eine Nonne kam gemächlich zu uns rüber und grinste dabei; als ich aber ausstieg und sie nur etwas rotes und gleich danach das zweite rote Ding aus dem Bus taumeln sah, blieb sie stehen, hielt den Atem an und hob die flache Hand zu ihrem Mund. Ich fühlte mich erleichtert, der unerbittliche Regen wusch mir das Gesicht und ich fühlte wie die Brühe anfing dünnflüssiger zu werden. Ich denke sie konnte mittlerweile schon meinen Gesichtsprofil erkennen bevor sie anfing mit nem Tuch mein Gesicht vom Blut zu befreien.

Donnerstag, 10. August 2006

Schreie aus der Metropole (Teil 1)

Ich arbeitete auf dem Bau. Ich kam aus Bremen nach Frankfurt um zu studieren, bekam kein Bafög und hatte kaum was gespart um lange davon zu verzehren. Die Substanz des Kontos war wirklich überschaubar gering.

Ich hatte nicht viel drauf. Ich hatte ja nur die Abitur in der Tasche. Taxischein hatte ich nicht und für was anderes war ich nicht zu gebrauchen ausser als Fussball - oder Footballspieler. Darin war ich wiederum nicht gut genug um damit grossmässig geld verdienen zu können. Frankfurt beeindruckte mich nicht, ich weiss bis heute nicht warum ich dorthin kam in so jungen Jahren. Bremen war beschaulich, etwas unterdkühlt aber das war ich mittlerweile auch. Ich liebte den Hafen und hasste Hamburg wie die Pest.

Ich kam mit 5000 Mark in die Stadt und das war nichts für jemand der erstmal Fuss fassen musste. Es kam nichts dazu aber jeden Tag musste was davon verzehrt werden und das Studentenzimmer musste ja auch bezahlt werden. Das Zimmer war nicht gross und auch nicht sehr Teuer aber immerhin kostete es mich 250 Mark im Monat.

Ich dachte ich muss unbedingt schnell was finden also ging ich runter mit den Erwartungen die eigentlich nie richtig hoch waren. Ich ging zu einer Arbeitsvermittlungszentrale und teilte mit dass ich einen gekonnten und sehr fähigen Bauarbeiter abgeben würde wenn sie mir denn die Möglichkeit geben würden mich zu beweisen. Ich stellte schnell fest dass mittlerweile fast keinen Job geben würde der selbstverständlich zu haben wäre. Auch als Kloputzer musstest du wahrscheinlich erstmal 5 Absagen über dich ergehen lassen bevor du den Traumjob angeboten bekammst.

Ich bekam keine Absage, mir wurde nur gesagt dass ich doch überqualifiziert wäre als der Sachbearbeiter mitbekam dass ich eine gute Abiturdurchschnitt hatte, fragte er mich was ich denn für ein Gehaltvorstellung hätte. Ich pokerte hoch und überschätzte mich:

"Ist mir egal was sie mir geben wollen solange ich mit 1000 Mark Netto am Ende dastehe"

"Hmm..Also 1000 Mark?"

"Richtig"

"Ok, wir melden uns bei Ihnen, sie haben ja die Telefonnummer dagelassen."

"Richtig"

Ich kam raus aus dem Sklavenvermittlungsbüro und hatte eigentlich keine Hoffnung mehr als ich dann eine Woche später einen Anruf bekam und sie mir den Job gaben. Ich muss wohl eindruck gemacht haben.

Als Erstsemestler kam ich garnicht zum studieren. Ich hab nur gearbeitet und zwar teilweise 10-12 Stunden am Tag auf dem Bau. Am Anfang waren sie vorsichtig und hielten sich an die 20 Stunden pro Woche für Studenten. Mir reichte es aber nicht. Ich sah die Gestallten an und wusste dass 80% des Belegschafts auf dem Bau ohnehin Schwarzarbeiter waren. Polen, Jugos, Rumänen, Russen, Türken.. und ein verdammter Iraner. Ich ging zu dem oberbauer und sagte:

"Ich kann länger Arbeiten wenn sie denn interessiert wären"

"Du bist doch Student"

"Egal, ich muss arbeiten und im Moment brauche ich die Kohle, das Studium muss ein bischen zurückstecken"

"Nein nein, sowas machen wir nicht!"

Am nächsten Tag kam der selbe Idiot auf mich zu und sagte dass sie bereit wären mich Vollzeit arbeiten zu lassen nur die Differenz zu den 20 Wochenstunden würde dann Bar auf die Hand ausgezahlt werden.

"Passt"

"Also dann morgen Früh um 6 am Bahnhof, es geht richtung Hattersheim"

"Geht Klar"

Teil 2

13.3.06 20:36

Dienstag, 8. August 2006

Wenn Sex sich nicht lohnt

Ich lag mit ihr im Bett, in ihrer Wohnung. Sie war blond, langbeinig, hübsch und hatte mich zu sich nach hause genommen. Ich war wohl zu besoffen um irgendwas da mitzubestimmen. Also stieg ich drauf und pumpte wie wild bis die Tür um 3 Uhr Morgens aufging. Ein grosser fetter Typ stand da schaute auf meinen pulsierenden Schwanz der nun nicht mehr in der Frau sondern in der Luft rumwedelte. Kein Ton sagte er und ging wieder weg.

-scheisse wer ist das?

- mein Freund!

Ach leck mich doch sagte ich leise und sprang aus dem Bett, vergeblich. Er war schon da und hatte eine Knarre in der Hand.

Er sprach italienisch. Ich hatte wohl die Freundin oder die Frau eines Italieners gefickt.

Er richtete die Waffe auf mich und laberte auf Italienisch. Ich dachte es ist aus also blieb ich ruhig. Die Frau fing an rumzuschreien

- Du verdammter Idiot. Nimm die Waffe runter das wird dir teuer zu stehen kommen!

Ich fand es nicht Lustig ihn so anzubrüllen da er eindeutig am längeren Hebel war. Ich sagte noch immer nicht und mein Schwanz war längst wieder Schlaff.

Er schien von der Lautstärke seiner Freundin beeindruckt und schaute mich an während er die Waffe noch immer auf mich richtete.

Ich schöpfte Mut.

- Hey Kollege, glaub mir da ist was schief gelaufen. Lass mich dir alles erklären. Wenn ich gewusst hätte...

BANG! Da gingen die Lichter halbwegs aus. Ich spürte ein Schlag fiel und hörte nur wie er die Frau durchs Zimmer prügelte. Ich lag da, fasste an meinem Kopf und bemerkte die warme Brühe die da runterlief. Der Typ hatte mit dem Griff der Knarre zugeschlagen. Ich kroch auf dem Boden herum und wollte mich am Bett wieder hochziehen als er die Frau losliess und wieder zu mir kam und mir an die Gurgel ging während er immernoch die Waffe auf mich richtete.

- Pass auf. Mach dich raus. Los!

Ich schickte mich an meine Hose vom Boden aufzu heben als ich den nächsten Schlag bekam. Wieder lag ich auf dem Boden und die Suppe lief wieder und zwar dieses Mal aus einer anderen Stelle.

- Ohne Hose! Raus

Der Typ hatte noch Humor mitten in der Nacht und nach allem was er ertragen musste.

Ich kroch raus auf die Strasse. Die Wohnung war direkt an der Strasse. Die Schläge waren zu heftig und sorgten dafür dass ich es nicht mehr schaffte auf die Beine zu kommen. Alles war verschwommen, ich versuchte mit aller Gewalt auf die Beine zu kommen aber das hatte ich nicht mehr drin. Als ich aufwachte war es schon Hell und ich lag noch immer an der Strasse und zwei Polizisten standen über meinem Kopf.

-Alles klar?

-Ja

- "Das glaube ich aber nicht!" sagte die Polizisten

-Doch alles ist ok.

-Hey du sagst mir jetzt was passiert ist! Nichts ist ok wenn man mit ein blutiges Gesicht und völlig nackt an der Strasse übernachtet!

- Doch doch alles ist ok. Können sie mich nach Hause fahren?

- Hat sie jemand geschlagen oder sind sie gestürtzt?

- Mich hat jemand geschlagen aber ich kannte ihn nicht und könnte ihn auch nicht anzeigen, also ist alles ok.

- Wo wohnen sie denn?

Ich sagte es Ihnen und sie schickten sich an mich nach Hause zu fahren. Ich stieg hinten ein während die Bullen lachten.


15.7.06 03:29

Planet der Dummen, der Opportunisten und der der Heuchler

Meine türkische Freundin hatte Krebs. Sie war sehr Jung als sie es bei ihr diagnostizierten. Sie überlebte aber musste bis ans ende ihrer Tage täglich ein Cocktail von Tabletten schlucken. Die Frau war rassig, hübsch, sehr zielstrebig im Berufsleben aber sehr bodenständig und romantisch wenn es ums Private ging.

Wir verbrachten Nächte miteinander an meinem alten Holztisch, in der kleinen küche einer 35qm Wohnung die ich hatte während ich studierte. In der Ecke meiner Küche standen teilweise 35 leere Rotweinflaschen. Sie wollte dass die leeren Flaschen nicht weggeschmissen werden. Sie bittete mich um kleine Gefälligkeiten, die teilweise sehr eigenwillig aber recht süss waren. Die Sammlung dieser Leeren Weinflaschen als zeichen und erinnerungsmahnmal für all die Nächte die wir uns um die Ohren hauten, gehörten auch zu den bitten die du einfach nicht abschlägst.



In der Küche, um den sehr kleinen billigen Holztisch, liebten wir uns, lachten, schrien uns an und streiteten und tranken rotwein wie die besessenen bis ich eines abends mitten in einer Streit davon erfuhr dass sie als Kind schonmal Krebs hatte. Mitten im spass, streit und schreierei, wurde ich still und goss mir noch ein Gläschen wein und kippte es runter als wärs wasser. Sie wollte weiter streiten, ich nicht, ich trank mein glass aus, und goss nochmal für beide ein.. sie schlug mich und ich trank sowohl mein Glas als auch ihr Glas aus... Sie umarmte mich sofort weil sie dachte dass ich nun aus mitleid heraus handeln würde. Eine komische Situation.


Du willst ihr nicht das Gefühl geben dass du getroffen bist, dass du tatsächlich Mitleid fühlst, aber ganz Kalt darf dich die Sache auch nicht lassen. Ich hatte Mitleid, ich schaute in ihren grünen Augen die durch die Tränen sehr glassig waren und war wirlich betroffen. Wir tranken weiter und redeten über Gott und Religion. Darüber dass warum ein 15 jähriges Mädchen Krebs haben muss wenn es einen gerechten Gott gibt der seine Kinder liebt. Ich hatte kein Problem damit. Ich wusste dass es einen Gott nie gegeben hat. Ich wusste schon vorher dass auch Jesus und Mohammed nur normalsterbliche Typen waren die nur die Gunst der Stunde zu nutzen in der Lage waren aber versuch das mal einem Menschen klar zu machen der tiefreligiös aufzuwachsen hatte. Diese Frau hatte an Gott und Religion geglaubt, hatte es wieder verloren und mit 26 Jahren hatte sie eine Phase in der sie nicht wusste woran sie zu glauben hatte.

Aber genau da möchte ich ansetzen. Ich meine wenn ich im nach hinein mein leben revue passiere und all die Gespräche über Gott und Religion und all die Erfahrungen mit religiösen Menschen wieder abrufe dann muss ich einfach nur sagen dass ich nie jemand begegnet bin von dem ich den Eindruck hatte, er glaube an eine nächste Welt etwa so wie an das vorhandensein von sagen wir mal Neuseeland. Dieser feste Glaube an ein Jenseits hat kaum noch ein Einfluss auf das Verhalten, wie es doch eigentlich seien müsste, wenn der Glaube wirklich echt wäre! Alles ein Schwindel.

Wenn die Gläubigen doch wirklich tief in ihren Herzen an einem unendlichem Weiterleben glauben würden, dann müsste unser irdiesches Leben doch sehr unwichtig und relaxed ablaufen. Das ist es aber keinesfalls weil auch der Papst tief im Herzen auch nicht wirklich davon überzeugt ist dass es ein Leben nach dem Tod geben wird. Er tut das des Geschäfts wegen.

Ich habe noch nie einen religiösen Menschen gesehen der mehr Angst vor der Hölle hatte als vor dem Krebs.


18.5.06 22:35

Wenn du Hanau nicht kennst...

Ich war 17, die 2 anderen der Armin 18 und Gino 20.

Wir gingen in Bremen zur Schule und machten in Rhein-Main-Gebiet eine kurze 3 tägige Klassenfahrt. Ich war grad mal 3 Jahre in Deutschland und der Armin war ein richtiger Heisssporn. So Jung aber schon sehr Kampferprobt. Manche meinten das würde daran liegen dass wir iranischen Kinder traumatiert waren. Viele hatten seit dem kleinkindalter nichts erlebt ausser dem Krieg. Ich selber war sogar paar Wochen am Front. Das geht nicht einfach so an einem vorbei.

Wir waren in einer Jugendherberge untergebracht. Wir planten am Abend wegzugehen und dabei bekamen wir heraus dass es in Hanau eine Rollschuhdiskothek gab. Rollschuhdiskothek! Wir konnten alle keine Rollschuh fahren aber du bist jung, und Abenteuersüchtig also versuchst du Dinge von denen du keine Ahnung hast. Also nahmen wir bahn bzw. Strassenbahn und fanden die Diskothek auch prompt.

Was wir nicht wussten, war dass diese Diskothek eine amerikanische Diskothek war in die meistens die schwarzen Soldaten rumlungerten und darauf warteten von weissen und meist blonden deutschen Frauen angebaggert zu werden!

Wir ganz frech, liehen uns Rollschuhe aus und machten uns auf die Fläche. Keine Chance. Ich persönlich kam nach dem ersten Faller erst garnicht wieder auf die Beine. Armin konnte ein bischen und der Gino war nicht besser als ich.

Irgendwann als ich und Gino merkten dass es keinen Sinn hat, gab es nur noch den Armin der noch wackelig auf der Fläche hin und her fuhr. Er aber suchte immer Streit und da wir in Bremen nie mit Amerikanern und Soldaten zutun hatten, wussten wir nicht wer diese Typen waren, dementsprechend waren wir Selbstbewusst wie in Bremen, dort hatten wir noch keine Schlägerei verloren und hatten uns schon einen Ruf aufgebaut. In Hanau war dieser Ruf fürn Arsch. Armin war aber nicht Intelligent genug um dies zu realisieren. Nach ungefähr 10 Minuten sah ich dass er eine blonde Frau anspricht. Ich konnte mir nicht vorstellen was er ihr sagen könnte denn er konnte sehr Schlecht deusch sprechen. Aus der Ferne sah ich dass ein schwarzer Mutant sich den beiden annährte und schon waren sie Head to Head.

"Gino was machen wir? Dieser Idiot fängt gleich ne Schlägerei an"

"Ich weiss nicht, warte ein bischen vielleicht kommts nicht so weit"

Armin war nie besonders Helle und konnte dem entsprechend seine Lage nicht richtig einschätzen, er dachte er wäre der King obwohl es in der ganzen Halle nur so von schwarzen GIs wimmelte.

Er hatte tatsächlich den Schwarzen aufgefordert mit vor die Tür zu kommen!

Der Schwarze war bestimmt 10 Jahre älter, nicht unbedingt grösser aber beinah genauso breit wie wir 3 zusammen.

Als Gino und Ich sahen dass die beide auf dem Weg zum Parkplatz waren, sind wir schnell rausgelaufen um vor den Beiden dort zu sein. Der Schwarze wusste nicht dass wir zu Armin gehören bzw. Armin zu uns gehört.

Wir warteten auf dem Parkplatz. Sie standen sich gegenüber, Armin stand vor ihm und machte eine hecktische Handbewegung in der Hoffnung den Ami einzuschüchtern. Der Ami aber kam gleich zur Sache und landete eine rechte Grade und streckte Armin nieder. Das Auge war gleich zu und das kannten weder wir noch Armin selber. Er stand da und rief: "Come up boy"

Gino und ich waren schon unterwegs. Wir überfielen den starken Ami von hinten, ich hatte probleme ihn von Hinten festzuhalten, ich fragte mich wie es aussehen würde wenn wir es allein und eins gegen eins mit ihm aufnehmen müssten. Das wäre eine Massacker geworden. Gino packte ihn endlich an den Beinen und er fiel. Das ganze muss ausgesehen haben wie die spannenden BBC Wildlife Sendungen in denen sie herrvorragende Aufnahmen machten von den Kämpfen zwischen den Tieren. Dieser Kampf war wohl vergleichbar mit dem Kampf 3er Hyänen gegen einen starken aber langsam müde werdenden Löwen. Später in meinem Leben sympathisierte ich immer mit den Löwen.

Armin trat ihm wütend gegen den Kopf, Gino und ich bearbeiteten den Körper. Er wollte aufstehen aber er bekam heftige Schläge auf dem Kopf und entschied sich irgendwann wie eine Schnecke auf dem Boden zusammen zu ziehen und den Kopf zu schützen. Wir traten und traten...

Irgendwann sah ich zufällig hoch und merkte wie ein Schwarzer die Szene sah und in die Halle reinrief.

"Jungs scheisse, lasst uns laufen und zwar so schnell wie wir können"

"Was?"

"Lauf sage ich, die ganze Kaserne ist unterwegs hierher!"

Wir liefen weg als gäbe es kein Morgen mehr und der GI lag bewusstlos auf dem Boden.


1.5.06 16:08

Stuff not worth reading

"komm, lässt du mich mal da durch?"

"ja kannst du, aber schau mich nicht so an als ob ich dir einen roten Teppich ausrollen müsste nur weil du jetzt da bist"

"Was?"

"Du hast schon gehört was ich sagte und jetzt mach dich rein, ich will mich wieder hinsetzen"

Das war am Freitag. In meine Lieblingsbar, mein bester Freund aus Serbien stand hinter der Bar und machte Cocktails wie verrückt. Cocktailabend, reduzierte Wahre für 4€ pro Cocktail.

Es war erst 22 Uhr aber ich hatte schon 4 Wodka-Redbull und einige Bier drin die ich im laufe des Abends getrunken hatte. Die Atmosphäre wurde immer besser, ausgelassener, der Laden der eigetnlich klein ist, wurde voller.

Der Typ der an mir vorbei gehen wollte aber sich dabei anstellte als hätte er es mit seiner Angestellten zutun kam grade erst rein. Hinterher erfuhr ich dass er 43 jahre ist, Schwerreich. Seine Begleitung: Eine Polin die grade studiert und im entscheidenden Moment nicht die Note bekam was sie brauchte um durchzukommen. Sie hätte aber noch eine letzte Chance was sie nicht mehr vergeigen dürfe. Ich kannte sie oberflächlich von früher wusste aber nicht dass sie die Freundin dieses Mannes war. Da war noch einer: Ein Typ der so aussah wie ein Albino, gross, 73 Jahre alt und genauso vornehm und gutgekleidet wie der andere.

Die Polin sass eine Weile neben mir und sprach mit mir über ihr Studium, ich hörte ihr zu und gab kräftig Tips die offensichtlich gut ankamen. Der Typ beobachtete die Diskussion aus der Ferne und behielt uns Konsequent im Auge. Ich war besoffen und er noch nicht, er schaute mich einmal richtig aufdringlich an und nahm den Blick nicht weg. Ich nahm ihn nicht für voll und nahm den Blick nach nur paar Sekunden wieder rüber zu seiner Freundin. Nach ungefähr einer halben Stunde kam er und wollte vorbei zu seiner Freundin und da hatte er sich vogenommen richtig hart ranzugehen um mir bloss nicht das Gefühl zu geben dass er auch nur im entferntesten daran gedacht hätte kleinbei zu geben. Also entstand die beschriebene Situation am Anfang der Geschichte.

"Wieso bist du so agressiv?"

"Hier ist keiner Agressiv, du kommst, willst vorbei kriegst den Mund aber nicht auf sondern willst dich durchzwingen. Wenn mir einer so kommt, dann scheiss ich ihm auf dem Kopf und zwar sehr schnell und direkt"

"Ja aber was willst du jetzt? Wenn ich vorbei kommen will dann komme ich vorbei, ob du es willst oder nicht"

"Ne, du irrst dich, wenn du normal fragst dann gehst du rein und alles wird wunderbar laufen, wenn du aber meinst du müsstes hier einen Affen machen, dann sage ich dir dass ich dir heute das Leben zur Hölle machen werde"

Er war geschockt. Er hatte sich vorgenommen hart zu agieren, bekam aber eine noch härtere Antwort. Er schaute mir tief in den Augen aber ich war besoffen, drehte mich zu Theke und nahm ein Schluck aus meinem Glas.

"Aber hey, wir beide kommen doch gut klar. Ich wollte ja nur durch"

"Klar kommen wir gut aus, nur ich kanns nicht ab wenn einer meint hier den grossen Baba machen zu müssen"

Er lachte und fragte nach meinen Namen und stellte sich selbst vor. Er war ein ganz erfolgreicher Immobilienverkäufer. Reichlich Opportunismus konnte man aus seinen Augen ablesen. Ich fragte nach dem Albino, er hatte eine ganz interessante Uhr und ich fragte nach dem Hersteller. Lange und Söhne, extra angefertigt nur für ihn. Kostenpunkt: 11 000 €. Dieser Mann war noch ein Tick reicher als der andere, er ging nach einer Weile nach Hause. Das Alter nehm ich mal an.

Der Typ wollte sich annähern. Er hatte gesehen dass Konfrontation keine gute Lösung war. Also fing er an ruhig und bedächtigt zu sprechen.

"Hör mal du hast mich vorhin nicht richtig verstanden, ich wollte kein Ärger, ich wollte nur durch"

"Ja ist schon gut, aber so wie du jetzt redest, hast du vorhin nicht geredet"

"Vielleicht, dann entschuldige ich mich aber wieso glaubst du unbesiegbar zu sein? Ich meine so denkst du doch oder?"

"Ich weiss nur was ich ab kann und was nicht. Von Unbesiegbarkeit ist hier nicht die Rede. Schau ich hätte dir wirklich das Leben zur Hölle gemacht. Das weiss ich."

"Ja ich glaubs dir ja. Aber weisst du hätte ich es selber nicht geschafft, dann hätte ich jemand bezahlt der dich unter dir Erde bringt. Das Geld habe ich und Typen die sowas machen kenn ich auch"

Er hatte recht. Er hätte es machen können. Er hätte die Möglichkeiten gehabt. Aber drauf geschissen.

"Möglicherweise hast du recht. Aber mich interessiert in dem Moment nicht was du danach machst, heute und hier hättest du gelitten und mein Freund das willst du auch nicht"

Er schlug mit der flachen Hand auf mein Rücken und wollte mit mir anstossen. Das taten wir auch. Zum Barkeeper sagte er dann, egal was ich als nächstes trinke, das würde auf seine Rechnung kommen. Als ich das hörte, lehnte ich ab. Das war zu schnell. Ich mochte ihn noch immer nicht.

Mittlerweile lief Trance Music und zwar eine softere Sorte davon. Das kann man sich im Rausch des Alkohols schon mal antun. Ein deutsches und ein österreichisches Ehepaar würfelten neben mir an der Theke. Die Österreicherin war sehr hübsch und schaute sehr oft rüber und nahm den Blick nicht weg bis ich selber den Blick wegnahm. Ihr man schien ein guter man zu sein. Ich wollte ihn nicht kränken. Sie waren Gäste in Deutschland.

"Komm mal mit"

"wohin?"

"komm einfach mit"

Ich ging mit dem Typen auf die Herrentoilette. Ohne was zu sagen, holte er etwas aus der Jackentasche. Kokain. Machte zwei Lines zurecht, drehte ein Zehneuroschein zusammen und zog die erste Line schnell hoch und gab mir danach den Schein. Ich tat es auch. Ich gab ihm den Schein zurück aber auf einmal umarmte er mich ganz unerwartet. Was für ein Bild. Mitten in einer Herrentolilette, die Tür abgeschlossen, und wir lagen uns in den Armen! Romantik pur!

"Pass auf ich weiss nicht mal wie du heisst aber ich mag dich"

"Soll ich sagen dass ich dich auch mag?"

"Neiiin, überhaupt nicht. Du konntest mich nicht ab ab dem Moment als ich zur Tür rein kam"

"Das stimmt"

"Aber du bist ehrlich"

"Das stimmt auch"

"Aber jetzt verstehen wir uns"

"Ja"


30.4.06 21:02

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