War

Montag, 23. Juli 2007

Den Bomben schutzlos ausgeliefert

Wir schrieben das Jahr 1985, der Iran war praktisch nicht in der Lage den eigenen Luftraum zu verteidigen, wir waren den pausenlosen angriffen der irakischen Luftwaffe schutzlos ausgeliefert. Es gab lächerliche Szenen: Der staatliche Fernseher unterbrach Sendungen um Warnsirenen auszusenden als Zeichen eines bald bevorstehenden Luftangriffs. Das lächerliche daran war dass die Luftangriffe meist schon seit 5 Minuten vorbei waren als die Warnsirenen in Fernsehen ausgestrahlt wurden. Wir hatten keine funktionierende Luftraumüberwachungssysteme, wir hatten völlig veralterte Radarsysteme die nicht in der Lage waren die Flugzeuge des Feindes zu erkennen und wir hatten mickrige und völlig lächerliche Flackgeschütze aufgestellt worüber sich die irakischen Piloten eigentlich jedes mal schlapp lachen müssten denn sie waren so alt und nutzlos dass sie die Flugzeuge in der Höhe in der sie flogen gar nicht erreichen konnten aber wir feuerten munter drauf los weil den Einwohnern ja das Gefühl vermittelt werden musste dass wir uns verteidigen würden. Die Menschen wussten aber schon lange dass es einfach nur eine showeinlage war, die Iraker kamen, warfen ihre Bomben in ruhe ab und waren schon auf dem Rückflug und unsere Idioten schossen noch immer mit Flack durch die Gegend.

Wir sassen in unserem Klassenraum als etwas selten heftiges alles durcheinander wirbelte, ich verlor die richtige Sehkraft, fiel unter dem Tisch und unterwegs schlug ich mit dem Kinn auf dem Tisch vor mir, alles wackelte, ich sah keine klaren Bilder mehr, ich sah verschwommen dass unser Tafel runterfiel, mir war warm, ich weiss nicht ob ich dachte dass es vorbei war, dafür war alles viel zu schnell und zu heftig vor sich gegangen, das alles passierte in bruchteilen von einer Sekunde...aus dem Dach des Raumes kam der Putz runter, alle lagen auf dem Boden, es wackelte noch ein wenig und meine Sehkraft war wieder da, das Haus, unsere Schule stand noch da aber die Scheiben waren zersplittert und hatten sich zu gefährliche Waffen entwickelt, von meinen zwei Klassenkameraden die am Fenster sassen war nichts übriggeblieben, sie hatten nicht die Möglichkeit sich schnell genug zu ducken und unterm Tisch zu kommen, derren Köpfe waren nicht erkennbar, viele waren verwundet, ich war nicht verwundet aber ich konnte nichts hören, ich sah die Menschen sprechen aber ich hörte kein Wort, die Bombe war 2 Häuser weiter eingeschlagen und das war einfach zuviel des Lärms, ich dachte es ist vorbei, am anfang dachte ich dass ich vielleicht auch schon tot bin, ich dachte ich wär tot und hatte es noch nicht bemerkt... aber nach einer halben Stunde fing ich an die Sirenen der Krankenwagen zu hören, in den 30 minuten kamen Soldaten, Schuldirektor, Helfer und Eltern der Kinder um die Schüler zu evakuieren... für mich war das alles ein Film ohne Lautstärke, ich sah wie die Eltern der toten Schüler sich die Köpfe an den Wänden schlugen, wie sie aus dem herzen heraus schrien, wie sie in die Knie gingen, wie sie sich selbst schlugen und ich sah wie unser Schuldirektor selbst an der Hand verletzt versuchte den Vater vom Boden hochzuhelfen.

Wir schossen noch mit kaliber 50 in die Luft, die irakischen Bomber waren wahrscheinlich wieder in der nähe der irakischen Grenze aber wir schossen noch in die Luft, das waren schutzlose Zeiten, wir waren in einer damals 10 Millionen Stadt nichts als Freiwild. Das war beschämend, die Menschen konnten es nicht glauben was aus uns nach der Revolution geworden war, 1978 noch hatte der Iran mit einer der stärksten Luftwaffen der Welt, das einzige Land Weltweit dem die Amerikaner ihre F-14 verkauften und 7 Jahre später konnte sich dieses stolze Land nicht mal mehr gegen die irakische Luftwaffe wehren und mussten zusehen wie sie hunderte Kilometer weit von ihrer Grenze unbehelligt und völlig unbedrängt über Teheran bomben abwarfen und wieder sicher nach hause flogen. Unter dem Shah hätte sich der Irak nicht mal in ihren besten Träumen getraut den Iran anzugreifen und nun sahen wir jedes mal wenn sie kamen zum Himmel hoch und beteten und hofften dass sie ihre Bomben doch bitte auch dieses mal wo anders und nicht grade auf unseren Köpfen abwerfen...

Dienstag, 8. August 2006

Und sie verlangten Leben, und boten nichts (Teil 3)

Ich stand inmitten der Stadt Sanandaj. Kein Geld in der Tasche dafür aber Taschen voller Löcher.
Langsam kam das Kind in mir hoch. Ich fing an leise zu weinen während ich nach einen Ausweg suchte und einfach ziellos weiterging. In Teheran hätte mich bestimmt jemand angesprochen und nach mein Problem gefragt. Kurden aber waren selbst ein Leiderprobtes Volk. Ich glaube der Anblick eines Jungen mit löchrigen Kleider der die Strassen hoch und runter ging, war dort nichts besonderes. Alle gingen an mir vorbei und ich an Ihnen.
Ich beschloss irgendjemanden anzusprechen und einfach die Wahrheit zu sagen. Ich ging zu einem alten Teehaus wo viele alte Kurden sassen, Teetranken und Backgammon spielten. Hinterher erfuhr ich dass niemand auf dieser Welt die Kurden in ein Backgamon match schlagen könnte. Sie schnitzten die besten und künstlerischsten Backgamons der Welt. Wohl der Nationalsport der Kurden.
Ein Junge kam aus dem Teehaus raus und bediente die Herren mit Tee und Wasserpfeife. Er hatte ein weisses Küchentuch auf sein Schulter. Ich suchte ihn aus um mein Problem mitzuteilen. Er war in meinem Alter, vielleicht ein zwei Jahre älter. Ich ging zu ihm und sagte dass ich ohne meine Eltern dort wäre und einfach nur telefonieren wollte. Ich bräuchte nurmal ein paar kleine Münzen. Er schaute sich um und fragte mich wo denn meine Eltern wären.
>>Sie sind in Teheran<<
>>Und was machst du hier?<<
>>Wenn du mir die Münzen geben kannst, dann gib sie mir bitte, ansonsten gehe ich weiter und frag einen anderen<<
Er schaute sich wieder ein bischen um griff in die Tasche und holte alles raus was er in den Taschen hatte. Lauter Münzen. 2 davon gab er mir. Ich bedankte mich und lief wie verrückt zu der anderen Seite der Strasse wo ein heruntergekommenes öffentliches Telefon stand. Ich rief zuhause an, und als meine Eltern nach 3 Wochen das erste mal meine Stimme hörten, fingen sie an zu heulen. Ich versuchte mit meinem Vater zu sprechen aber er rief nur meinen Namen. Das ging 5 Minuten lang. Ich war pragmatisch mein Vater war einfach nur Emotional weil er wahrscheinlich nicht mehr daran glaubte dass ich lebe.
>>Wo bist du mein Sohn? Wo?<<
>>In Kurdistan. In Sanandaj<<
Er fluchte, wie wild, er beschimpfte die Führer und verdammte diesen Krieg. Es war nicht Druckreif. Er wusste wer dafür verantwortlich war dass 11, 12 jährige Söhne für etwas den Kopf hinhalten mussten wofür sie nichts konnten. Das war nicht mein Krieg, auch nicht der Krieg der Iraker. Wir waren einfach nur die Instrummente.
>>Pass auf, ich hab einen alten Freund der unter mir diente als ich noch in der Armee war. Ich war auch in Kurdistan. ich gib dir die Telefonnummer, zufälligerweise habe ich vor 2 Monaten noch mit ihm telefoniert. Ruf ihn an und sag er soll dir Helfen bis ich da bin<<
>>Ich hab nichts zu schreiben. Ruf du ihn an und sag ihn wo ich bin dann kann er mich hier abholen.<<
Ich gab den Strassennamen durch und den Namen von dem Teehaus und beschrieb mein äusserliches. Er fing wieder an gedämpft zu heulen als ich dabei war meine Kleidung zu beschreiben damit sein Freund mich dort orten konnte.
Nach ungefähr 45 Minuten kam er. Er nahm mich im Arm, küsste mich auf die Wange und wir fuhren weg. Ich kam an, duschte, bekam neue Kleider und schlief auf dem Sofa ein. Seine Frau deckte mich zu. Ich schlief durch. Das erste mal nach 3 Wochen.
Am nächsten Tag kam mein Vater. Ich dachte er würde ein Feuerwerk der Tränen abbrennen. Es war nicht so. Er hatte sich zuhause in Teheran ausgeheult und kam um mein Problem endgültig zu lösen. Ganz Pragmatisch. Er war Mathematiker.
Er küsste mich überall im Gesicht, hielt mich ganz fest in den Armen und ich hörte ihn leise weinen als er mich drückte. Ich war zu nah an ihn dran um es nicht zu merken. Er liess mich erst dann los, als er vorher seine Tränen wegwischte. Er wollte nicht dass ich es merkte aber ich bemerkte es.
Er kam mit viel Geld und mit ein Plan mich aus dem Land zu schmuggeln. Ich wollte nicht gehen ohne dass ich meine Mutter gesehen hatte. Also blieben wir noch 2 Tage dort bis dann auch meine Mutter nach Sanandaj kam.
Sie organisierten einen Termin mit einen Schmuggler. Er bekam wohl einige tausend Dollar um mich über die Grenze in die Türkei und von dort aus erst nach Istanbul und dann über Bulgarien, Jugoslawien und Tschechei nach Deutschland zu bringen. Von dort aus sollte mein Onkel aus Norwegen kommen und mich zu sich dorthin bringen.
Die Abschiedsszenen waren Grauenvoll. Eine Familie war dabei auseinander zu brechen. Meine Mutter hatte 2 Tage lang nonstop geweint. Ihr Kind, ihr kleines Kind war dabei für immer wegzugehen.
Wir kamen zu der Grenze und ich stieg in ein verstecktes Unterteil eines Lastwagens. Wir kamen locker durch. Es war nur Kalt. Der osten Türkeis ist wie unser Kurdistan: Sehr Kalt, sehr Gebirgig. Wir waren auf dem Weg nach Istanbul. Wir hielten nur Nachts. Der Fahrer war mittlerweile ein Türke und der iranische Schmuggler konnte perfekt türkisch. Er liess mich in abgelegenen Ortschaften manschmal raus und neben sich vorn zu sitzen. Ansonsten sah ich nur Dunkelheit in den eingebauten Unterteil des Lasters. Mein Vater hatte den Schmuggler gut bezahlt. Er versprach mich heil bis nach Deutschland zu bringen.
In Istanbul, übernachteten wir in ein mittelmässiges Hotel. Am zweiten Tag kam der Schmuggler und sagte:
>>Es tut mir leid Junge. Ich kann dich nicht mehr weiter bringe!!<<
Er hatte sich mit anderen Schmugglern gestritten und wurde verletzt. Sie hatten wohl in der Nacht ein Messersticherei. Jedenfalls war er für ein Schmuggler zumindest so gut dass er mein Aufenthalt in Istanbul für 2 Wochen sicherte indem er aus dem Geld was er von meinem Vater bekam für 2 Wochen im Voraus das Zimmer zahlte in dem ich hauste. Ich war Illegal dort. Er gab mir noch 500 Dollar und zusammen mit dem Geld was mein Vater mir selbst gab, hatte ich insgesamt 1500 Dollar. Allein in Istanbul, verstand kein Türkisch und hatte Angst vor der Polizei. Das wetter jedoch war gut. Ich hatte teilweise schöne Tage dort. Ich ass draussen, telefonierte mit Eltern und erzählte von dem was mir passierte und davon dass ich nun Allein bin und nur noch auf mich selbst zählen kann. Mein Geld neigte sich dem Ende zu und meine 2 Wochen im Hotel waren auch bald rum. Es war nicht nur bald rum, irgendwann wurde es sogar zu Wirklichkeit und ich hatte das Zimmer zu räumen. Ich tat es und schlief ab sofort in den Parks und am Hafen. Ich hatte Glück, die Tage und Nächte waren Warm und es gab keine grösseren Probleme mit der Temperatur. Irgendwann sass ich am Tag am Hafen und schaute mir die Schiffe an die am Bosporus zahlreich hin und her fuhren als auf einmal ein Typ mit mir persisch sprach. Ich drehte mich um und wunderte mich wieso denn dieser unbekannte Typ mit mir persisch sprach. Er wurde zufällig aufmerksam als er an mir vorbei ging und mich pfeifen hörte. Ich pfiff wohl ein persisches Lied und er erkannt es und wusste sofort dass ich nur ein Iraner seien konnte.
Dieser Man war wohl der beste Landsmann den ich jemals davor und lange danach antraf. Er hörte sich meine Geschichte an und sagte dass er leider nicht viel mehr tun könne als mir das verlorene Zimmer wieder zu besorgen und für die nächten 2 Wochen im vorraus zu zahlen. Einfach so. Ich habe nie herausgefunden wie er hiess und was er machte. Er kam mit mir zum Hotel, zahlte mein Zimmer, verabschiedete sich und ging. Es gab wohl noch gute Landsmänner.
.....
Jahre Später studierte ich Architektur in Frankfurt und schlief immernoch in Parks und in der Dresdner Bank. Ich jobte immernoch in Bars, Restaurants, kneipen...
Heute schreibe ich über Banalitäten und sehe das Leben als völlig Sinnlos an. Nein kein depressiver Nihilist. Nach dem was ich gehört, gelesen und gesehen habe - und das ist eine Menge gewesen- kam ich zu dem Schluss dass wir Sinnlos existieren. Dein Leid hat irgendwann auch ein anderer gehabt, die schwere deines Leides wurde bestimmt irgendwo von irgendeinen anderen armen Menschen getoppt. Was du schreibst, hat irgendjemand vor dir in ähnlicher Art und Weise auch geschrieben...
Wir warten auf ein Ende und schlagen unsere Zeit tot bis dahin. Die einen erfinden für sich eine andere Welt im Himmel nur um dieses Leben auf der Erde und die Unwissenheit ertragen zu können und um sich ein abruptes Ende -was am wahrscheinlichsten ist- nicht vorstellen zu müssen.
Die einzigen Dinge die dieses warten angenehmer gestallten können sind nach meinen Erfahrungen: Lieben, Bücher, Musik, Sport, Angeln, und das alleinsein mit Schönheiten, ganz egal ob diese Schönheiten in der Natur vorkommen oder bei den Menschen.
Teil 1
Teil 2
9.3.06 18:25

Und sie verlangten Leben, und boten nichts (Teil 2)

Wir waren Stunden unterwegs und als ich die Front erreichte bekam ich es langsam mit Angst zutun. Ich war nur ein Kind zwar ein logisches und teilweise Starkes Kind aber noch immer nur ein Kind.
Die Alten und die Minderjährigen mussten am Anfang in der zweiten Reihe Hilfe leisten und Sanitätsaufgaben erfüllen. Das war Grausam genug. In den Zeiten wo unsere Stellungen 24 Stunden lang unter heftigen Feuerbeschuss waren und zwar aus der Luft und aus dem Boden, war der Anblick der Toten und Schwerverletzten Soldaten nicht unbedingt sehr hübsch. Da kamen Soldaten die in dem Kehlkopf getroffen waren und verbluteten, sie wollten reden aber kein Ton kam heraus stattdessen quoll Blut aus der Kehle, es kamen Soldaten die Bein und Hände verloren hatten und eine auf Stark machten und nach ner Zigarette fragten obwohl sie wie aus einem Wasserhahn bluteten und oft nach 5 Minuten starben.
Mir hatten sie einen khaaki farbenen Armeeanzug gegeben der Löcher hatte und 2 Grössen zu gross war. Granaten flogen über unsere Köpfe und überall waren die Sirenen der Krankenwagen zu hören. Wir hatten wenig waffen und sehr wenig Munition. Uns hatten sie aus der Zentrale mitgeteilt dass uns wegen der amerikanischen Embargo nur sehr wenig Munition zur verfügung stehen würden also sollten wir damit Sparsam umgehen. Sie verlangten Leben und boten nichts.
Unsere Soldaten waren demoralisiert, das irakische Feuer war unerbittlich und wütend. Wir hatten Ihnen ausser menschliches Fleisch nichts entgegenzusetzen. Wir hatten aber auch einige Verrückte die noch immer motivierten und teilweise bereit waren Nachts und nur mit 5 Kugeln in der Waffe die irakischen Lager zu überfallen. Grade diese furchlose Menschen haben meistens überlebt obwohl sie die grösste Gefahr auf sich nahmen.
Nachts schlief ich in ein Zelt mit einem alten um die 60 jahre alten Mann. Er redete nicht, er kam aus einem Dorf. Freiwillig. Nachts bekam ich komischerweise mehr Angst obwohl es nicht so Blutig und heftig zuging. Auch die Iraker machten in der Nacht ein bischen Pause. Darüber waren wir mittlerweile nicht mal mehr Glücklich weil wir am nächsten Morgen wieder die Hölle erwarteten. Nach ner Woche wurde ich sogar zum Front bestellt. Ich war mit 13 nicht mal der jüngste. Da war einer der war 11. Er hatte immer ein Koran bei sich und weinte wenn Granaten über uns herflogen. Ich war von hause aus unreligiös. Vom Koran und Islam hielt ich nichts, ich wusste nicht viel darüber aber ich verstand es einfach nicht wie ein Koran mich vor Granaten und Splitter beschützen könnte. Ich überlebte, der 11 jährige mit dem Koran unterm Arm wurde irgendwann mit 3 Granatensplitter in dem Hals und Kopf tot aufgefunden. Die Armen Eltern. Davon gabs Millionen.
Ich hatte sogar eine Waffe aber nur 3 Kugel! Wir wurden ständig zurückgedrängt und sollten die Stellungen soweit wie möglich verteidigen, aber mit 3 Kugeln?
Es vergingen 2 Wochen in denen ich kein Kontakt zu meinen Eltern hatte, später fand ich heraus dass die Guardisten meine Eltern nicht mal kontaktiert hatten. Mein Vater war wohl nach ner weile in die Schule gegangen um zu sehen warum ich nicht nach hause kam und als er mitbekam dass sie mich zum Front geschickt hatten, hatte er sämtliche Türen der Schule eingetreten und den vizedirektor, -ein Regimeanhänger- übelst zugerichtet. Man sagte mir dass er Tagelang bei uns an der Tür auf mich wartete und weinte, mit mir sprach und mich darum bittete wieder zurück zu kommen. Er wurde in der Zeit Krank und war kurz davor sich das Leben zu nehmen wenn meine Mutter nicht rechtzeitig interveniert hätte.
Am Front ging es seit 2 Wochen nur Rückwärts. Wir gaben immer neue Stellungen verloren und immer mehr altes und junges Frischfleisch kamen hinzu. Unausgebildet und demoralisiert. Am Front kämpften schon lange keine richtigen soldaten mehr sondern fast nur zwangsrekrutierte Fleischstücke.
Irgendwann habe ich beschlossen abzuhauen. Wir waren unorganisiert und ich dachte mir dass grade das Durcheinander mich tarnen könnte. So war es auch. Ich hatte Angst vor den Nächten die sehr Kalt und Glasklar waren. Ich beschloss einfach am Tag abzuhauen und dabei mich so normal wie möglich zu verhalten. Einfach mich von der beschäftigten Masse entfernen und mein Glück versuchen. Das klappte. Ich ging einfach grade aus, bis ich immer dumpfere Geräusche und immer weniger Menschen traf. Nach einer weile fand ich garnichts mehr vor. Keine Menschen, keine Autos. Ich hörte nur noch sporadisch Bomben aus der Ferne. Die gegend war Gebirgig und die Kuppel der Berge waren allesamt noch mit Schnee bedeckt. Kurdistan war kalt und verlassen. Ich erreichte eine einsame Strasse und empfand weder Müdigkeit noch Hunger obwohl ich nun schon 2 Stunden unterwegs war. Ich wollte per Anhalter nach Sanandaj die Hauptstadt Kurdistans. Da hatte ich mir überlegt dass ich meinen Vater irgendwie anrufen könnte und er würde dann her kommen oder irgedwas anderes organisieren. Ich fing an den Daumen hoch zu halten und zu bewegen, dann aber überfiel mich ein Gedanke: Meine Armeekleidung. Was wenn die Fahrer Regimeanhänger wären und merken würden dass ich ein Deserteur bin? Das war eingetlich ein kluger Gedanke. Ich zog mich aus bis auf ein Boxershort und ein T-Shirt. Nach einer halben Stunde hielt ein Lastwagen an und nahm mich mit. Der Fahrer wollte auch nach Sanandaj und hielt mir die Tür auf, ich hatte Angst und entschied mich dafür hinten zu sitzen und zu frieren. Der Typ kümmerte sich nicht darum. Bang, war die Tür zu und er fuhr los.
In Sanandaj hielt ich die Kälte nicht mehr aus. Ich zog die Armeekleider wieder an. Ich fühlte weder meine Füsse noch meine Hände. Alles war Blau.
Teil 1
Teil 3

7.3.06 19:19

Und sie verlangten Leben, und boten nichts (Teil 1)

Ich war 13 und ein exzellenter Schüler. Sowohl in der Schule als auch als ein Tischtennis- und Fussballspieler war ich ein talentierter Junge. Ich sass da in dem überfüllten Schulraum und wartete darauf das es klingelte. Den Tischtennisschläger hatte ich in Schulranzen. Ein damals Neiderregendes Ding: Eine Seite belegt mit der offensiven Belag des japanischen Herstellers "Butterfly", auf der anderen Seite des schlägers hatte ich mir ein defensivbelag von der gleichen Firma draufkleben lassen. Wir waren im Krieg gegen den Irak und Saddams Kampfjets und Bomber liessen uns keine Ruhe. Vor 4 Wochen traf eine Luft-Boden Rakette 2 Häuser weiter ein und bei uns nahmen die Wände grosse Risse und alle Fensterscheiben gingen in die Brüche. Meine Kindheit war eigentlich immer begleitet von Krieg. Wir hatten schon langsam keine Angst mehr wenn Nachts die Sirenen tönten, wir gingen schon garnicht mehr in dem Keller weil wir immer darauf hofften dass in dieser riesen Stadt die Bomben doch nicht grade uns treffen würden. Das hatten all die jenigen die die Bomben tag für tag abbekamen und starben, wahrscheinlich auch gedacht.
In der Schule jedenfalls klingelte es an dem besagten Tag nicht mehr. Der Rektor kam rein und schickte alle Schüler auf dem Hof da wäre eine wichtige Durchsage für alle. Wir waren euphorisch, ich war in der 8en Klasse und etwas grösser und stämmiger Gebaut als die meisten anderen in meinem Alter. Wir drängelten uns alle zu dem Schulhof und jede Klasse reihte sich ein so wie es die Lehrer wollten.
Wir kiecherten und ärgerten uns gegenseitig bis dann 4 angsterregende Gestallten in Begleitung des Rektors aus dem Lehrerzimmer zum Hof hinauskamen. Alle 4 waren bärtige junge Männer aus der "Sepahe Pasdaran" das waren die Revolutionswächter, die Guardisten. Dunkelgrüne Armeekleidung und schwarze Armeestiefel. Alle waren mit Colts ausgestattet. Der Rektor der eigentlich bekannt war dass er insgeheim Regierungsfeindlich war, sagte den Schülern dass diese Männer nun einigen von uns ein paar Fragen stellen würden und danach würden wir alle Heim gehen können.
Sie kamen, und sprachen mit den Schülern bzw. Kindern. Sie sprachen von der Revolution und von dem heiligen Krieg den wir gegen die Iraker zu führen hätten und den wir bis zum schluss und bis zum endgültigen Sieg weiterführen müssten. Alle Schüler waren aufeinmal ganz ruhig, man hörte nur die Tauben über unseren Köpfen hinweg fliegen. Sie liebten die Kuppel der Moscheen und direkt neben unserer Schule war ein Moschee. Es war heiss, mitten im Sommer. Diese bärtige "Revolutionswächter" rekrutierten also. Zwangrekrutierung.
Es war 1987, die Iraker hatten eine grossangelegte Offensive angefangen und griffen unsere Stellungen massiv an und zwar vom Norden bis Süden gleichzeitig. Unsere Propagandafernseher und die Medien berichteten unaufhörlich von Siegen und vernichtende Niederlagen der Iraker, die die aus dem Front zurückkamen jedoch erzählten ganz andere Geschichten. Täglich fuhren unzählige Büsse Richtung Front und wenn man die Gesichter betrachtete dann sah man alles nur keine Begeisterung und Vaterlandsliebe. Selbst Kinder und ältere Männer wurden dazugezwungen zum Front zu gehen. Daran merkte man dass es um unseren Grenzen nicht gut bestellt war. Die Iraker kamen mächtig und eroberten nicht nur die von uns besetzten Gebiete sondern besetzten mittlerweile ihrerseits iranisches Territorium.
In unserer Schule wurden mittlerweile die körperlich stärksten ausgesucht und aus den Reihen geholt. Das waren meistens Schüler die ein paarmal sitzengeblieben waren und somit etwas älter und physisch stabiler waren. Einer von Ihnen kam mir immer näher und war mittlerweile neben mir. Er hatte beide Hände hinter dem Rücken gelegt und lächelte kein bischen.
>>Wie alt bist du Junge?<<
>>13<<
>>13? nicht dass du lügst, du sieht doch aus wie ein grosser Mann, wie ein 16, 17 jähriger junger Mann<<
>>Nein Herr, ich schwör zu Gott ich bin erst 13<<
Er rief einen anderen "Guardist" und er brachte ein G3 mit sich. Er drückt mir den G3 in die Hände und sagte "Haltmal".
Ich hielt die grosse und mächtige Waffe in den Händen ohne gross was dabei zu fühlen.
>>Siehst du? Du bist doch ein grosser, starker Junge, willst du nicht etwas gutes tun für dein Land? Für dein Iran?<<
Ich schaute ihn nur an und sagte nichts. Er lächelte und zog mich sanft aus den Reihen. Ich war auserwählt.
>>Aber Herr, meine Eltern die warten auf mich, sie denken mir wär was passiert, bitte lassen sie mich mit ihnen reden<<
>>Mach dir keine sorgen, wir werden deine Eltern benachrichtigen. Sie werden bestimmt stolz sein auf ihren grossen und starken Jungen!<<
Eine Stunde Später sassen wir in ein Buss und fuhren schon richtung Nordwest Front in der Provinz Kurdistan.
Fortsetzung folgt...
Teil 2
Teil 3
7.3.06 17:42

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